Allgemeine Grundlegung der Religionsfreiheit

Vatikanum II: Das Recht auf religi√∂se Freiheit ist in Wahrheit auf die W√ľrde der menschlichen Person selbst gegr√ľndet, so wie sie durch das geoffenbarte Wort Gottes und durch die Vernunft selbst erkannt wird.¬†
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 12. Juni 2017 um 12:16 Uhr
Vaticanum II, Papst Paul VI.

Viele reden √ľber das Zweite Vatikanische Konzil, ohne die Texte je gelesen zu haben. Kathnews pr√§sentiert eine Bl√ľtenlese und l√§sst die Texte selber reden. Ohne Kommentar bzw. Erl√§uterung. Es folgt ein Text aus Dignitatis humanae, 2.¬†

Wer einen Kommentar zur Religionsfreiheit, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil verstanden wissen will, lesen m√∂chte, den verweise ich auf meine Erl√§uterung zu DH 2, die in an anderer Stelle f√ľr Kathnews geschrieben habe: Religionsfreiheit in der Natur des Menschen begr√ľndet.¬†

Dignitatis humanae, 2

Worin besteht die Religionsfreiheit?

Das Vatikanische Konzil erkl√§rt, da√ü die menschliche Person das Recht auf religi√∂se Freiheit hat. Diese Freiheit besteht darin, da√ü alle Menschen frei sein m√ľssen von jedem Zwang sowohl von seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlichen Gewalt, so da√ü in religi√∂sen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat und √∂ffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen – innerhalb der geb√ľhrenden Grenzen – nach seinem Gewissen zu handeln. Ferner erkl√§rt das Konzil, das Recht auf religi√∂se Freiheit sei in Wahrheit auf die W√ľrde der menschlichen Person selbst gegr√ľndet, so wie sie durch das geoffenbarte Wort Gottes und durch die Vernunft selbst erkannt wird (Vgl. Johannes XXIII., Enz.¬†Pacem in terris, 11. Apr. 1963:¬†AAS¬†55 (1963) 260f.; Pius XII., Radiobotschaft, 24. Dez. 1942:¬†AAS¬†35 (1943) 19; Pius XI., Enz.¬†Mit brennender Sorge, 14. M√§rz 1937:¬†AAS¬†29 (1937) 160; Leo XIII., Enz.¬†Libertas pr√¶stantissimum, 20.Juni 1888:¬†Acta Leonis¬†XIII., Bd. VIII (1888) 237f.). Dieses Recht der menschlichen Person auf religi√∂se Freiheit mu√ü in der rechtlichen Ordnung der Gesellschaft so anerkannt werden, da√ü es zum b√ľrgerlichen Recht wird.

Moralische Pflicht, die Wahrheit zu suchen

Weil die Menschen Personen sind, d.h. mit Vernunft und freiem Willen begabt und damit auch zu pers√∂nlicher Verantwortung erhoben, werden alle – ihrer W√ľrde gem√§√ü – von ihrem eigenen Wesen gedr√§ngt und zugleich durch eine moralische Pflicht gehalten, die Wahrheit zu suchen, vor allem jene Wahrheit, welche die Religion betrifft. Sie sind auch dazu verpflichtet, an der erkannten Wahrheit festzuhalten und ihr ganzes Leben nach den Forderungen der Wahrheit zu ordnen.

Voraussetzung¬† daf√ľr: Freiheit von innerem und √§u√üerem Zwang

Der Mensch vermag aber dieser Verpflichtung auf die seinem eigenen Wesen entsprechende Weise nicht nachzukommen, wenn er nicht im Genu√ü der inneren, psychologischen Freiheit und zugleich der Freiheit von √§u√üerem Zwang steht. Demnach ist das Recht auf religi√∂se Freiheit nicht in einer subjektiven Verfassung der Person, sondern in ihrem Wesen selbst begr√ľndet. So bleibt das Recht auf religi√∂se Freiheit auch denjenigen erhalten, die ihrer Pflicht, die Wahrheit zu suchen und daran festzuhalten, nicht nachkommen, und ihre Aus√ľbung darf nicht gehemmt werden, wenn nur die gerechte √∂ffentliche Ordnung gewahrt bleibt.

Foto: Vaticanum II, Papst Paul VI. – Bildquelle: Lothar Wolleh / Wikipedia

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