Zwischen „Hosanna“ und „Kreuzige ihn“

Christen feiern die Karwoche als Höhepunkt des Kirchenjahres.
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 8. April 2014 um 23:45 Uhr
Kreuzigung Christi

Berlin (kathnews/KNA). In der kommenden Woche begehen die Christen in fast allen Ländern der Erde die Höhepunkte des Kirchenjahres, die sogenannte Karwoche oder auch „Heilige Woche“. Diese Zeit beginnt mit dem Palmsonntag und erinnert an die letzten Tage Jesu vor seiner Folterung und Hinrichtung. Die althochdeutsche Vorsilbe „Kar-“ bedeutet Trauer, Klage oder Kummer. Die orthodoxen Christen haben in diesem Jahr denselben Ostertermin wie die westlichen Kirchen. Im Mittelpunkt des Palmsonntags steht die Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem. Die Gläubigen treffen sich vor den Kirchen zur Segnung von „Palmen“ (in Deutschland meist Buchsbaumzweige) und ziehen dann in einer Prozession gemeinsam in das Gotteshaus ein. In der anschließenden Messfeier wird die Botschaft vom Leiden und Sterben (Passion) Jesu verkündet – so steht der Palmsonntag in der Spannung zwischen den Rufen „Hosanna“ und „Kreuzige ihn“.

Wenige Tage danach beginnt mit dem Gründonnerstag das „Triduum Paschale“ – eine dreitägige Zeit, die traditionell eine besondere Prägung hat. Die Herkunft der aus dem Mittelalter stammenden deutschsprachigen Bezeichnung Gründonnerstag ist nicht eindeutig geklärt; eine Deutung leitet sie vom althochdeutschen „greinen“ (weinen) ab. An diesem Tag gedenkt die Kirche des letzten Abendmahls, das Jesus mit seinen Jüngern hielt, und damit der Einsetzung der Eucharistie sowie der anschließenden Festnahme Jesu am Ölberg. Zu den Besonderheiten gehört der Ritus der Fußwaschung, bei dem der jeweilige Bischof oder Ortsgeistliche zwölf Menschen die Füße wäscht. In der Abendmesse werden zudem alle Hostien geweiht, die bis zur Osternacht in den Gemeinden gebraucht werden, denn in der Zwischenzeit findet keine
Messfeier statt. Auch schweigt die Orgel, und die Glocken werden nicht geläutet. In den protestantischen Kirchen wird der Gründonnerstag mit einem Abendmahlsgottesdienst begangen.

Am Karfreitag, der in anderen Sprachen als „guter Freitag“ oder „heiliger Freitag“ bezeichnet wird, steht die Kreuzigung Jesu im Mittelpunkt. In den katholischen Gemeinden versammeln sich die Christen zur biblisch überlieferten Todesstunde Jesu um drei Uhr nachmittags. In einem Wortgottesdienst hören sie die Passionsgeschichte, gefolgt von Kreuzverehrung und einer Kommunionfeier, bei der die vorgeweihten Hostien ausgeteilt werden. Im Rahmen des Gottesdienstes werden seit dem 5. Jahrhundert auch die „Großen Fürbitten“ für die Kirche, die Regierenden, für Glaubende und Nichtglaubende gebetet. Vielerorts finden an diesem Tag zusätzlich Kreuzwegandachten im Freien oder in der Kirche statt. In der lutherischen Tradition gilt der Karfreitag als wichtigster Feiertag überhaupt. Dies spiegelt sich in den ernsten Gottesdiensten, aber auch in den großen Passionsmusiken, die für diesen Tag geschrieben wurden. In der Orthodoxie gibt es am „Großen Freitag“ außer der Liturgie vom Leiden und Sterben des Herrn noch drei weitere Gottesdienste. Traditionell wird der Karfreitag in allen Kirchen als Fasttag und, im Zeichen der Trauer, in Stille und Besinnlichkeit begangen. Im staatlichen Recht erinnert daran das – in jüngster Zeit mitunter in Frage gestellte – Tanzverbot.

Ein stiller Tag ist auch der Karsamstag, der Gedächtnistag der Grabesruhe Jesu. In den Kirchen kommt dies etwa dadurch zum Ausdruck, dass der Altar wie schon am Vortag nicht mit Altartuch, Kerzen oder Blumen geschmückt ist. Auch werden keine Sakramente gefeiert, die mit Festfreude verbunden sind. Der Karsamstag ist von regional unterschiedlichem Brauchtum geprägt. Er endet am späten Abend mit der Feier der Osternacht, die als Nachtwache („Vigil“) bereits zur Liturgie des Ostersonntags gehört.

Von Norbert Zonker (KNA)

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Foto: Kreuzigung Christi – Bildquelle: Manuel Gómez