Augustinus: „Begeht in Freude diesen Tag!“

Pfingsthomilie des heiligen Augustinus (Sermo 271: PL 38, 1245-1246) Übersetzung: Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 30. Mai 2020 um 13:04 Uhr

Ein freudiger Tag hat uns erleuchtet. An ihm erstrahlt die heilige Kirche in den Blicken der Gläubigen und glänzt in ihren Herzen. Jawohl, wir feiern den Tag, an dem der Herr Jesus Christus nach seiner Auferstehung verherrlicht durch seine Himmelfahrt den Heiligen Geist gesandt hat. Denn so steht es im Evangelium geschrieben. Er sagte: „Wenn jemand Durst hat, komme er zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, in ihm werden Ströme ewigen Wassers fließen.“ Der Evangelist fügte hinzu: „Das aber sagte er vom Heiligen Geist, den die, die an ihn künftig glauben würden, empfangen sollten. Denn der Heilige Geist war noch nicht gegeben worden, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.“ Es stand also noch aus, dass nach der Verherrlichung Jesu durch die Auferstehung von den  Toten und seine Himmelfahrt der Heilige Geist gegeben wurde, der von dem gesandt worden ist, von dem er verheißen worden war.

So ist es dann auch gesehen: Vierzig Tage lang weilte der Herr nach seiner Auferstehung bei seinen Jüngern. Danach stieg er zum Himmel empor, und am fünfzigsten Tagen, den wie heute feiern, sandte er den Heiligen Geist gemäß dem Schriftwort: „Plötzlich erhob sich vom Himmel ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt; und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; und sie begannen in fremden Zungen zu reden, wie der Geist ihnen zu verkünden eingab.“

Jenes Brausen reinigte ihre Herzen von der Spreu. Jenes Feuer verzehrte das Heu der alten Begierde (fenum veteris concubiscentiae). Jene Zungen, durch die sie, vom Heiligen Geist erfüllt, sprachen, wies durch die Sprachen der Völker auf die künftige Kirche. Denn wie nach der Sintflut die hochmütige Gottlosigkeit der Menschen im Widerstand gegen den Herrn damals, als das Menschengeschlecht durch die verschiedenen Sprachen zu Recht gespalten worden ist, einen hohen Turm erbaut hat, so dass jedes Volk seine eigene Sprache hatte und folglich von anderen Völkern nicht mehr verstanden wurde, so brachte die Demut der Gläubigen die Verschiedenheit der Sprachen mit der Einheit der Kirche zusammen. Dadurch sollte die Liebe das durch Zwietracht Zerstreute wieder vereinen, sollten die zerstreuten Glieder des Menschengeschlechtes als eines einzigen Leibes durch das Feuer der Liebe zur Einheit eines heiligen Leibes unlöslich zusammengeschmolzen werden.

Von dieser Gabe des Heiligen Geistes sind daher jene weit entfernt, die die Gnade des Friedens hassen, die das Band der Einheit nicht bewahren. Auch wenn jene, denen der Heilige Geist gesandt worden ist,  heute  selber an der Feier teilnehmen, auch wenn sie die Lesungen hören: sie hören zwar, doch gereicht es ihnen zum Gericht, nicht zum ewigen Lohn. Denn was nützt es ihnen zu hören, was sie im Herzen ablehnen? Was nützt es ihnen, den Tag dessen zu feiern, dessen Licht sie hassen?

Ihr aber, meine Brüder und Schwestern, ihr Glieder des Leibes Christi, ihr Sprößlinge der Einheit, ihr Söhne und Töchter des Friedens, begeht in Freude diesen Tag, feiert ihn mit einem Gefühl der Sorglosigkeit. Denn in euch wird erfüllt, was an jenen Tagen, als der Heilige Geist gekommen ist, angedeutet wurde. Wie nämlich damals ein einziger Mensch sich beim Empfang des Heiligen Geistes in allen Sprachen verständigte, so spricht nun auch durch alle Völker eben diese Einheit in allen Sprachen. Wenn ihr Euch in dieser Einheit befindet und darin fest steht, habt ihr den Heiligen Geist, weil ihr Euch durch kein Schisma abspaltet von der Kirche Christi, die in allen Sprachen spricht.

Foto: Taube – Ambo, St. Laurentius zu Konnersreuth – Bildquekke: Kathnews