Abtei zum Anfassen

Das Benediktinerkloster Santo Domingo de Silos ist bekannt für seine Bauwerke und den gregorianischen Gesang seiner Mönche.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 20. Oktober 2011 um 12:40 Uhr
Santo Domingo de Silos

Ein kühler Wind fegt durch den zweistöckigen Kreuzgang. Im „Valle de Tabladillo“, einem kleinen Tal des kastilischen Gebirges südlich von Burgos, steigen dicke Nebelschwaden auf.  Aus der nahen Klosterkirche erklingen gregorianische Choräle. Die Seele ist eingeladen, zur Ruhe zu kommen, Gott zu begegnen. Wer die Gelegenheit hat, für ein paar Tage zu Gast sein zu können in der Benediktinerabtei Santo Domingo de Silos, darf einen Ort erleben, der bereits Ende des neunten Jahrhunderts, zur Zeit der Eroberung Kastiliens, eine wichtige Rolle spielte. Nachdem das Kloster „San Sebastián de Silos“ im zehnten Jahrhundert erstmals historisch dokumentiert wurde – gegründet wurde es 929 – erhob es König Fernando I im Jahr 1041 zur Abtei „Santo Domingo“.

Seit jeher weht hier der Geist des Heiligen Benedikt, der 480 in Nursia, dem heutigen Norcia im italienischen Umbrien geboren wurde. Gott zu suchen, war die wichtigste Forderung an seine Schüler. Um 540 verfasste er die bis heute gültige „Regula Benedicti“, den Wahlspruch „Ora et labora“, bete und arbeite, nach der sich Benediktinerorden weltweit bis in die Gegenwart richten. So sind klösterliches Leben und körperliche Arbeit auch weiterhin die tragenden Säulen des Zusammenlebens der Benediktiner. Damals galten Benedikts Ordensregeln, die insgesamt aus 73 Kapiteln bestehen, auch als Antwort auf die spätantike Gesellschaft, die im Auflösungsprozess begriffen war: In die Unruhe jener Zeit brachte er ein Prinzip ein, das dem Zeitgeist widersprach und das gerade deshalb dauerhaft wurde – die Beständigkeit, ein Innehalten in der Zeit der Völkerwanderungen. Die Menschen sollten brüderlich miteinander umgehen und zusammen leben – auch dafür sollte das Kloster Vorbild sein.

Benedikt von Nursia, der vielfach als Vater des abendländischen Mönchtums und „Patron Europas“ bezeichnet wird, widmete sich besonders auch den Nöten der einheimischen Bevölkerung. Als Einsiedler starb er um 560, nach Überlieferungen im Kloster Montecassino, das zwischen Rom und Neapel liegt und als eines der bedeutendsten geistlichen Zentren des Mittelalters gilt.

Wer im Kreuzgang der Abtei Santo Domingo steht und die kühle Morgenluft einatmet, mag die Bedeutung des Ordensgründers erahnen; allgegenwärtig ist sein Vermächtnis für die, die nach ihm gekommen sind. Als „Gesetzgeber für den Orden“ hat er seinen Mitbrüdern Richtlinien hinterlassen, die damals wie heute aktuell sind. Weltweit leben gegenwärtig rund 17.000 Frauen und rund 8.000 Männer in über 1.000 Häusern auf allen Kontinenten nach der Regel des Benedikt von Nursia. Die Mönche und Nonnen engagieren sich für Bedürftige und Notleidende, führen Schulen, Ausbildungsstätten und Spitäler. Immer wieder neu müssen sich die Klöster der Herausforderung stellen, sinnvolle Traditionen mit Leben zu füllen und aktuellen Ansprüchen gerecht zu werden.

So auch in Silos: Bislang ist dort die benediktinische Gastfreundschaft ausschließlich Männern vorbehalten. Besucher, die die Abtei innerhalb der alten Gemäuer erleben und eintauchen wollen in ihre bedeutende Geschichte, können die Ordensleute in ihrem Alltag begleiten, können Gottesdiensten beiwohnen und ihren eigenen Gedanken nachhängen, wenn sie auf Entdeckungsreise im Kloster sind: Da gibt es Darstellungen auf den Eckpfeilern der Säulen, bei denen es sich lohnt, genauer hinzusehen – Löwenfiguren, die einen so genannten Kenotaphen, einen Gedenkstein des Heiligen Domenikus tragen und einmal mehr an den berühmten Patron des Dominikanerordens erinnern, der von 1170 bis 1221 lebte. Außerdem zahlt sich ein Blick auf die künstlerisch gedrehten Säulen des Kreuzgangs und das eine oder andere romanische Säulenkapitell aus. Neben den weltbekannten gregorianischen Chorälen der Mönche von Silos ist die Abtei vor allem wegen ihrer Bauwerke bekannt, die als Meisterwerke der romanischen Architektur gelten. Seit 1880 haben Mönche der französischen Kongregation von „Solesmes“ die Abtei restauriert – dabei fanden sie einige bedeutende mittelalterliche Manuskripte.

Die Klosteranlage „Monasterio Santo Domingo de Silos“ liegt auf einer Nebenroute des Jakobswegs, verläuft doch die „Ruta de la Lana“ von Monteagudo über Salmerón und dem Kloster Silos bis nach Burgos, wo sie sich mit dem „Camino Francés“ verbindet. Der gleichnamige Ort Silos, dessen Bild vom Kloster auf der Anhöhe inmitten des Städtchens dominiert wird, lädt so manchen Pilger ein, Halt zu machen und zu verschnaufen. Nicht wenige besuchen den Gottesdienst in der Klosterkirche und lauschen den liturgischen Gesängen der Mönche; an der Pforte des Klosters weisen die Ordensbrüder einzelnen Pilgern den Weg und wünschen gute Weiterreise.

Textquelle: Ulrike Schwerdtfeger/storymacher.de

Foto: Außenansicht der Abtei Santo Domingo de Silos – Bildquelle: storymacher.de