Bitte mutig weiterdenken, Bischof Oster!

Bischof Oster will Segnungen zum Auftakt zum Ehesakrament, keine Segnungen von Konkubinaten. Ein Kommentar von Peter Winnemöller.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 17. MĂ€rz 2017 um 12:40 Uhr
Hochzeitsbank

Kommentar von Peter Winnemöller:

(kathnews/TheGermanz). Der Bischof von Passau, Stefan Oster, ist bekannt dafĂŒr, auch mal öffentlich anders zu denken. Einen Sachverhalt mutig gedanklich gegen den Strich zu bĂŒrsten, ist fĂŒr den ehemaligen Journalisten und frĂŒheren Theologieprofessor der Normalfall. FĂŒr Katholiken ist das interessant. Das Interesse der Medienöffentlichkeit ist bei kirchlichen Themen dagegen doch sehr verengt. Damit er die Öffentlichkeit dennoch erreicht, fĂŒhrt er ein eigenes Weblog. Darin werden seine Artikel, Predigten, Ansprachen und vieles andere mehr verbreitet. So gelingt es ihm, auch da in den Diskurs einzugreifen, wo es schwer ist, in die Medien zu kommen. Auf diese Weise kommt es am Ende doch noch zu einer guten PrĂ€senz in den herkömmlichen Medien, obwohl der Bischof gegen den Mainstream schwimmt und nicht wirklich in eine Schublade paßt.

In einem Interview mit dem Merkur hat der junge Bischof angeregt, ĂŒber Segnungen vor der eigentlichen Trauung nachzudenken. Zugleich hat er einschrĂ€nkend und beruhigend betont, daß es keine konkreten PlĂ€ne im Bistum Passau in diese Richtung gibt. Dennoch macht es Sinn, diesen Gedanken einmal aufzugreifen und weiter zu denken.

Das Erschrecken war groß. Die Frage, ob ausgerechnet Bischof Oster dem Eheskrament den Gnadenstoß geben will, wurde in den sozialen Netzwerken besonders in konservativen Kreisen sofort diskutiert. Nichts davon ist der Fall. Es ging um eine Segnung als Auftakt auf dem Weg zum Ehesakrament. In der Regel kommen die Brautleute zum Pfarrer, wenn alles andere schon geklĂ€rt ist. Der Saal,das Essen, das Kleid, der Anzug und die Einladungen sind nicht selten schon vorbereitet. Dann braucht man ja auch noch die Kirche. Es soll ja romantisch werden.

Ob es dann katholisch oder evangelisch wird, ist hĂ€ufig eher Zufall. Die Ehe ist nun einmal ein Sakrament. Sie ist unauflöslich, sie ist offen fĂŒr Kinder und sie ist an Bedingungen geknĂŒpft. Die meisten Brautleute haben davon keine Ahnung. Unserer Welt ist das eher ein Ärgernis. Im Vorfeld bekommt man schon von irgendwem gesagt, was man dem Pfarrer antworten muß, damit der beim VorgesprĂ€ch die Trauung nicht ablehnt. Das kann nĂ€mlich passieren!

Dann wird dem jungen Paar noch ein Wochenende in einem katholischen Bildungshaus aufs Auge gedrĂŒckt, wo man gefĂŒhlt hauptsĂ€chlich darĂŒber redet, ob man die Pille nun nehmen darf oder nicht. Das nennt sich dann Ehevorbereitung.

Nach fĂŒnf Jahren Scheidung. Und dann ist Auweia. War die Ehe gĂŒltig geschlossen, ist der Ofen aus mit einer neuen Ehe. Das hat man natĂŒrlich nicht gewußt. Was bildet sich die Kirche da ĂŒberhaupt ein? Zu dieser Frage gab es sogar eine Bischofssynode und ein pĂ€pstliches Schreiben. Entgegen allen Unkenrufen der Veröffentlichten Meinung ging es dabei nicht primĂ€r um die Kommunion fĂŒr zivil erneut verheiratete Geschiedene. Es ging um die Familie und wie sie zu stĂ€rken ist. Die Ehe ist der Ursprung und Kern der Familie. Wer die Ehe stĂ€rkt, stĂ€rkt die Familie.

Neue Zeiten brauchen neue Wege, um die Wahrheit zu den Menschen zu bringen. Das katholische EheverstÀndnis ist den Menschen verloren gegangen. Es gelangt sicher nicht zu den Menschen, indem man sie an einem Wochenende in einem Bildungshaus langweilt. Das ist der Gedanke hinter der Idee, junge Paare zunÀchst einmal zu segnen und dann einen Weg mit ihnen zu gehen.

Es ist eine Illusion zu glauben, junge Menschen wĂŒrden nicht unverheiratet zusammen leben, nur weil es die Kirche fordert. Wohl denen, die das so machen und so machen können. Es ist eine verschwindend geringe Minderheit. Die Mehrheit lebt schon lĂ€ngst zusammen, wenn sie heiraten. Bislang nimmt die Kirche das einfach so hin. Sie nimmt es auch einfach so hin, daß das Wissen ĂŒber die Ehe schwindet. Das kann so nicht bleiben. Das haben die Bischöfe auch bei ihrer Synode zum Thema Familie mehrfach gesagt.

Die Mehrheit der Bischöfe in unserem Land schweigt sich jedoch darĂŒber aus. So eine richtig zĂŒndende Idee hat keiner. Das Kind ist lĂ€ngst in den Brunnen gefallen. Da kommt die Idee von Bischof Oster im Grunde zur richtigen Zeit. Man sollte sie nun nicht in Bausch und Bogen verdammen. Denken wir doch mal darĂŒber nach, ob nicht zunĂ€chst einmal ein Verlobungssegen oder so etwas am Beginn des Weges hin zur Ehe stehen kann. Wer in ein Kloster eintritt, hat ein Postulat und ein Noviziat mit umfangreicher geistlicher Ausbildung. Die Ehe kennt so etwas nicht. Es wird Zeit, in diese Richtung zu denken. Unsere Zeit macht es erforderlich.

Es sprĂ€che doch nichts dagegen, ein Verlobungsjahr mit einem tiefgreifenden Ehevorbereitungskurs der Trauung vorzuschalten. Und wenn ein Paar mehr Zeit braucht, dann sollte es die Zeit bekommen. Niemand wird dann ernsthaft annehmen, die Kirche akzeptiere und segne ein Konkubinat. Das ist doch Unsinn. Es ist deutlich besser, den Menschen den Weg aus dem Irrtum anzubieten und dabei zu akzeptieren, daß dieser Weg seine Zeit braucht. Das ist allemal besser, als die Menschen im Irrtum zu belassen. Und es ist viel besser als sie irrend in eine Situation laufen zu lassen, aus der es nur schwere oder keine Auswege gibt.

Der Gedanke von Bischof Oster, der ihn mit Blick auf die Volkskirche sogar selber erst einmal erschreckt hat, sollte festgehalten und weiter gedacht werden. Wenn es eines gibt, was unsere Gesellschaft unbedingt braucht, dann sind es starke Familien. Starke Familien wachsen aber nur aus starken Ehen. Dazu braucht es eine Kirche, die die Menschen mutig an die Hand nimmt und ihnen Wege in eine starke Ehe aufzeigt.

Also bitte mutig weiterdenken, Herr Bischof.

Foto: Hochzeitsbank – Bildquelle: Alexander Hauk / www.bayern-nachrichten.de

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