Von wo aus Ludwig der Fromme einst den Benediktinerorden reformierte

Ein geschichtsträchtiger Stadtteil der Kaiserstadt Aachen feiert sein 1200-jähriges Bestehen.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 6. Februar 2014 um 22:59 Uhr
Aachener Dom - Innenansicht

Aachen (kathnews). Dem Besucher des Aachener Rathauses fallen sie bestimmt auf: die monumentalen Fresken im Krönungssaal der ehemaligen Königshalle (aula regia) Karls des Großen. Der in Aachen geborene Künstler Alfred Rethel (1816-1859) hat sie im Zuge des Historismus des 19. Jahrhunderts geschaffen. Rethels Bilderzyklus stellt Szenen aus dem Leben Karls des Großen dar. Nach dem Tod des Künstlers vollendete dessen Schüler Joseph Kehren das Werk. Leider sind drei dieser bedeutenden Fresken dem Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges zum Opfer gefallen. Eines der noch erhaltenen „Rethel-Fresken“ ist die Darstellung der Selbstkrönung Ludwigs des Frommen auf der Westseite des Krönungssaales. Es zeigt dem Betrachter, wie sich der Sohn Karls des Großen am 11. September 813 selber zum Kaiser krönte. Die Krönung erfolgte in der Pfalzkapelle, dem heutigen Aachener Dom, da wo wenige Monate später, am 28. Januar 814, die Gebeine des Vaters Ludwigs ihre letzte Ruhestätte finden sollten.

Bedeutende Klosterreform ging von Aachen aus

Karl der Große war mit seinem großen Reformprogramm auch um eine Vereinheitlichung des Mönchtums in seinem Reich bemüht. Darum sollte die Regel des Mönchvaters Benedikt von Nursia in allen Klöstern seines Reiches beachtet werden. Das Projekt der Vereinheitlichung des Mönchtums wurde allerdings erst von Karls Sohn Ludwig dem Frommen vollendet. Dieser hatte in Aquitanien den Benediktinerabt Benedikt von Aniane kennengelernt. Nachdem Ludwig 814 die Nachfolge seines Vaters angetreten hatte, berief er Benedikt nach Aachen, wo er in den Folgejahren die Vereinheitlichung organisierte, die schließlich auf dem Aachener Konzil bzw. der Aachener Reichssynode von 816, die bis 819 tagte, zur Vollendung gebracht wurde. Die in Aachen Versammelten schrieben die Regel und das von Benedikt verfasste Capitulare monasticum als alleinverbindliche Mönchsregel fest. Daneben entschied man in Aachen auch die deutliche Trennung zwischen Mönch und Kanoniker. Von Aachen aus erhielt der Benediktinerorden seine spätere Form und Bedeutung.

814-2014: Kornelimünster, der geschichtsträchtigste Stadtteil Aachens, wird 1200 Jahre alt

Das Modellkloster für alle Klöster im Reich sollte ein von Benedikt von Ariane und Ludwig dem Frommen gegründetes Kloster in der Nähe der Aachener Pfalz sein. Ludwig wählte dazu einen Ort, den er häufig zur Erholung von den Strapazen in der Aachener Residenz aufsuchte. Der Ort, an der Inde, einem Nebenfluss der Rur in der Nordeifel, ca. 10 km südlich von der Aachener Residenz bzw. Pfalz, gelegen, war bereits von den Römer als Kultort genutzt worden, die oberhalb der Inde die gallo-romanische Kultstätte Varnenum errichtet hatten, von der heute nur noch wenige Reste erhalten sind. Ludwig nannte das Kloster wegen des Flusses Monasterium ad Indam, Kloster an der Inde. Nachdem durch Karl den Kahlen, den Sohn und Nachfolger Ludwigs des Frommen, eine Arm- und Kopfreliquie des heiligen Papstes Kornelius, der 253 das Martyrium erlitten hatte, und des heiligen Cyprian von Karthago in das Kloster an der Inde gebracht worden waren, wurde der Ort 1028 umgenannt. Seitdem heißt er Kornelimünster. Es ist wohl der geschichtsträchtigste Stadtteil der Residenzstadt Karls des Großen, gefolgt von dem Stadtteil Burtscheid (Lat.: Porcetum), das sich vor allem als Kur- und Badezentrum Aachens und durch die von Kaiser Otto III. 997 gegründete ehemalige Reichsabtei einen Namen gemacht hat. Auch das Benediktinerkloster in Kornelimünster nahm als Reichsabtei eine bevorzugte Stellung im Reich ein. Im Zuge des Säkularisierung nach der Französischen Revolution wurden die beiden Aachener Reichsabteien aufgelöst. Die Abtei in Kornelimünster wurde Propstei-, die Abtei in Burscheid Pfarrkirche. Die heutige Benediktinerabtei in Kornelimünster wurde am 14. Oktober 1909 kanonisch errichtet.

Bedeutender Reliquienschatz

Kornlimünster ist sei 1972 Stadtteil der Kaiserstadt Aachen. Der Ort besticht durch seine malerische Lage im Tal der Inde im Süden der Kaiserstadt an der Grenze zu den Nordhängen der Eifel und zieht jährlich tausende Touristen an, die dem Lärm der Großstadt entkommen wollen. Im Herzen dieses wohl idyllistischen Stadtteils Aachens steht die fünfschiffige Korneliusbasilika, die Propteikirche von Kornelimünster. Neben der Korneliusreliquie, die jedes Jahr in der Korneliusoktav im September viele Pilger nach Kornelimünster führt, und der Reliquie des heiligen Bischofs von Karthago, Cyprian, birgt die ehemalige Abteikirche auch einen weiteren bedeutenden Reliquienschatz: das Schürztuch, mit dem Christus den Jüngern beim Letzten Abendmahl die Füße abgetrocknet hat, das Schweißtuch, das Christi Gesicht während der Grabesruhe bedeckte, und das Grabtuch Christi. Die Reliquien werden den Gläubigen zeitgleich mit der alle sieben Jahre in Aachen stattfindenen Heiligtumsfahrt zur Verehrung gezeigt.

Jubiläumsfeiern in Kornelimünster. Abtprimas Wolf kommt nach Aachen

Vor 1200 Jahren, im Sterbejahr Karls des Großen, wurde von Ludwig dem Frommen die Benediktiner- und Reformabtei „Monasterium ad Indam“ gegründet. Damit beginnt die Geschichte des heutigen Stadtteils Kornelimünster. Die Propteikirche und das Bendiktinerkloster von Kornelimünster organisieren das ganze Jahr hindurch geistliche und kulturelle Jubiläumsfeien, mit Gottesdiensten, Konzerten und Vorträgen. Im Mittelpunkt steht zweifellos die diesjährige Heiligtumsfahrt von Kornelimünster, deren erster Teil zeitgleich mit der Aachener Heiligtumsfahrt im Aachener Dom stattfindet, nämlich vom 22. bis 29. Juni 2014. Der zweite Teil ist für den 14. bis 21. September 2014 vorgesehen und steht im zeitlichen Zusammenhang mit der Korneliusoktav. Den Abschlussgottesdienst für die Heiligtumsfahrt zelebriert Abtprimas Dr. Notker Wolf, der aus Rom in die Kaiserstadt reisen wird. Am kommenden Sonntag, dem 9. Februar feiert der Aachener Bischof um 11.00 Uhr ein Pontifikalamt in der Propsteikirche von Kornelimünster, mit dem das Jubeljahr eröffnet wird. Ein geistliches Konzert mit dem Aachener Domchor in der Propsteikirche steht am 16. Februar auf dem Prorgramm. Beginn: 17.00 Uhr.

Aachen jubiliert 2014

2014 ist ein Jubeljahr für Aachen. Drei Jubiläen und zwei Heiligtumsfahrten prägen das Jahr in der Kaiserstadt am Dreiländereck zu Deutschland, Belgien und den Niederlanden. 814 ist das Sterbejahr Karls des Großen und das Gründungsjahr der Benediktinerabtei in Aachen-Kornelimünster, von der unter Karls Sohn Ludwig der Fromme eine nachhaltige Klosterreform im Mittelalter ausging. 1414 wurde die gotische Chorhalle des Aachener Domes fertiggestellt. Sie birgt den Karlsschrein mit den Gebeinen des Frankenkaisers, des Vaters des Abendlandes, das Grab Ottos III. und den Marienschrein mit den vier großen Heiligtümern. Im Juni und im September heißt Aachen tausende Pilger zu den alle sieben Jahren in der Kaiserstadt und Kornelimünster stattfindenden Heiligtumsfahrten willkommen. Ebenfalls im Juni präsentiert sich die Stadt Karls des Großen mit drei großen Sonderausstellungen, die bis September zu sehen sind und deren Schirmherrschaft die Staatsoberhäupter Deutschlands, Frankreichs und Italiens übernehmen.

Foto: Aachener Dom – Bildquelle: Andreas Gehrmann

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