50 Jahre Römisches Messbuch Papst Pauls VI.

Dritter Adventssonntag „Gaudete“ – Das „Tagesgebet“ (Collecta) im Römischen Ritus. Von Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 14. Dezember 2019 um 15:16 Uhr
Jesuiten (IHS)

Zusammen mit dem Introitus, dem Eröffnungsvers der heiligen Messe, hebt die Collecta („Tagesgebet“) das liturgische Geheimnis, das am jeweiligen Tag gefeiert wird, ins Wort. Im Folgenden wird die Collecta beider Formen des Römischen Ritus für den dritten Adventssonntag („Gaudete“) mit den lateinischen Originaltexte und deren Übersetzungen vorgestellt. Die Übersetzung der Collecta im Messbuch der klassischen Form ist dem Volksmissale für das  römische Messbuch nach der Ordnung von 1962 entnommen und stammt vom Pater Martin Ramm FSSP. Die Übersetzung der Collecta aus dem Messbuch der sog. ordentlichen Form von 1969 folgt der amtlichen Übersetzung der Deutschen Bischofskonferenz.

Collecta des dritten Adventssonntages „Gaudete“

Beide Orationen richten an Sonntag „Gaudete“ den Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest. Inhaltlich fällt auf, dass die Collecta der klassischen Form des römischen Messritus das bevorstehende Weihnachtsfest als „visitatio“, als Heimsuchung Gottes in Jesus Christus versteht: Gott sucht sein Volk in seinem menschgewordenen Sohn auf. Durch seine Heimsuchung möge die Finsternis unseres Geistes weichen. Die Feier der Geburt des Herrn bringt Licht in unsere Finsternis, was durch den Imperativ „erleuchte“ („illustra“) ausgedrückt wird. Die deutsche Übersetzung lehnt sich – wie immer – so nahe wie möglich an den lateinischen Originaltext an.

In der ordentlichen Form des römischen Ritus kommt eine neu formuliete Oration zum Vortrag. Die frei übersetzte und die Syntax des lateinischen Textes nicht folgende Collecta spricht die Finsternis nur indirekt an, indem sie darum bittet, dass Gott uns helfe möge, dass es uns gelingt,  zur Freude des so großen Heiles  („ad tantae salutis gaudia“) „durchzukommen“ („pervenire“) . Wer darum bittet, weiß um seine Schwäche (durch die  Finsternis der Sünde). Und darum bittet er Gott um ein gutes Gelingen.

Collecta zum 3. Adventssonntag „Gaudete“


Klassische Form des Römischen Ritus (Römisches Missale von 1962)


Aurem tuam, quaesumus, Domine,

precibus nostris accommoda:

Et mentis nostrae tenebras

gratia Tuae visitationis illustra:

Qui vivis …

 

Neige Dein Ohr, so bitten wir, Herr,

zu unseren Gebeten und

erleuchte die Finsternis unseres Geistes

durch die Gnade Deiner Heimsuchung.

Der du lebst …


Ordentliche Form des Römischen Ritus (Römisches Missale von 1969)


Deus, qui conspicis

Populum tuum nativitatis domincae festivitatem expectare,

Praesta, quaesumus,

ut valeamus ad tantae salutis gaudia pervinere,

Et ea votis sollemnibus alacri semper laetitia celebrare.

 

Allmächtiger Gott, sie gütig auf dein Volk,

das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.

Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung,

damit Weihnachten für uns alle

ein Tag der Freude und Zuversicht werde.

Darum bitten wir durch Jesus Christus …

Foto: Jesuiten (IHS) – Bildquelle: Kathnews