33 Jahre Petrusbruderschaft

Ein geistliches Wort zur Orientierung von Pater Martin Ramm FSSP.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 18. Oktober 2021 um 12:07 Uhr
Einkleidung bei der Piusbruderschaft

Am 18. Juli 1988 gegründet, wurde die Priesterbruderschaft St. Petrus am 18. Oktober 1988 von Papst Johannes Paul II. kanonisch errichtet und anerkannt. Dreiundreißig Jahre des Bestehens sind für den bekannten Priester der Petrusbruderschaft Pater Martin Ramm, der mit seinem Volksmissale in die Fußstapfen der Benediktiner Anselm Schott (1843-1896) und Urbanus Bomm (1901-1982) getreten ist und sich daneben intensiv den Ignatianischen Exerzitien verschrieben hat, Anlass, ihre Sendung und Zukunft vor dem Horizont von Traditionis Custodes geistlich einzuordnen. Kathnews dokumentiert nachstehend diese Orientierungshilfe:

„Es gab da ein Ereignis, das hat uns sehr getroffen, und es hat uns sprachlos gemacht. Seither hat es eine Menge von Reaktionen gegeben. Nun möchte auch ich mich äußern, und ich hoffe, damit Orientierung zu geben. Persönlich hat mich sehr bewegt, dass das Motu Proprio Traditionis Custodes genau zwei Tage vor dem dreiunddreißigsten Gründungstag unserer Bruderschaft erschien. Am 18. Juli 1988 wurde die Priesterbruderschaft St. Petrus gegründet, und schon am 18. Oktober 1988 hat Papst Johannes Paul II. sie anerkannt und kanonisch errichtet. Dieser Tag der Anerkennung unserer Bruderschaft jährt sich heute zum dreiunddreißigsten Mal. Wer sollte da nicht an das dreiunddreißigste Jahr unseres Heilands denken? Es war das Jahr seines Opfers und zugleich das Jahr der Erlösung! Das Wappen unserer Priesterbruderschaft St. Petrus ist von drei Tränen geziert. Im Moment erhalten diese Tränen einen neuen Sinn.

Feststeht, dass wir das von Papst Franziskus formulierte Anliegen, der Einheit und dem inneren Zusammenhalt der Kirche zu dienen, unbedingt anerkennen. Um dieser Einheit willen sind unsere Gründer nach Rom gegangen.

Im Jahr 1990, ich war junger Seminarist im Priesterseminar in Wigratzbad, hielt uns einer unserer Gründer einen Vortrag. Jemand hatte spöttelnd zu ihm gesagt: ,Ihr geht nach Rom, und man wird euch kreuzigen.‘ Darin liegt eine Anspielung auf eine berühmte Legende, die berichtet, wie zur Zeit des Kaisers Nero der heilige Apostel Petrus aus Rom floh, wobei ihm auf der Via Appia Christus erschien, und wie Petrus den Heiland fragte: ,Domine, quo vadis? – Herr, wohin gehst Du?‘ Jesus habe ihm geantwortet: ‚Romam venio iterum crucifigi. – Ich komme nach Rom, um wiederum gekreuzigt zu werden.‘ – An die Antwort unseres Gründers erinnere ich mich gut: ,Ja, wir gehen nach Rom, auch wenn man uns kreuzigt!‘ Diese Antwort ist richtig. Sie war richtig zur Zeit des heiligen Petrus. Sie war richtig im Jahr 1988. Sie ist noch immer richtig, auch im Jahr 2021.

Papst und Bischöfe sollten Hüter der Überlieferung sein

Ja, der Papst und die Bischöfe sind ‚Hüter der Tradition‘. Das sollten sie zumindest sein. Sie sind nicht

Herren, sondern Diener der Wahrheit. Wie der heilige Apostel Paulus seinem Schüler Timotheus schreibt, stehen sie in der Verantwortung, das ,anvertraute kostbare Gut‘ zu bewahren. Darüber werden sie einst Rechenschaft geben vor dem Herrn.

Wenn der Heilige Vater zu dem pauschalen Urteil kommt, jene Gläubige, Priester und geistlichen Gemeinschaften, die der traditionellen Liturgie zugetan sind, würden die Kirche spalten und ihrer Einheit schaden, schmerzt uns das zutiefst. Wir empfinden es als ungerecht und falsch, zumal es vom Vater der Christenheit kommt, vom dem wir Brot erhoffen und nicht Steine. Wie soll man reagieren? Sollen wir tun, als ob nichts wäre, und uns blindlings auf einen Weg führen lassen, von dem wir überzeugt sind, dass er falsch ist?

Einige gehen den Weg der sogenannten Sedisvakantisten. Sie bauen auf falsche Theorien oder folgen den eingebildeten Schauungen von Scharlatanen, die wissen wollen, der Heilige Vater, Papst Franziskus, sei gar nicht Papst. Ob sie dem klassischen Sedisvakantismus mit seinen Spielarten folgen oder sich der Illusion hingeben, der wahre Papst wohne im Garten des Vatikans: Ich möchte als persönliches Zeugnis meine tiefe Überzeugung kundtun, dass jeder, der sich auf solch schlüpfrige Pfade begibt, nur fallen kann.

Zweifache Treue, drei Tränen

Unsere Gründer haben eine zweifache Treue gelobt, nämlich die Treue zum Stuhl Petri und die Treue zur katholischen Tradition. Ich bin überzeugt, dass es einen Weg in sichtbarer Einheit mit der Kirche geben wird. Darum ist nun zu ringen. Die Situation ist nicht weniger dramatisch als unter Nero, als Rom brannte und die Schuld daran den Falschen in die Schuhe geschoben wurde. Welche Dekrete noch in den Schubladen römischer Dikasterien schlummern, ist uns unbekannt. Immer wieder werde ich gefragt: ;Was werden Sie tun, wenn …‘ – Meine Antwort lautet, dass es ein richtungsweisendes Wort des Heilands gibt, der sagt: ;Macht euch nicht vorher Sorge, was ihr reden sollt; sondern was euch eingegeben wird in jener Stunde, das redet; denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern der Heilige Geist‘ (Mk 13, 11). Jesus hat zu Simon Petrus gesagt: ;Der Satan hat verlangt, euch sieben zu dürfen wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, dass nicht nachlasse dein Glaube …‘ (Lk 22, 31).

 Der Herr selbst betete und betet noch jetzt für Petrus

 Ich weiß nicht, was ich tun werde, aber ich bitte den Herrn, dass ER für mich bete. Wie ER für Simon Petrus gebetet hat, so möge der Herr selbst für meine Oberen beten, dass sie zur richtigen Zeit, vom Heiligen Geist geleitet, das Richtige entscheiden. Alle Leser dieser Zeilen lade ich von ganzem Herzen und dringend ein, sich diesem Gebet anzuschließen!Schließlich möchte ich es wagen, anhand der von uns so sehr geliebten und als kostbare Perle gehüteten traditionellen Liturgie die aktuelle Situation zu beleuchten.

Am 8. Sonntag nach Pfingsten, genau zwei Tage nach dem traurigen Motu Proprio, dem dreiunddreißigsten Geburtstag unserer Bruderschaft, lautete die Oration: ;Verleihe uns, so bitten wir, Herr, immer gnädig den Geist, zu denken und zu tun was recht ist, damit wir, die wir ohne Dich nicht sein können, Dir gemäß zu leben vermögen.‘ – Mir scheint, dass ich diese Worte noch nie so bewusst gebetet habe, wie an diesem Tag. Ohne Dich, Herr, können wir nicht sein! Und möge genau dieser Geist uns erfüllen, der Heilige Geist, kraft dessen wir ‚denken und tun, was recht ist‘! DIR gemäß wollen wir leben!

In der Lesung aus dem Brief an die Römer erinnert der heilige Apostel Paulus: ,Wir sind nicht Schuldner des Fleisches, so dass wir nach dem Fleisch leben müssten. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, werdet ihr Sterben‘ (Röm 8, 12) – Bevor ich mich äußere, muss ich sicher sein, dass es nicht das Fleisch ist, das in mir aufbegehrt. Die Situation ist hoch anspruchsvoll. Der Heilige Geist möge die Werke des Fleisches in uns ertöten. Er bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind, und ER lässt uns vertrauensvoll rufen: ,Abba! Vater!‘ Nicht die Kirchendiplomatie kann uns retten. Ich habe aber die feste Zuversicht, dass der himmlische Vater seinen Kindern das Brot des Lebens nicht vorenthält, wenn Sie ihn demütig und vertrauensvoll darum bitten.

Flämmchen oder Glut?

Nochmals komme ich zurück auf den 8. Sonntag nach Pfingsten. Im Evangelium stellt sich die so sonderbar aktuelle Frage: ,Was soll ich tun, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt?‘ Ja, was sollen wir tun?

Verwalter sind auch wir, nämlich ,Diener Christi und Verwalter der Heilsgeheimnisse Gottes‘ (1 Kor 4, 1). Schauen wir, was der Verwalter im Gleichnis tat! Objektiv betrachtet, nutzte er seine noch vorhandene Kompetenz, um Werke der Barmherzigkeit zu tun: ‚Nimm deinen Schuldbrief, setze dich schnell und schreibe fünfzig.‘ Bislang kam mir das noch nie so in den Sinn, aber könnte es nicht sein, dass der Verwalter genau mit dieser Handlungsweise die Sinnesart seines Herrn getroffen hat? Ob sich das Lob des Herrn nicht vielleicht genau auf diesen Punkt des barmherzigen Handelns bezieht?

Was sollen wir tun? Nehmen wir die Herausforderung an, noch mehr als bisher authentisch katholisch zu leben und, aus den Quellen der Tradition genährt, untereinander in aller Konsequenz den Geist echter Brüderlichkeit zu pflegen! Lassen wir unseren Schmerz vom Heiligen Geist her durchleuchten und tun wir Werke der Barmherzigkeit! Mir kommt das Wort unseres heiligen Patrons in den Sinn: ,So ist es der Wille Gottes, dass ihr, indem ihr Gutes tut, den Unverstand törichter Menschen zum Schweigen bringt‘ (1 Petr 2, 15). Indem wir Gutes tun und Barmherzigkeit üben, können wir nichts falsch machen. Nehmen wir den Anruf zur Heiligkeit ernst, so ist das nichts anderes als die im Gleichnis geforderte Klugheit der Kinder des Lichtes. Möge genau dieses Argument dem Heiligen Vater zu Herzen gehen! Wenn man gegen eine flackernde Flamme bläst, kann man sie auslöschen. Wer aber in die Glut bläst, facht sie dadurch nur an. In diesem unserem dreiunddreißigsten Jahr soll sich zeigen, ob wir nur Flämmchen sind, oder Glut!

Der heilige Evangelist Lukas wird in besonderer Beziehung zur Gottesmutter Maria gesehen, deren Bild er in seinem Evangelium so wunderbar gezeichnet hat. Sie ist die Königin des heiligen Rosenkranzes, die Mutter vom Sieg. Unter ihrem Schutzmantel schauen wir getrost und hoffnungsvoll nach vorn!“ (Text orthographisch angepasst, Zwischenüberschriften ergänzt, Anm. d. Red.)

Foto: Einkleidung bei der Piusbruderschaft – Bildquelle: pius.info

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