Der Auferstandene ist mit dem Gekreuzigten identisch

Homilie des heiligen Cyrill von Alexandrien zum Evangelium des 2. Ostersonntages (Oktavtag von Ostern). Text: Lib. 12, cap. 1: 74, 703-706. ├ťbersetzung: Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 22. April 2017 um 19:00 Uhr
F├╝├če

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Jo 20, 19-31)

19 Am Abend des ersten Tages der Woche, als die J├╝nger aus Furcht vor den Juden die T├╝ren verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine H├Ąnde und seine Seite. Da freuten sich die J├╝nger, dass sie den Herrn sahen.21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 23 Wem ihr die S├╝nden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. 24 Thomas, genannt Didymus – Zwilling -, einer der Zw├Âlf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Die anderen J├╝nger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der N├Ągel an seinen H├Ąnden sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der N├Ągel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.26 Acht Tage darauf waren seine J├╝nger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die T├╝ren waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! 27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus – hier sind meine H├Ąnde! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungl├Ąubig, sondern gl├Ąubig! 28 Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. 30 Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner J├╝nger getan.

31 Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Homilie des heiligen Cyrill von Alexandrien

Schau, wie Christus bei geschlossenen T├╝ren wundervoll eintritt und zeigt, dass er seiner Natur nach Gott ist und nicht verschieden ist von dem, der vorher zusammen mit den Aposteln Umgang hatte. Er zeigt die Seite seines Leibes und die Male der N├Ągel. Dadurch richtete er ihre Aufmerksamkeit auf den Tempel, der am Kreuz selber gehangen hatte und der seinen von ihm auferweckten Leib getragen hatte. Der Tod war freilich bereits vernichtet worden, da er ja in Bezug auf seine Natur das Leben und Gott ist.

Nun ist wohl seine Sorge f├╝r den Glauben an die zuk├╝nftige Auferstehung so gro├č gewesen, dass er – der g├Âttlichen ├ľkonomie folgend – wie in fr├╝herer Zeit erscheinen wollte, auch wenn schon die Zeit f├╝r den ├ťbergang seine Leibes in jene unaussprechliche und ├╝bernat├╝rliche Herrlichkeit da war.┬áMan sollte n├Ąmlich nicht meinen, er h├Ątte einen anderen Leib als den, in dem er am Kreuz den Tod erlitten hat.

Dass unsere Augen die Herrlichkeit des heiligen Leibes nicht ertragen k├Ânnten, wenn Christus sie sogar schon vor seinem Aufstieg zum Vater h├Ątte offenbaren wollen, ist leicht einzusehen, wenn man sich die Verkl├Ąrung, die sich einst auf dem Berg vor den Augen der J├╝nger vollzog, ins Ged├Ąchtnis ruft. Denn der selige Evangelist Matth├Ąus schreibt, dass Christus zusammen mit Petrus, Jakobus und Johannes auf den Berg gestiegen und vor ihnen verkl├Ąrt sei und dass sein Gesicht wie ein Blitz gestrahlt habe und seine Kleider wei├č wie Schnee geworden seien. Da sie aber diese Erscheinung nicht ertragen konnte, seien sie auf ihr Gesicht gefallen.

Daher erschien unser Herr Jesus Christus gem├Ą├č einem besonderen Ratschluss noch nicht in Herrlichkeit, die ihm geb├╝hrte und zu dem verwandelten Tempel passte. Denn er wollte nicht, dass der Auferstehungsglaube sich auf eine andere Gestalt und einen anderen Leib bezog als auf den, den er aus der heiligen Jungfrau angenommen hat. In ihm ist er auch als Gekreuzigter gestorben gem├Ą├č den Schriften, als der Tod nur ├╝ber das Fleisch Macht hatte. Aus ihm ist er vertrieben. Denn wenn sein toter Leib nicht auferstanden ist, ├╝ber welchen Tod trimphiert dann der Sieg?

Oder wie h├Ątte die Herrschaft des Verderbens ein Ende gefunden, wenn nicht durch den Tod eines der mit Vernunft begabten Gesch├Âpfe? Nicht durch eine Seele, nicht durch einen Engel, auch nicht durch das Wort Gottes selber. Weil also der Tod so viel Macht ├╝ber sie hat, die ihrer Natur nach zerst├Ârt werden kann, wird man zu recht daf├╝rhalten, dass sich auch die Kraft der Auferstehung gegen sie selbst wendet. Die Folge ist die Vernichtung ihrer tyrannischen Macht.

Dass er nun bei geschlossenen T├╝ren eingetreten ist, wird, wer auch immer nachdenkt, zu seinen anderen Wundern z├Ąhlen. Er gr├╝├čt mit folgenden Worten seine J├╝nger: Friede sei mit euch. Dadurch dr├╝ckt er aus, dass er selber der Friede ist. Denen Christus n├Ąmlich nahe ist, die sind bestimmt ruhig, gelassen und gefa├čt. Das w├╝nschte doch Paulus ┬áauch den Gl├Ąubigen, wenn er sagte. Der Friede Christi, der jedes Empfinden ├╝berragt, bewahre eure Herzen und euer Denken. Der Friede Christi, der alles Sichtbare ├╝bersteigt, ist, sagt er, mit dem Heiligen Geist identisch. Wer an ihm teilhat, wird mit allen guten Gaben gesegnet werden.

├ťber den heiligen Cyrill von Alexandrien (gest. um 444 n. Chr.)

Er begleitete seinen Onkel Theophilus, Patriarch von Alexandrien, zur Eichensynode (403), auf der Johannes Chrysostomus abgesetzt wurde. Als dessen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Alexandria (412) nahm er im Streit gegen Nestorius eine f├╝hrende Rolle ein. Selbst der Athanasianischen Christologie verpflichtet, die die Einheit von Gottheit und Menschheit betont, verteidigte er vehement die Gottesmutterschaft Mariens. Unter seinem Vorsitz wurde sie auf dem Konzil von Ephesus (431) feierlich verk├╝ndet und Nestorius, Bischof von Konstantinopel f├╝r abgesetzt erkl├Ąrt. Die daraufhin einsetzenden Streitigkeiten mit den Antiochenern, die ein Gegenkonzil einberiefen und ihrerseits Cyrill f├╝r abgesetzt erkl├Ąrten, konnten 433 beigelegt werden. Seine dogmatischen Positionen verfocht Cyrill vor allem in (Osterfest-) Briefen und in Homilien; doch auch der sp├Ąte Dialog ÔÇ×Da├č Christus einer istÔÇŁ l├Ą├čt sich hier anf├╝hren. (Quelle: Catena Aurea)

Foto: F├╝├če – Bildquelle: Kathnews

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