Das Beschneidungsurteil und die Religionsfreiheit

Kölner Landgericht hat nicht das letzte Wort.
Erstellt von Radio Vatikan am 14. Juli 2012 um 23:21 Uhr
Beschneidung Christi

M√ľnchen (kathnews/RV). Der M√ľnchner Kardinal Reinhard Marx ist √ľberzeugt, dass m√§nnliche Kleinkinder in Deutschland auch k√ľnftig aus religi√∂sen Gr√ľnden straffrei beschnitten werden k√∂nnen. Das umstrittene Urteil des K√∂lner Landgerichts werde in der Angelegenheit ‚Äěnicht das letzte Wort gewesen sein‚Äú, sagte Marx am Donnerstagabend beim Jahresempfang seines Erzbistums in M√ľnchen. Das Judentum habe auch in Deutschland einen Anspruch auf Religionsfreiheit.

Der Zentralrat der Juden forderte unterdessen eine √ľberparteiliche Gesetzesinitiative f√ľr legale Beschneidungen von Jungen. In einem Brief hat der Pr√§sident des Zentralrats der Juden in Deutschland die Bundesregierung, alle Fraktionsvorsitzenden sowie die Ministerpr√§sidenten der L√§nder aufgefordert, f√ľr gesetzliche Klarheit zu sorgen. Das gab Dieter Graumann jetzt gegen√ľber der ‚ÄěRheinischen Post‚Äú an. ‚ÄěDie Beschneidung ist f√ľr Juden absolut elementar‚Äú, bekr√§ftigte der Ratspr√§sident in dem Interview. Wenn das Urteil des K√∂lner Gerichts zur Rechtslage w√ľrde, sei ‚Äěin letzter Konsequenz j√ľdisches Leben in Deutschland nicht mehr m√∂glich‚Äú. Das K√∂lner Landgericht hatte die Beschneidung der Penisvorhaut bei minderj√§hrigen Jungen im Falle einer religi√∂sen Motivation als strafbare K√∂rperverletzung gewertet.

Debatte √ľber Religionsfreiheit

or dem Hintergrund des Beschneidungsurteils wollen Juden, Christen und Muslime in Deutschland das Thema Religionsfreiheit st√§rker in den Blickpunkt der √Ėffentlichkeit r√ľcken. Vertreter der drei Religionen wollen am kommenden Dienstag in Stuttgart dar√ľber beraten, wie freie Religionsaus√ľbung besser gesch√ľtzt werden kann. Bei dem Treffen in der baden-w√ľrttembergischen Landeshauptstadt k√∂nnte es beispielsweise darum gehen, wie eine gemeinsame Gro√üveranstaltung von Juden, Christen und Muslimen aussehen k√∂nnte. √úber das ‚ÄěTrialog‚Äú-Treffen hatte das Vorstandsmitglied der orthodoxen Rabbinerkonferenz in Deutschland, der Dortmunder Rabbiner Avichai Apel, an diesem Donnerstag bei einer Veranstaltung in Berlin informiert. Er betonte, der K√∂lner Richterspruch habe viele j√ľdische Eltern in Deutschland verunsichert. Die Juden seien in gro√üer Sorge, wie der Fall weiter behandelt werde. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte das Urteil als ‚Äěbefremdlich‚Äú bewertet, da es der ‚Äěgrundgesetzlich gesch√ľtzten Religionsfreiheit der Eltern und ihrem Erziehungsrecht in keiner Weise gerecht‚Äú werde. Das Gericht hatte die im Judentum und im Islam verbreitete Beschneidung als K√∂rperverletzung bewertet.

Foto: Beschneidung Christi – Bildquelle: Andreas Gehrmann

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