Vatikanum II – Die Weitergabe der göttlichen Offenbarung

Dei Verbum, Artikel 7: Die Kirche gibt in der Heiligen Schrift und der Tradition die Heilswahrheit weiter. In beiden – Schrift und Tradition - spiegelt sich das Antlitz Gottes.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 22. August 2015 um 11:46 Uhr
Vaticanum II, Konzilseröffnung

Einleitung von Gero P. Weishaupt:

Mit Artikel 7 beginnt das zweite Kapitel der Konstitution über die Offenbarung Dei Verbum. Es handelt über die Weitergabe der göttlichen Offenbarung (De divinae revelatione transmissione). Wiederum zeigen die Konzilsväter darin die Kontinuität ihrer Ausführungen mit den bisherigen theologischen und lehramtlichen Aussagen der Kirche. Neben dem Kirchenvater Irenäus von Lyon (Adversus Haereses) wird das Konzil von Trient (Dekret über die kanonischen Schriften) und das Erste Vatikanische Konzil (Dei Filius) zitiert.

Schrift und Tradition

Der gegenständliche Artikel lehrt, dass die Offenbarung „die Quelle (fons) jeglicher Heilswahrheit und Sittenlehre“ ist. Diese Quelle wird durch Schrift und Tradition weitergeben, und zwar einerseits durch die schriftliche Wiedergabe der Heilsbotschaft seitens der vom Heiligen Geist inspirierten Apostel und apostolischen Männer (Evangelisten),  andererseits durch die mündliche Überlieferung (praedicatio oralis), durch Beipiele (exempla) und Einrichtungen (institutiones) der Apostel, mithin durch all das, was die Apostel von Christus selber gehört, im Umgang mit ihm erfahren, durch seine Werke erlebt oder „was sie unter Eingebung des Heiligen Geistes (a Spiritu Sancto suggerente) gelernt haben. Damit ist der Anfang des kirchlichen Überlieferungsgeschehens (traditio/paradosis) im Konzilstext ausgesagt. Offenbarung geschieht demnach „nicht nur im Predigtwort Jesu …, sondern im Ganzen der lebendigen Erfahrung seiner Person … . “ (Joseph Ratzinger, LThK, Erg. II., 516).

Verbindung von Tradition und Sukzession

Mit dem Kirchenvater Irenäus lehren die Konilsväter sodann die Verbindung von Sukzession (Nachfolge der Apostel durch das Bischöfe) und Tradition. Beides kann nicht voneinander getrennt werden, denn „(d)ie Nachfolge ist die Gestalt der Überlieferung, die Überlieferung ist die Gestalt der Nachfolge“ (Irenäus). Die Apostel haben Bischöfe als Nachfolger hinterlassen, „damit das Evangelium in der Kirche für immer unversehrt und lebendig bewahrt werde.“ Die Heilige Überlieferung und die beiden Testamente der Heiligen Schrift spiegeln gleichsam (veluti speculum) das Angesicht Gottes, das er in seiner Selbstmitteilung den Menschen zeigt, um ihnen seine Gaben mitzuteilen.  In den folgenden (noch hier zu behandelnden) Artikeln von Dei Verbum gehen die Konzilsväter näher auf die Heilige Schrift und die Überlieferung als die beiden Weisen der Weitergabe der göttlichen Offenbarung durch die Kirche ein.

Artikel 7 von Dei Verbum

Was Gott zum Heil aller Völker geoffenbart hatte, das sollte so hat er in Güte verfügt – für alle Zeiten unversehrt erhalten bleiben und allen Geschlechtern weitergegeben werden. Darum hat Christus der Herr, in dem die ganze Offenbarung des höchsten Gottes sich vollendet (vgl. 2 Kor 1,20; 3,16 – 4,6), den Aposteln geboten, das Evangelium, das er als die Erfüllung der früher ergangenen prophetischen Verheißung selbst gebracht und persönlich öffentlich verkündet hat, allen zu predigen als die Quelle jeglicher Heilswahrheit und Sittenlehre und ihnen so göttliche Gaben mitzuteilen. Das ist treu ausgeführt worden, und zwar sowohl durch die Apostel, die durch mündliche Predigt, durch Beispiel und Einrichtungen weitergaben, was sie aus Christi Mund, im Umgang mit ihm und durch seine Werke empfangen oder was sie unter der Eingebung des Heiligen Geistes gelernt hatten, als auch durch jene Apostel und apostolischen Männer, die unter der Inspiration des gleichen Heiligen Geistes die Botschaft vom Heil niederschrieben.

Quae Deus ad salutem cunctarum gentium revelaverat, eadem benignissime disposuit ut in aevum integra permanerent omnibusque generationibus transmitterentur. Ideo Christus Dominus, in quo summi Dei tota revelatio consummatur (cf. 2 Cor 1,20et 3,16 – 4,6), mandatum dedit Apostolis ut Evangelium, quod promissum ante per Prophetas Ipse adimplevit et proprio ore promulgavit, tamquam fontem omnis et salutaris veritatis et morum disciplinae omnibus praedicarent (8), eis dona divina communicantes. Quod quidem fideliter factum est, tum ab Apostolis, qui in praedicatione orali, exemplis et institutionibus ea tradiderunt quae sive ex ore, conversatione et operibus Christi acceperant, sive a Spiritu Sancto suggerente didicerant, tum ab illis Apostolis virisque apostolicis, qui, sub inspiratione eiusdem Spiritus Sancti, nuntium salutis scriptis mandaverunt.

Foto: Konzilsväter auf dem Petersplatz – Bildquelle: Peter Geymayer / Wikipedia