Vatikanum II: Die vornehmste Aufgabe des Priesters ist die Feier des heiligen Messopfers

Denn ihn ihm vollzieht sich das Werk unserer Erlösung. Die Zelebration des Messopfers ist auch dann ein Akt der Kirche, wenn keine Gläubige daran teilnehmen. „Presbyterorum Ordinis“, Artikel 13.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 20. März 2016 um 18:17 Uhr
Vaticanum II, Papst Paul VI.

Einleitung von Gero P. Weishaupt:

In Artikel 13 von Presbyterorum Ordinis, dem Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über Dienst und Leben der Priester, setzen die Konzilsväter die im vorherigen Artikel behandelte Thematik fort und benennen ausgehend vom dreifachen Dienstamt der Verkündigung, der Heiligung und der Leitung die Wege, die zur Heiligung der Priester beitragen.

Geistliche Schriftlesung

Dazu gehört zunächst das Lesen und Hören des Wortes Gottes in der Heiligen Schrift, das die Konzilsväter in der Dogmatischen Konstitution Dei Verbum als die „Seele der ganzen Theologie“ bezeichnen. Die Heilige Schrift muss die Quelle der Verkündigung der Priester sein, was freilich die Überlieferung der Kirche als Antwort auf die Heilige Schrift miteinschließt, wie aus der dogmatischen Konstitutution (DV, 12) folgt.

Tägliche Zelebration des heiligen Messopfers

Zentrum des gesamten priesterlichen Dienstes, aus dem die Priester ihre Kraft schöpfen und auf das alles seelsorgliche Handeln ausgerichtet ist, ist die Feier des heiligen Messopfers (sacrificium Missae). In ihm nämlich vollzieht sich beständig das Werk der Erlösung, für den der Priester geweiht ist. Darum empfehlen die Konzilsväter auch nachdrücklich (enixe) die tägliche Zelebration des heiligen Messopfers, das auch dann ein Akt der Kirche ist, wenn keine Gläubigen daran teilnehmen (enixe commendatur eius celebratio cotidiana). In diesem Zusammenhang weist der Text des Dekretes auf eine wichtige  Aussage in der Enzyklika Mysterium Fidei Papst Pauls VI. vom 3. September 1965, der mit den Konzilsaussagen mitgelesen werden muss. Er sei darum hier integral wiedergeben:

Auch eine Messe ohne Volk ist ein Akt Christi und der Kirche

„Denn jede Messe, auch wenn sie privat vom Priester zelebriert wird, ist dennoch nicht privat, sondern ein Akt Christi und der Kirche; diese Kirche pflegt nämlich im Opfer, das sie darbringt, sich selbst als ein umfassendes Opfers darzubringen, und sie wendet die einzige und unendliche Erlösungskraft des Kreuzesopfers der ganzen Welt zum Heil zu. Denn jede Messe, die zelebriert wird, wird nicht nur für einiger Heil, sondern für das Heil der ganzen Welt dargebracht … Darum empfehlen wir (commendamus) den Priestern, die Unsere besondere Freude und Unsere Krone im Herrn sind, väterlich und angelegentlich (paterne et enixe), dass … sie täglich würdig und andächtig die Messe feiern.“  

Diese eindringliche Empfehlung des höchsten kirchlichen Lehramtes (Vatikanum II und Papst Paul VI.) hat ihren rechtlichen Niederschlag in einer Norm des kirchlichen Gesetzbuches gefunden (can. 904 CIC/1983), das sogar bis in den Wortlaut hinein die Aussagen des Konzils und Pauls VI. übernimmt:

„Immer dessen eingedenk, daß sich im Geheimnis des eucharistischen Opfers (sacrificium eucharisticum) das Werk der Erlösung fortwährend vollzieht, haben die Preister häufig zu zelebreiern (frequenter celebrent); ja die tägliche Zelebration wird eindringlich empfohlen (enixe commendatur celebratio cotidiana), die, auch wenn eine Teilnahme von Gläubigen nicht möglich ist, eine Handlung Christi und er Kirche ist, durch deren Vollzug die Priester ihre vornehmliche Aufgabe erfüllen.“

Es ist der Wunsch der Konzilsväter, dass die Priester durch die tägliche Feier des heiligen Messopfers das nachahmen, „was sie vollziehen; weil sie das geheimnisvolle Geschehen des Todes unseres Herrn vergegenwärtigen, sollen sie auch ihren Leib mit seinen Fehlern und Begierden zu ertöten trachten“ (PO, 13).

Breviergebet

Beim Breviergebet, das eine Entfaltung dessen ist, was die Priester im Geheimnis der heiligen Messe vollziehen, leihen „sie ihren Mund der Kirche, die beständig im Namen des ganzen Menschengeschlechtes im Gebet verharrt mit Christus“ (PO, 13).

Hingabe im Hirtendienst für die Menschen

Aus der geistlichen Quelle der täglichen Feier der Eucharistie gewinnt der Priester die Kraft für seinen Hirtendienst zum Heil der Menschen. „(V)on der Liebe des Guten Hirten angetrieben“, geben sie „ihr Leben für ihre Schafe hin, auch zum höchsten und letzten Opfer bereit nach dem Beispiel jener Priester, die auch in unserer Zeit nicht gezögert haben, ihr Leben zu opfern“ (PO, 13).

Presbyterorum Odinis Artikel 13. Deutscher und lateinischer Text

Die Priester gelangen auf ihnen eigene Weise zur Heiligkeit, nämlich durch aufrichtige und unermüdliche Ausübung ihrer Ämter im Geist Christi.

Als Diener des Wortes Gottes lesen und hören sie täglich Gottes Wort, das sie andere lehren sollen; wenn sie es bei sich selbst ernsthaft aufzunehmen trachten, werden sie von Tag zu Tag vollkommenere Jünger des Herrn nach den Worten des Apostels Paulus an Timotheus: “Darauf richte deinen Sinn, darin lebe: daß dein Fortschritt allen offenbar werde. Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre; verharre darin. Denn wenn du das tust, wirst du dich retten und die, welche dich hören” (1 Tim 4,15-16). Beim Nachdenken, wie sie die Früchte ihrer eigenen Betrachtung anderen am besten weitergeben können, werden sie noch inniger “den unergründlichen Reichtum Christi” (Eph 3,8) und die vielfältige Weisheit Gottes verkosten. Wenn sie vor Augen haben, daß der Herr es ist, der die Herzen öffnet, und daß die Tiefe nicht ihnen, sondern der Kraft Gottes entstammt, werden sie gerade bei der Weitergabe des Gotteswortes enger mit Christus dem Lehrer verbunden und durch seinen Geist geführt werden. Durch diese Gemeinschaft mit Christus haben sie teil an der Liebe Gottes, deren Geheimnis von Ewigkeit her verborgen war, nun aber in Christus offenbar geworden ist.

Im Dienst am Heiligen, vor allem beim Meßopfer, handeln die Priester in besonderer Weise an Christi Statt, der sich für das Heil der Menschen zum Opfer hingab. Darum sind sie aufgefordert, das nachzuahmen, was sie vollziehen; weil sie das geheimnisvolle Geschehen des Todes unseres Herrn vergegenwärtigen, sollen sie auch ihren Leib mit seinen Fehlern und Begierden zu ertöten trachten. Im Mysterium des eucharistischen Opfers, dessen Darbringung die vornehmliche Aufgabe des Priesters ist, wird beständig das Werk unserer Erlösung vollzogen ; darum wird seine tägliche Feier dringend empfohlen; sie ist auch dann, wenn keine Gläubigen dabei sein können, ein Akt Christi und der Kirche.

Während sich so die Priester mit dem Tun des Priesters Christus verbinden, bringen sie sich täglich Gott ganz dar, und genährt mit dem Leib Christi, erhalten sie wahrhaft Anteil an der Liebe dessen, der sich seinen Gläubigen zur Speise gibt. Ähnlich sind sie bei der Verwaltung der Sakramente mit der Gesinnung und Liebe Christi geeint; zu solcher Einigung tragen sie besonders bei, wenn sie sich allgemein und stets bereit zeigen, den Liebesdienst der Spendung des Bußsakramentes zu leisten, sooft die Gläubigen begründeterweise darum bitten. Beim Breviergebet leihen sie ihren Mund der Kirche, die beständig im Namen des ganzen Menschengeschlechtes im Gebet verharrt mit Christus, der “allezeit lebt, um für uns einzutreten” (Hebr 7,25).

Als Lenker und Hirten des Volkes Gottes werden sie von der Liebe des Guten Hirten angetrieben, ihr Leben für ihre Schafe hinzugeben, auch zum höchsten und letzten Opfer bereit nach dem Beispiel jener Priester, die auch in unserer Zeit nicht gezögert haben, ihr Leben zu opfern. Als Erzieher im Glauben und selbst voll “Zuversicht, durch das Blut Christi in das Heiligtum einzugehen” (Hebr 10,19), treten sie vor Gott hin “mit aufrichtigem Herzen in der Überzeugung des Glaubens” (Hebr 10,22). Vor ihren Gläubigen geben sie ein Zeichen unerschütterlichen Hoffnung, damit sie die, die in irgendwelcher Bedrängnis leben, trösten können durch die Ermutigung, mit der auch sie von Gott ermutigt werden. Als Leiter der Gemeinschaft pflegen sie eine Aszese, wie sie einem Seelenhirten entspricht: sie verzichten auf eigene Vorteile und suchen nicht ihren Nutzen, sondern den der vielen, damit sie das Heil erlangen; sie gehen den Weg der immer vollkommeneren Erfüllung ihres seelsorglichen Auftrags, bereit, wenn nötig, auch neue Wege der Seelsorge zu gehen; werden sie doch geführt vom Geist der Liebe, der weht, wo er will .

Sanctitatem propria ratione consequentur Presbyteri munera sua sincere et indefesse in Spiritu Christi exercentes.

Verbi Dei ministri cum sint, cotidie legunt et audiunt Dei verbum quod alios docere debent; quod si simul in seipsos recipere satagant, perfectiores in dies fient Domini discipuli, iuxta verba Pauli Apostoli ad Timotheum: «Haec meditare, in his esto: ut profectus tuus manifestus sit omnibus. Attende tibi et doctrinae: insta in illis. Hoc enim faciens et teipsum salvum facies et eos, qui te audiunt» ( I Tim. 4,15-16). Quaerentes enim quomodo aptius contemplata aliis tradere possint, profundius sapient «investigabiles divitias Christi» (Eph. 3,8) et multiformem sapientiam Dei. Prae oculis habentes Dominum esse qui corda aperit et sublimitatem non ex ipsis sed e Dei virtute provenire, in ipso actu verbi tradendi intimius cum Christo Magistro coniungentur Eiusque Spiritu ducentur. Ita communicantes cum Christo, Dei participant caritatem, cuius mysterium, a saeculis absconditum, in Christo revelatum est.

Ut Sacrorum ministri, praesertim in Sacrificio Missae, Presbyteri personam specialiter gerunt Christi, qui seipsum ad sanctificandos homines victimam dedit; ideoque invitantur ut quod tractant imitentur, quatenus mortis Dominicae mysterium celebrantes, membra sua a vitiis et concupiscentiis mortificare procurent. In mysterio Sacrificii Eucharistici, in quo munus suum praecipuum sacerdotes adimplent, opus nostrae redemptionis continuo exercetur, et ideo enixe commendatur eius celebratio cotidiana, quae quidem etiam si praesentia fidelium haberi non possit, actus est Christi et Ecclesiae. Ita, dum Presbyteri cum actu Christi Sacerdotis se coniungunt, cotidie se totos Deo offerunt, et, dum Corpore Christi nutriuntur, ex corde participant Eius caritatem qui se in cibum dat fidelibus. Similiter in Sacramentis administrandis cum intentione et caritate Christi uniuntur; quod speciali ratione efficiunt, cum Sacramenti Poenitentiae fungendo muneri omnino semperque paratos se ostendant quotiescumque id a fidelibus rationabiliter petitur. In Officio Divino recitando, vocem praebent Ecclesiae, quae in oratione, nomine totius generis humani, perseverat, una cum Christo, qui est «semper vivens ad interpellandum pro nobis» (Hebr. 7,25).

Populum Dei regentes et pascentes, caritate Boni Pastoris incitantur ut animam suam dent pro ovibus suis, parati quoque ad supremum sacrificium, exemplum sequentes sacerdotum qui etiam hodiernis temporibus vitam suam ponere non renuerunt; educatores in fide cum sint, et ipsi habentes «fiduciam in introitu sanctorum in sanguine Christi» (Hebr. 10,19) ad Deum accedunt «cum vero corde in plenitudine fidei» (Hebr. 10,22); spem erigunt firmam pro fidelibus suis, ut possint consolari eos qui in omni pressura sunt, per exhortationem qua et ipsos Deus exhortatur; communitatis rectores ascesim pastoris animarum propriam colunt, propriis commodis renuntiantes, non quod sibi utile est quaerentes sed quod multis, ut salvi fiant, semper ulterius progredientes ad opus pastorale perfectius complendum et, ubi opus sit, ad  novas vias pastorales ingrediendas parati, sub ductu Spiritus amoris, qui ubi vult spirat.

Foto: Papst Paul VI., Vaticanum II – Bildquelle: Lothar Wolleh / Wikipedia