Benedikt XVI. und der Islam (4)

Benedikt XVI.: Einerseits Bewahrung der Identität der Religionen, andererseits die Notwendigkeit, einander zu verstehen.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 16. Januar 2015 um 22:03 Uhr
Papst Benedikt XVI.

Kathnews geht unter dem Eindruck der aktuellen Ereignisse der Frage nach, wie Papst Benedikt XVI. über den Islam dachte? Antworten dazu finden sich in einschlägigen Aussagen des Anfang 2013 emeritierten Papstes und früheren Kardinals Joseph Ratzinger. In Bezug auf die Islamisierung Europas stellte Peter Seewald dem damaligen Papst diese Frage:

Peter Seewald:

Es ist noch nicht so lange her, da hielten es Päpste … noch für ihre Aufgabe, Europa vor einer Islamisierung zu schützen. Verfolgt der Vatikan hier eine komplett neue Politik?

Papst Benedikt XVI.:

Die historische Situation hat sich geändert

„Nein. Die historischen Situationen wechseln. Denken wir nur an die Zeit, in der das Ottomanische Reich an den Grenzen Europas gerüttelt hat, Europa belagerte und schließlich vor den Toren Wiens stand. Oder denken wir an die Schlacht von Lepanto 1571. Hier ging es wirklich darum, ob die Identität Europas erhalten bleibt oder ob Europa zu einer Kolonie wird. In dieser Situation, in der es gar nicht nur um den Islam, sondern um die Ausbreitung der ottomansichen Macht ging, mußte Europa zusammenstehen und seine Geschichte, seine Kultur, seinen Glauben verteidigen.

Säkularismus hier, Frage nach Gott dort

Heute leben wir in einer völlig anderen Welt, in der die Fronten anders verlaufen. In der auf der einen Seite der radikale Säularismus, auf der anderen Seite die Frage nach Gott steht, in ihrer ganzen Verschiedenheit. Natürlich muss es weiterhin die Identität der jeweiligen Religion geben. Da können wir uns nicht ineinander auflösen. Andererseits muss aber auch der Versuch unternommen werden, einander zu verstehen.

Bewahrung der Identität und Suche nach dem, was verbindet

In großen Teilen Schwarzafrikas besteht seit Langem ein tolerantes und gutes Miteinander zwischen Islam und Christentum. Wenn ich die Bischöfe aus diesen Länden empfange, berichten sie, es sei einfach eine alte Gewohnheit, dass sie gegenseitig ihre Feste mitfeiern. Anderswo ist das Verhältnis noch immer geprägt durch Intoleranz und Aggression. Insofern sind die geschichtlichen Situationen auch heute noch sehr unterschiedlich. Wir müssen jedenfalls versuchen, einerseits die Größe unseres Glaubens zu leben und lebendig darzustellen, andererseits das Erbe der anderen zu verstehen. Wichtig ist, das Gemeinsame zu finden und da, wo es geht, in dieser Welt einen gemeinsamen Dienst zu tun.“ (in: Licht der Welt, 125 f.). Fortsetzung folgt.

Foto: Papst Benedikt XVI. Bildquelle: Martin Lohmann

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