Vom Event zum Sakrament

Über ein neues Firmkonzept im Bistum Bozen-Brixen.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 4. November 2017 um 10:21 Uhr

Von Gero P. Weishaupt:

Bozen-Brixen (kathnews). Die gegenwärtige Sakramentenpastoral der Katholischen Kirche in vielen Teilen der Welt ist angesichts gesellschaftlicher Veränderung obsolet. Die Kirche ist schon lange keine Volkskirche mehr. Ihre Sakramentenpastoral behindert eher ihre Sendung in der Welt, als dass sie sie fördert und unterstützt.

Das gilt für mehrere Sakramente wie Taufe, Erstkommunion, Ehe, insbesondere aber für die Firmung. Für viele ist sie der Abschied von der Kirche. Genau das Gegenteil also von dem, was die Firmung bezweckt, nämlich dass die Getauften „vollkommener der Kirche verbunden und mit der besonderen Kraft des Heiligen Geistes ausgestattet“ werden. „So sind sie noch strenger verpflichtet, den Glauben als wahre Zeugen Christi in Wort und Tat zugleich zu verbreiten und zu verteidigen“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium 11, ebenso: KKK 1285 und can. 879 CIC/1983).

Weniger Event und mehr Substanz

Vor diesem Hintergrund hat nun der Bischof von Bozen-Brixen, Msgr. Ivo Muser, ein neues Firmkonzept vorbereitet. Es geht ihm mit ihm darum, „den radikalen gesellschafltichen und kirchlichen Veränderungen Rechnung zu tragen“, erklärte er in der kath. Zeitung „Die Tagespost“ vom 28.10.2017. „Es soll in Zukunft nicht mehr ausschlaggebend sein, welche Schulstufe jemand besucht, sondern ob er/sie sich bewusst für die  Firmvorbereitung meldet oder nicht. Die Vorbereitung selber soll mindestens ein Jahr dauern und wird inhaltlich und methodisch intensiviert.“ Mit diesem Konzept verbinde der Oberhirte die Hoffnung: „Weniger Event und mehr Substanz.“

Persönlich, aber nicht individualistisch

Man müsse sich „im neuen gesellschaftlich-kirchlichen Kontext, der immer weniger der Kontext der Volkskirche ist, gemeinsam die Frage stellen: Was bedeutet uns ein Sakrament? Wie gehen wir um mit dem Geschenk eines Sakramentes?“. Der Bischof fragt: „Begnügen wir uns damit, dass unsere Sakramente punktuelle Ereignisse sind, oder wollen wir Heilszeichen für einen Weg?“ Es geht bei der Firmung wie bei allen Sakramenten „um Christusbeziehung“, „um einen zwar persönlichen, aber nicht individualistischen Weg in der Glaubensgemeinschaft der Kirche“, so Bischof Muser. Viele wollten ein „punktuelles, isoliertes Ereignis, aber nicht einen Glaubensweg“. Der Glaube der Kirche wisse, „dass ein Sakrament nicht mit einem Automatismus verbunden sein darf. Gott zwingt uns nicht, er rechnet mit uns und er will unsere Freiheit“, motivierte der Bischof weiter sein neues Firmkonzept.

Es ist zu hoffen, dass der Papst und die anderen Bischöfe, gerade im säkularisierten Europa, den Mut haben, wie der Bischof von Bozen-Brixen neue Wege in der Sakramentenpastoral zu beschreiten, die den Automatismus beendet, um so den weiteren Ausverkauf der Sakramente durch eine noch an volkskirchlichen Strukturen und Gewohnheiten orientierte Sakramentenpastoral zu verhindern. Vielleicht wäre das auch ein Thema für eine künftige Bischofssynode.

Foto: Taube – Ambo, St. Laurentius zu Konnersreuth – Bildquelle: Kathnews