„Bleiben Sie standhaft!“

Offener Brief des Historikers und Buchautors Michael Hesemann an Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, vom 3.2.2021.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 6. Februar 2021 um 10:11 Uhr
Kardinal Woelki

Kathnews. Mit Zustimmung von Dr. h.c. Michael Hesemann veröffentlicht Kathnews einen offenen Brief des Historikers an den Kölner Erzbischof Maria Kardinal Woelki anlässlich der medialen Kampagne gegen ihn.

Eminenz,

als ich vor einem Jahr auf die unsägliche Kampagne des WDR-Moderators Kurt Gerhardt gegen Sie mit einer Gegenpetition antwortete, reagierten Sie nicht ganz so begeistert: Sie wollten „keine Galionsfigur“ sein, erklärten Sie der Presse. Dabei ging es mir nie darum, Sie für irgendetwas zu vereinnahmen, sondern nur, Ihnen und der Presse zu zeigen, dass das medial transportierte Bild, die Katholiken des Erzbistums seien mit Ihrer Ausübung des Hirtenamtes unzufrieden, falsch ist. Es ging mir also um keinerlei kirchenpolitische Vereinnahmung, nicht darum, Sie in irgendein Boot zu holen oder Sie als Galionsfigur zu mißbrauchen, sondern nur um eine Zahl: 4476 Katholiken, die meisten aus dem Erzbistum Köln, erklärten ihre bedingungslose Solidarität mit Ihnen, während auf der anderen Seite 2552 Reformkatholiken, Protestanten, Atheisten, Kirchengegner etc. Kritik an Ihnen übten. Das Fazit war eindeutig: Rund 2/3 der Befragten sind Ihnen dankbar, dass Sie unser Erzbischof sind! Seitdem kann niemand mehr behaupten, eine Mehrheit sei mit Ihnen unzufrieden!

Das Ergebnis ist noch eindeutiger, wenn man bedenkt, dass ich „meine“ Unterschriften nur über Facebook und kath.net „rekrutierte“, während meine Petition von der weltlichen Presse bewusst ignoriert wurde. Ich schreibe „bewußt“, denn jeder, der die „Kritik-Petition“ anklickte, wurde automatisch über meine Gegenpetition informiert. Gerhardt dagegen hatte die großen Medien, von Express über den Kölner Stadtanzeiger und die Rheinische Post, ja sogar FAZ, Welt und SZ auf seiner Seite. Er erreichte also eine breite Öffentlichkeit, was mir versagt war. Trotzdem konnte er gerade einmal 2252 Menschen von sich überzeugen und gegen Sie vereinnahmen, während ich doppelt so viele dazu brachte, Sie ihrer Treue und ihres Gebetes zu versichern.

Das Fazit: Ihre Gegner sprechen nicht für die Gläubigen, sondern nur in eigener Sache!

Das zeigte sich gestern erneut, als ein „offener Brief“ des Katholikenrates im Rheinkreis Neuss Sie zum „Handeln“ aufforderte. Auf dem Briefkopf stehen einige bekannte Namen, von denen mindestens zwei nachweisbar nicht gefragt wurden und die Aktion nicht mittragen, nämlich Dompropst Assmann, der frühere Neusser Stadtdechant, und Sebastian Rosen, ehemaliger Ratsherr und Sprecher der Malteser im RK Neuss. Da ich mittlerweile meinen Hauptwohnsitz in Neuss habe, fühlte auch ich mich gestern genötigt, öffentlich zu erklären:

„Als Katholik im Rheinkreis Neuss distanziere ich mich ausdrücklich von diesem Brief! Jetzt, angesichts dieser unsäglichen Pressekampagne, wäre es eigentlich an der Zeit, dass wir Katholiken uns geschlossen hinter unseren Erzbischof stellen, der sich redlich bemüht, diesen Sumpf auszutrocknen, der leider auf die traurigen 1970er Jahre und die damals propagierte „sexuelle Befreiung“ zurückgeht. Tatsächlich steckt jedoch hinter der Kampagne gegen Kardinal Woelki etwas ganz anderes: sie begann bereits, als er vor der katastrophalen Fehlentwicklung des synodalen Holzweges warnte, dessen einziges Ziel die Protestantisierung der katholischen Kirche ist. Dass diese Entwicklung nur zum Schisma mit Rom und der Entwicklung einer deutschkatholischen Nationalkirche (von der schon Hitler geträumt hat) führen wird, muss mittlerweile jeder auch nur halbwegs romtreue Katholik einsehen; Papst Franziskus hat ja vor solchen deutschen Sonderwegen deutlich gewarnt. Nicht am „deutschen Wesen“ wird die Kirche genesen, sondern an einer Erneuerung der inneren Disziplin und einer konsequenten, mutigen Neuevangelisierung!“

Wir wissen beide, dass die aktuelle Hetzjagd auf Sie die Mißbrauchskrise nur zum Vorwand nimmt, denn sie begann ja, wie gesagt, schon vor einem Jahr, gleich nach Ihrer völlig berechtigten Kritik am „synodalen Holzweg“ (wie ich ihn zu nennen pflege). Daraus ist auch ersichtlich, worum es nach wie vor tatsächlich geht.

Daher aber bitte ich Sie, ja ich flehe Sie an im Namen tausender Katholiken des Erzbistums Köln (und das ist keine Übertreibung, da ja viereinhalb Tausend allein meine Petition unterzeichnet haben): BITTE BLEIBEN SIE STANDHAFT! Betrachten Sie die momentane Pressekampagne als Bußübung, als Martyrium, aber steigen Sie bitte nicht vom Kreuz herab, das der Herr Ihnen gerade anbietet, fliehen Sie nicht vor den Wölfen (wie der leidgeplagte Benedikt XVI. nach seiner Wahl betete: „Herr, gib mir die Kraft, dass ich nicht vor den Wölfen fliehe!“), sondern BLEIBEN SIE STARK und BLEIBEN SIE UNSER OBERHIRTE! Wir lieben und schätzen Sie, wir beten für Sie, wir brauchen Sie! Unsere leidgeplagte und sturmumtoste römisch-katholische Kirche in Deutschland braucht einen mutigen Kardinal und Erzbischof, der zu Rom, zu Papst Franziskus und zum Katechismus steht und deutschnationalen Sonderwegen eine klare Absage erteilt!

Ich bete für Sie, dass der Herr Ihnen die Kraft gibt, das Steuer des Erzbistums Köln, der einstmals (und hoffentlich immer noch) „treuesten Tochter der römischen Kirche“, auch weiterhin fest in den Händen zu halten, nicht zu verzagen und Standfestigkeit zu zeigen! Und dass Sie Mitarbeiter finden, die Sie darin bestärken und Ihnen Steine aus dem Weg räumen, statt Ihnen in Brutus-Manier den Dolch in den Rücken zu stoßen.

Mit mir beten tausende andere für Sie!

Gott segne Sie, unseren Erzbischof, Kardinal Woelki!

In treuer Verbundenheit

Ihr

Dr. h.c. Michael Hesemann

Foto: Kardinal Woelki – Bildquelle: Martin Lohmann / LohmannMedia

 

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