Benedicta sit – Gepriesen sei der dreieinige Gott

Mystagogische EinfĂŒhrung und Homilie zum Dreifaltigkeitssonntag. Ordentliche Form des Römischen Ritus. Schrifttexte: L1: Dtn 4,32-34.39-40; L2: Röm 8,14-17; Ev: Mt 28,16-20.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 26. Mai 2018 um 12:10 Uhr
Dreifaltigkeit

Eine mystagogische EinfĂŒhrung soll mit ganz wenigen Worten (brevissimis verbis) die GlĂ€ubigen unter BerĂŒcksichtigung der liturgischen Texte des Sonn- und Festtages in das Geheimnis der Feier einfĂŒhren. Sie ist also keine EinfĂŒhrung in die biblischen Texte des Tages, sondern eine EinfĂŒhrung in das zu feiernde Geheimnis.

In der Homilie werden aus den heiligen Texten, d.h. der biblischen  und liturgischen Texte, die Geheimnisse und die Normen des christlichen Lebens dargelegt.

Mystagogische EinfĂŒhrung (Gero P. Weishaupt)

Am Sonntag nach Pfingsten preist die Kirche in besonderer Weise den „dreieinigen Gott“, den „Vater“, „sein(en) eingeborenen Sohn und“ den „Heilige(n) Geist. Gott „hat uns sein Erbarmen geschenkt“ (Eröffnungsvers) durch die Sendung seines Sohnes in die Welt und sein Heilswirken an uns Menschen. Mit der Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingsttag hat Gott sein Heilswerk vollendet.

In der heiligen Liturgie der Kirche begehen und erfahren wir diese Heilstaten Gottes im Laufe des Kirchenjahres. In ihnen offenbart Gott uns „die GrĂ¶ĂŸe der göttlichen Dreifaltigkeit“ und die „Einheit der drei Personen“ (Tagesgebet). So werden wir durch sakramentale Zeichen hineingenommen in das dreieinige Leben Gottes. Wir werden gestĂ€rkt, um fortzuschreiten „im wahren Glauben und im Bekenntnis des einen Gottes in drei Personen“ (Schlussgebet).

Homilie (Josef Spindelböck)

Wer darf sich dem dreifaltigen Gott nahen?

Der Dreifaltigkeitssonntag fĂŒhrt uns gewissermaßen hinein in das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, welches es ĂŒberhaupt gibt: Wir glauben an den einen und einzigen Gott in drei göttlichen Personen: an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Gott ist in sich selbst Liebe, und dieser große und wunderbare Gott ist in seiner Liebe auch fĂŒr uns da!

Sollen wir angesichts der GrĂ¶ĂŸe und Undurchschaubarkeit dieses Geheimnisses nicht besser aufhören darĂŒber nachzudenken oder zu predigen? Ist hier nicht die einzig angemessene Haltung diese, so wie Mose vor dem brennenden Dornbusch die Schuhe auszuziehen (vgl. Ex 3,5) und in respektvoller Ferne zu verbleiben? Denn Gott ist unendlich heilig, und wer kann es wagen sich dem dreimal Heiligen aus eigener Vollmacht zu nahen? Was bleibt und jedenfalls erforderlich scheint ist anbetendes Schweigen!

Und doch: Wenn es schon nicht der Mensch ist, der aus eigenem Vermögen sich Gott nahen kann und darf, so ist es doch Gott, der sich uns mitteilt. Gott der ganz Heilige hat sich uns erschlossen. Nicht wir bauen die BrĂŒcke zu ihm, sondern er hat in seiner Offenbarung die BrĂŒcke zu uns geschlagen und diese BrĂŒcke endgĂŒltig aufgerichtet in seinem Sohn Jesus Christus, der fĂŒr uns und um unseres Heiles willen Mensch geworden ist. Gott selbst kommt zu uns; er ist uns nahe; er ist einer von uns geworden, und er spricht uns an in menschlichen Worten durch seinen Sohn Jesus Christus. Wer sollte da es nicht wagen, sich dem Erlöser und damit dem lebendigen Gott zu nahen? Gewiss, es ist Gnade, aber Gott lĂ€dt uns wirklich ein, und angesichts des Ereignisses der Menschwerdung Gottes und seines Erlösungswerkes wĂ€re es falsche Demut, in der Ferne stehen zu bleiben und auf die Annahme der liebenden NĂ€he Gottes zu verzichten.

Der Dreifaltigkeitssonntag ist also nicht ein Fest der Ferne und Abwesenheit Gottes, der so groß ist, dass ihn niemand begreifen kann; es ist vielmehr ein Fest der liebenden NĂ€he Gottes. Gott selbst hat sich uns offenbart und uns ĂŒber sein innerstes Geheimnis belehrt. Dieses Geheimnis aber heißt: Liebe. „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.“ (1 Joh 4,16).

Die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer spricht vom Heiligen Geist, den wir empfangen haben. Dieser Geist aber macht uns zu Kindern Gottes, sodass wir zu Gott „Abba – Vater“ sagen können. Wir heißen Kinder Gottes und sind es!

Der menschgewordene Sohn Gottes, also Jesus Christus, der Herr, begegnet uns als wahrer Gott und als wahrer Mensch, und gerade seine Menschheit ist – wie der heilige Thomas von Aquin sagt – zum Werkzeug unseres Heiles geworden. Das wahre Menschsein des Erlösers verbindet uns mit Gott dem Dreifaltigen. Weil wir als Menschen durch den Glauben, die Hoffnung und die Liebe eins sind mit dem menschgewordenen Sohn Gottes, weil wir als Glieder des einen Leibes der Kirche alle ein gemeinsames Haupt haben, nĂ€mlich den Erlöser Jesus Christus, eben deshalb ist die Menschheit des Erlösers fĂŒr uns der Weg zu seiner Gottheit. In eben diesem Sinn können wir im Menschen Jesus Christus dem wahren Sohn Gottes begegnen und ihn anbeten, und wer den Sohn Gottes im Glauben erkennt, der darf auch den Vater „sehen“ und ihn im Heiligen Geist anbeten!

In der Heiligen Taufe wurden wir gleichsam eingetaucht in die Liebe Gottes, denn die Taufe erfolgt auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, wie es das Evangelium zum Ausdruck bringt (vgl. Mt 28,19). Gott selbst hat in unserem Herzen Wohnung genommen.

Der eine und einzige Gott ist uns nahe; die drei göttlichen Personen offenbaren uns die Liebe Gottes. Auch unser Leben soll einmal einmĂŒnden in die Schau des göttlichen Wesens, wo wir Gott unmittelbar erkennen dĂŒrfen: den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist. Und selbst da bleibt er das beglĂŒckende Geheimnis, welches stets grĂ¶ĂŸer ist als alles Übrige, und in seiner Schau von Angesicht zu Angesicht empfangen wir das ewige Leben.

So empfehlen wir uns und alle Menschen der FĂŒrbitte der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Amen. (www.stjosef.at)

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