Aachen – Frankfurt – Pressburg (Bratislava): Königsglanz und Gloria

Die slowakische Republik übernimmt im Juli die EU-Ratspräsidentschaft. In Aachen ist aus diesem Anlass eine Sonderausstellung über die Krönungen in Pressburg (Bratislava) zu sehen.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 20. Juni 2016 um 15:14 Uhr
Aachener Dom

Von 936 bis 1531 war Aachen, die Stadt Karls des Großen, Krönungsort der deutsch-römischen Könige. Die Krönung in Aachen war die Voraussetzung für die Kaiserkrönung in Rom. In der Goldenen Bulle von 1356 bestimmte Karl IV., der Luxemburger, Aachen als Krönungsort. Ab dem 13. Jahrhundert waren es beinahe ausnahmslos die Herrscher der Habsburger, die in Aachen gekrönt wurden – von Rudolf I. bis Ferdinand I. Mit ihm ging die Tradition der Königskrönungen in Aachen 1536 zu Ende.

Von Aachen nach Frankfurt

Maximilian II. lies sich 1562 in Frankfurt zum König krönen. Damit beginnt die Frankfurter Krönungstradition, allerdings wurde der Aachener Krönungsritus beibehalten. Bis 1792 fanden in Frankfurt die Könige (und Kaiser) des Heiligen Römischen Reiches gekrönt.

Pressburg – Krönungsstadt der ungarischen Könige

Zur gleichen Zeit, als sich die deutsch-römischen Krönungen von der alten Kaiserstadt Aachen nach Frankfurt verlagerten, änderte sich auch der Krönungssort der ungarischen Könige. Bisher war das Stuhlweißenburg. Nach der Schlacht bei Mohács gegen die Türken 1526 wählten die Habsburger Pressburg, das heutige Batislava, zur Haupt-, Residenz- und Krönungsstaat des von ihnen regierten Landteils. Maximilian II, der sich in Frankfurt zum König des Heiligen Römischen Reiches hatte krönen lassen, empfing 1563 als erster ungarischer Herrscher in Pressburg die Königskrone. Bis 1830 folgten ihm 17 Könige und Königinnen.

Sonderausstellung in der Europastadt Aachen

Ab Juli 2016 übernimmt die Slowakische Republik die EU-Ratspräsidentschaft. Das Land ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union. Anläßlich der Ratspräsidentschaft veranstaltet die Europastadt Aachen eine sehenswerte Sonderausstellung im Aachener Stadtmuseum „Centre Charlemagne“, gelegen auf dem Areal der ehemaligen Pfalz Karls des Großen im Herzen der Kaiserstadt.

Die Ausstellung zeigt die wichtigsten Stationen in der Geschichte der Krönungstradition der ungarischen Könige in der slowakischen Hauptstadt Pressburg/Bratislava. Von dort sind 100 wertvolle Ausstellungsstücke in die Stadt Karls des Großen gebracht worden, die den Glanz dieser Periode wieder aufleben lassen. Dem Besucher erwarten Grafiken, Gemälde, Schützenschreiben, Krönungsmediallen und –jeton sowei andere Erinnerungsstücke, die von den prunkvollen Feierlichkeiten zeugen. Den Veranstaltern der Aachener Sonderausstellung geht es darum, die Eigenheiten der Pressburger Krönungen vorzustellen und mit den deutsch-römischen Krönungen in  Aachen und Frankfurt zu vergleichen.

Aachen und Ungarn

Zugleich wird die jahrhundertealte Verbindung zwischen Aachen und dem Königreich Ungarn in Erinnerung gerufen. Es sind nicht nur die Königskrönungen und die alle sieben Jahre stattfindende Aachener Heiligtumsfahrt (zuletzt im Karlsjahr 2014), an der neben Pilgern aus Ungarn auch Slowenen, Slowaken und Kroaten nach Aachen reisen, die von dieser Verbindung mit der Stadt Karls des Großen zeugen. Nicht zuletzt ist auch die sog. „Ungarnkapelle“ des Aachener Domes ein architektonisches Zeugnis der Verbindung zwischen der Stadt Karls des Großen und Ungarn. Die Kapelle wurde vom ungarischen König Ludwig I. der Aachener Grabes-, Krönungs- und Wallfahrtskirche im 14. Jahrhundert gestiftet. An die Stelle der gotischen Kapelle König Ludwigs I.  trat später eine im Namen von Maria Theresia, der Kaiserin und Königin von Ungarn, erbaute Kapelle im  oberitalienischen Barockstil, deren Grundstein am 5. Juli 1756 gelegt wurde. Die Ungarkapelle ist zugleich die Sakramentskapelle des Aachener Domes.

Die Sonderausstellung mit dem Titel „Königsglanz und Gloria. Krönungen in Brtiaslava /Pressburg 1563-1830 wurde am 28. Mai 2016 eröffnet und dauert bis zum 14. August 2016.

Zur Internetseite der Sondersausstellung: Centre Charlemagne

Foto: Aachener Dom – Bildquelle: Kathnews