„Bernhard von Clairvaux 1090-1153“ – Mönch – Abt – geistlicher Meister

Eine Rezension von Martin Bürger.
Erstellt von Martin Bürger am 28. Dezember 2019 um 11:33 Uhr

Eine solide erste Einführung in Leben, Werk und Spiritualität des großen Heiligen der Zisterzienser und Trappisten bietet Bernhard Kirchgessner in seinem beim Be&Be-Verlag erschienenen kompakten Buch „Bernhard von Clairvaux (1090–1153)“. Die Lebensgeschichte des heiligen Bernhard dürfte hinlänglich bekannt sein. Auch das vermeintlich dunkle Kapitel der Kreuzzugspredigten spart Kirchgessner nicht aus und erläutert: „Der Kreuzzug war somit als Verteidigungs- nicht als Eroberungskreuzzug gedacht. Dies zur Erklärung, nicht zur Rechtfertigung.“

Geschätzt wird Bernhard von Clairvaux übrigens nicht nur von katholischer Seite, wie der Autor kurz anspricht, sondern auch von den Reformatoren Luther und Calvin: „Martin Luther sprach von Bernhard mit größter Hochachtung. ‚Gab es je einen wahren, gottesfürchtigen, frommen Mönch, so war es Bernhard, seinesgleichen ich niemals weder gehört noch gesehen habe, der alle Kirchenlehrer weit übertrifft.‘ Luthers edle Meinung über Bernhard schloss sich auch der Schweizer Reformator Calvin an, der in Bernhard einen frommen, heiligen Schriftsteller erblickte, durch dessen Mund die göttliche Wahrheit selbst gesprochen hat.“

Den größten Teil des knapp 150 Seiten umfassenden Buches nimmt Bernhard als „geistlicher Meister“ ein. Was beispielsweise das Studium der Heiligen Schrift angeht, so hat Bernhard dem rein verstandesmäßigen Lesen und Verstehen eine Absage erteilt. Stattdessen ging es ihm um „das Eindringen in das Mysterium“ der Schrifttexte, um „das Vordringen in deren ‚verhülltes Geheimnis‘“. Bis heute pflegen die Zisterzienser entsprechend die sogenannte lectio divina.

Manchmal ist Bernhard Kirchgessner in seiner Hinführung zum heiligen Bernhard von Clairvaux etwas zu bemüht, modern zu wirken. Muss man etwa tatsächlich ein Kapitel mit „Bernhard, der Networker“ überschreiben, wenn man auch von „Menschenfischer“ hätte sprechen können – einem Ausdruck, der Bernhard sicherlich eher gerecht wird?

Schließlich sei noch erwähnt, dass der Autor an zwei Stellen fälschlicherweise vom „damals siebenteiligen Chorgebet“ bzw. von den „sieben täglichen Zeiten des Stundengebetes“ spricht. Tatsächlich umfasste das Stundengebet von alters her acht Gebetszeiten, nämlich die Matutin in der Nacht sowie Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet am Tag. Erst das Zweite Vatikanische Konzil brach ohne Begründung mit dieser Tradition und schaffte die Prim ab. In der neuen Liturgie gibt es daher nur noch sieben Gebetszeiten, die häufig auch nicht vollständig gebetet werden.

Von Martin Bürger

Bibliografische Informationen:

Autor: Bernhard Kirchgessner
ISBN: 978-3-903118-58-4
Heiligenkreuz 2018
142 Seiten/Hardcover
20x13cm
Preis: 19,90 €
Be&Be-Verlag

Foto: Bernhard von Clairvaux – Bildquelle: Wikipedia

 

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