„Als acht Tage vorüber waren …“

Das „Tagesgebet“ (Collecta) des Oktavtages von Weihnachten (Hochfest der Gottesmutter Maria) im Römischen Ritus. Von Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 31. Dezember 2019 um 10:17 Uhr
Darstellung aus dem Isenheimer Altar

Die Collecta (Tagesgebet) am Oktavtag von Weihnachten ist in ihrem lateinischen Original in beiden Formen des Römischen Ritus ein und dieselbe. Wenngleich in der Liturgie der klassischen überlieferten Form  acht Tage nach der Geburt des Herrn dessen Beschneidung gedacht und gefeiert wird (In circumcisione Domini), richtet die Kirche in beiden Formen doch vornehmlich ihren Blick auf die jungfräuliche Gottesmutter Maria. Das kommt in der Collecta des Festtages zum Ausdruck, in der die „fruchtbare Jungfräulichkeit“  (viginitas fecunda) der Gottesmutter gepriesen wird.  In der sog. ordentlichen Form des Römischen Ritus wird der Oktavtag, der zugleich auch der ersten Tag im neuen Jahr ist, als Hochfest der Gottesmutter Maria gefeiert.  Dieses Fest hat seine Ursprung in der alten (stadt)römischen Liturgie und ist gegenüber dem aus dem hispanisch-gallischen Raum im 6. Jahrundert stammenden und erst im 13. Jahrhundert in Rom übernommenen Fest der Beschneidung des Herrn viel älter. Aus diesem Grunde kehrte die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil mit der Neuordnung des Kirchenjahres und der Reform der liturgischen Bücher zum ursprünglicheren römischen Fest der Gottesmutterschaft Marien zurück, wobei sie das alte Gebet der Collecta, das, wie gesagt, mit dem der alten überlieferten Liturgie im lateinischen Original identisch ist, unverändert übernommen hat.

Original und Übersetzung

Die amtliche Übersetzung der Editio typcia des Römischen Messbuches von 1969 durch die DBK weicht wiederum vom lateinischen Original ab, während die privaten Übersetzungen von Pater Ramm für das Volksmissale der klassischen Form des Römischen Ritus  und der Vorschlag von Prof. em. Alex Stock für eine Übersetzung der Editio typica der ordentlichen Form soweit wie möglich nahe am lateinischen Text bleiben. In der amtlichen Übersetzung der DBK wird „die gewagte Rede der frühmittelalterlichen Oration von der viginitas fecunda, der ‚fruchtbaren Jungfrauschaft‘ … zurückgenommen auf das gängigere ‚Geburt aus der Jungfrau Maria‘“ (Alex Stock).  Zwar kann genus humanum mit Menschheit übersetzt werden, wie es die amtliche Übersetzung der DBK tut, doch wird dadurch „der Lebenszusammenhang weniger deutlich hörbar, als wenn man ‚Menschengeschlecht‘ übersetzt“ (Alex Stock).

Collecta vom Oktavtag von Weihnachten: Hochfest der Gottesmutter Maria

 

Deus, qui salutis aeternae

beatae Mariae virginitate fecunda

humano generi praemia praestitisti,

tribue, quaesumus,

ut ipsam pro nobis intercedere sentiamus,

per quam meruimus auctorem vitae suscipere.

Per Dominum nostrum Iesum Christum Filium tuum

 

  • Übersetzung im Volksmissale (Pater Ramm FSSP) für die klassische  Form

 

Gott, der  Du

durch die fruchtbare Jungfräulichkeit der Jungfrau Maria

dem Menschengeschlecht die Güter des ewigen Heils geschenkt hast,

gewähre, so bitten wir,

dass wir erfahren, wie sie für uns eintritt,

durch die wir  den Urheber des Lebens empfangen durften,

unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn.

 

  • Amtliche deutsche Übersetzung der Editio Typica des Römischen Messbuches von 1969

 

Barmherziger Gott,

durch die Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria

hast du der Menschheit das ewige Heil geschenkt.

Lass uns immer und überall

die Fürbitte der gnadenvollen Mutter erfahren,

die uns den Urheber des Lebens geboren hat,

Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

  • Vorschlag einer Übersetzung von Prof. em. Alex Stock

Gott,

durch die fruchtbare Jungfrauschaft Marias

hast du dem Menschengeschlecht die Güter des ewigen Heiles geschenkt.

Wir bitten dich:

Lass uns die Fürsprache jener Frau erfahren,

durch die wir den Urheber des Lebens empfangen durften.

 

Zusammen mit dem Introitus, dem Eröffnungsvers der heiligen Messe, hebt die Collecta („Tagesgebet“) das liturgische Geheimnis, das am jeweiligen Tag gefeiert wird, ins Wort. Die Übersetzung der Collecta im Messbuch der klassischen Form ist dem Volksmissale für das  römische Messbuch nach der Ordnung von 1962 entnommen und stammt vom Pater Martin Ramm FSSP. Die Übersetzung der Collecta aus dem Messbuch der sog. ordentlichen Form von 1969 folgt der amtlichen Übersetzung der Deutschen Bischofskonferenz.  Die Vorschläge für eine von der DBK-Übersetzung abweichenden Übersetzung sind zu finden in: Alex Stock, Orationen. Die Tagesgebete der Festzeiten  neu übersetzt und erklärt, Regensburg 2014. Letztere sind allerdings nicht für den liturgischen Gebrauch gedacht. Hierfür ist die amtliche Übersetzung der DBK zu verwenden.

Foto: Darstellung aus dem Isenheimer Altar – Bildquelle: Mathis Gothart-Nithart