50 Jahre neues Messbuch: Auch das neue Messbuch sieht die Zelebration zum Osten (ad orientem) vor

Der frühere Dompfarrer des Altenberger Domes im Erzbistum Köln erklärte in einem Interview des Domradios, warum er als amtierender Pfarrer die heilige Messe nach dem neuen Messbuch zum Osten zelebriert hat.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 8. Dezember 2019 um 13:10 Uhr
Alte Messe

Altenberg/Köln (kathnews). Unter dem theologisch unkorrekten, aber als Blickfänger verständlichen und nachvollziehbaren Titel „Mit dem Rücken zum Volk“ veröffentlichte das Kölner Domradio ein Interview mit dem früheren Dompfarrer des Altenberger Domes, Msgr. Johannes Börsch. Das Interview hatte Jan Hendrik Stens geführt.

Liturgie: Theozentrik und Christozentrik, nicht Anthropozentrik

Warum er der Gemeinde bei der Messe den Rücken zugekehrt habe, fragt der Redakteur. Etwas differenzierter antwortete Msgr. Bösch darauf: „Wenn ich mit Ihnen direkt sprechen würde, würde ich ja von Angesicht zu Angesicht mit Ihnen sprechen. Man wendet sich immer dem zu, mit dem man spricht. In der Heiligen Messe hat man verschiedene Ansprechpartner. Nehmen Sie zum Beispiel den Wortgottesdienst, die Spendung der heiligen Kommunion – beides ist selbstverständlich zum Volk, zu den Gläubigen hin gerichtet. Aber die Messe insgesamt als Eucharistiefeier wendet sich an Gott, den Vater, durch Jesus Christus.“

Auch das neue Messbuch setzt  Zeleberation der Messe „ad orientem“ voraus

Er freiere auch die „neue“ Messe zum Osten, ad orientem, führte der Seelsorger weiter aus.  Das ist ja die normale Form der Zelebration. Msgr. Bösch erinnerte daran, dass die neue Messe „ad orientem“ gedacht sei. „Im lateinischen Messbuch der neuen Messe gibt es die Rubriken, rot gedruckt – das sind die Anweisungen. Und da steht dann, der Priester – ‚conversus ad populum‘ – hat sich zum Volk gedreht und sagt ‚Der Friede sei mit euch‘. Das lateinische Messbuch sieht vor, dass die Heilige Messe als Eucharistiefeier und in den Präsidialgebeten, den Gebeten, die der Priester an den Herrn richtet, ‚ad orientem‘ gebetet wird.“

Auf den Einwand des Redakteurs, dass doch die Grundordnung des neuen Messritus davon ausgehe, dass die Feier „dem Volk zugewandt“ vollzogen werden kann, anwortete Pfarrer Börsch, dass das Messbuch davon ausgehe, dass man den Alter umschreiten soll. An eien vermeintliche Vorschrift, dass der Priester zum Volk zugewandt zelebrieren soll, erinnere er sich nicht.

Pastoral: Menschen abholen, wo sie stehen und zu Christus hinführen

Pfarrer Börsch hat seinerzeit die Zelebration behutsam in seiner Pfarrei eingeführt. Angefangen habe er damit, dass Tagesgebet zum Herrn hin, also zum Osten, zu beten. Zunächst auch nur im Hochamt. Später folgte auch das Eucharistische Hochgebet. „Ich habe das ganz vorsichtig vermittelt, damit keine Empörung aufkommt. Ich wollte die Leute ja mitnehmen. Ich wollte sie überzeugen, und das ist wunderbar gelungen“, erklärt er in dem Interview.

Was sagt das geltende liturgische Recht zur Zelebrationsrichtung?

Eine kirchenrechtliche Klarstellung zum geltenden Recht in Bezug auf die Zelebrationsrichtung hat Kathnews vor einiger Zeit geboten. Sie kann  HIER nachgelesen werden.

Hier zum ganzen Interview des Domradios

Foto: Alte Messe – Bildquelle: PMT