Auch in den Ferien nicht ohne die überlieferte Liturgie – Neue Internetseite informiert über alte Liturgie in Tirol

Ein Beitrag von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 20. Oktober 2019 um 14:04 Uhr
Alte Messe

Tirol (kathnews). Österreich ist nach wie vor ein beliebtes Reiseland, speziell Tirol ein angesagtes Wintersportgebiet. Rechtzeitig vor Beginn der Wintersaison hat ein erneuertes Internetangebot seinen Betrieb aufgenommen. Es tritt an die Stelle einer bisherigen Domain petrusbruderschaft.at. Deren Name täuschte ein wenig darüber hinweg, dass es sich dabei genaugenommen um eine örtliche Initiative der Gemeinde gehandelt hat, die in Innsbruck von der Petrusbruderschaft betreut wird. Wer diese Adresse jetzt eingibt, wird automatisch zur generellen, deutschen Homepage der Petrusbruderschaft weitergeleitet, da innerhalb dieser Gemeinschaft Deutschland und Österreich einen einzigen Distrikt bilden.

Die neue Tiroler Seite, auf die hier aufmerksam gemacht wird, ist hingegen erreichbar, indem man lateinische-messe.tirol aufruft.

Überfällige Aktualisierung in Inhalt und Outfit

Die wertvollen Grundsatztexte der bisherigen Seite zur Theologie der Liturgie und zur liturgischen Stellung der Kirchenmusik bleiben dankenswerterweise in ihrem wesentlichen Bestand erhalten, haben sogar durch manche Durchsicht und Überarbeitung gewonnen, während man vorher längst den Eindruck bekam, sie fristeten ein Schattendasein. Beinahe hatten sie nur noch dokumentarischen, geradezu antiquarischen Wert und entsprachen einem Stand der Dinge, wie man ihn vielleicht während des Pontifikats Benedikts XVI. sehen und eine Zeitlang erhoffen konnte.

Gleichsam aus dem Priest-Hole ans Licht der Öffentlichkeit

Die neue Internetseite wird nach wie vor von Innsbruck initiiert und verantwortet. Das dortige Vokalensemble Sonoritas der Petrusbruderschaft, bereits 2006 aus der Gemeinde heraus entstanden, hat sich jüngst formell als eingetragener Verein konstituiert und firmiert als Herausgeber. Dessen Obmännin ist die ursprünglich aus London gebürtige, arrivierte Opernsängerin Stella Arman, die mit ihrer Voice Factory professionell als gesuchte Gesangslehrerin und Sprecherzieherin tätig ist (vgl. voice-factory.co.uk und stimmtraining-tirol.at, siehe auch hier.)

Sie entstammt einer musikalischen Großfamilie britischer Katholiken (siehe auch eine entsprechende Fernsehdokumentation aus den 1970ger Jahren), die sich neben einem Leben für die Musik schon in der Zeit unmittelbar nach den Konzilsreformen für den Erhalt der Traditional Latin Mass eingesetzt hatte, etwas, was sich im Land der Priest-Holes vor einem charakteristischen, historischen Hintergrund signifikant einordnet. Man erinnere sich an das legendäre Agatha-Christie-Indult.

Die Verbundenheit zur liturgischen Tradition bewahrte Arman sich stets, und so ist es ein Glücksfall, dass sie seit geraumer Zeit die musikalische Leitung des Ensemble Sonoritas und jetzt auch den Vereinsvorsitz übernommen hat.

Aus einem Lokalprojekt ist regionale Vernetzung erwachsen

Nicht nur haben das äußere Erscheinungsbild und die Aktualität der Internetpräsenz gewonnen, sie hat auch ihren Radius erweitert. Über Innsbruck und die Priesterbruderschaft St. Petrus hinausgehend, informiert sie jetzt über sämtliche Orte, wo auch durch Angehörige des Diözesanklerus der Bistümer, die im österreichischen Bundesland Tirol und in Südtirol existieren, oder von Priestern anderer Orden und Gemeinschaften in dieser Region heilige Messen auf Grundlage von Summorum Pontificum gefeiert werden.

Unter dem Schutz des Herzens Jesu, des „göttlichen Bundesherrn“ – und die „Heimatstadt der Messe“

Das Bewusstsein für die Geschichte des Landes belegen der Einbezug von Zelebrationsstandorten, die in Südtirol liegen, mehr aber noch die instruktiven Beiträge, die aus der Feder Rudi Melzers, übrigens gleichermaßen einer Koryphäe des Choralgesangs wie der Tiroler Lokalgeschichte, stammen und über das Herz-Jesu-Bündnis von 1796 und über die seither einzigartige Bindung Tirols an diese Andacht informieren.

Auch das Trentino mit der Bischofsstadt Trient kann naturgemäß nicht fehlen, wo es um die tridentinische Messe geht, eine zwar nicht ganz zutreffende Bezeichnung, die indes auf das Konzil sich zurückbezieht, das mit Unterbrechungen von 1545 bis 1563 unter anderem in dieser Stadt tagte und zur Kodifikation des Ritus der Päpstlichen Kurie und zu dessen quasi weltweiter Ausbreitung führte.

Plattform der Kooperation, des Kontaktes und der Kommunikation

Schließlich bietet die neue Seite auch den diversen Stabilen Gruppen eine Plattform, die sich aufgrund der entsprechenden Bestimmungen von Summorum Pontificum (vgl. SP Art. 5 § 1) an den einzelnen Zelebrationsorten zusammengefunden und organisiert haben und die Möglichkeit, mit dem Kreis der zelebrierenden Priester sowie mit den Koordinatoren dieser örtlichen Gruppen in Verbindung zu treten.

So schließt sich der Kreis zum Einstieg, den wir gewählt haben: Gerade Gäste, Urlauber und Touristen werden die Seite und die Kontaktmöglichkeiten, die sie eröffnet, begrüßen, um während ihrer Erholung in einem der schönsten Teile Österreichs und des heutigen Italiens auf die überlieferte Liturgie nicht verzichten zu müssen und auch am kulturellen, musikalischen und geselligen Leben teilhaben zu können, das diese Liturgie auch in der Gegenwart im europäischen Kulturraum Tirols in dessen historischer Weite anregt und entfaltet.

Foto: Alte Messe – Bildquelle: Marianne Müller