Vatikanum II: Die Kirche Christi und die Katholische Kirche sind ein und dasselbe

Durch Spaltungen und Trennungen sind aber katholische Elemente auĂźerhalb des sichtbaren GefĂĽges der Katholischen Kirche geraten.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 25. April 2015 um 11:44 Uhr
Petersdom

Von Gero P. Weishaupt:

Die Rede von den kirchlichen Elementen, die es auch in den nichtkatholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaft gibt, wie das Ökumenismusdrekret des Zweiten Vatikanischen Konzils Unitatis redintegratio in Anlehnung an die Kirchenkonstitution Lumen gentium erklärt, hängt aufs engste zusammen mit der Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass die einzige Kirche Christi in der Katholischen Kirche „subsistiert“ (besteht/exisitiert, vgl. das subsistit in Lumen gentium, Art. 8).

Das lateinische Verb subsistere (im Deutschen zumeist mit „bestehen“, „existieren“ ĂĽbersetzt) wird im Konzilstexte nicht näher erklärt. Das hat in der Nachkonzilszeit zu verschiedenen, auch irrtĂĽmlichen Interpretationen gefĂĽhrt, so dass sich das authentische päpstliche Lehramt veranlasst sah, den Text authentisch zu interpretieren. Zuletzt in einem Kommentar der Glaubenskongregation „zu den Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezĂĽglich der Lehre ĂĽber die Kirche“ vom 10. Juli 2007. Das Konzil wollte kein dogmatisches Konzil sein, sondern ausweislich pastoral orientiert sein. Das spiegelt sich auch in Stil und Formulierungen der Texte wieder. Viele davon sind sogar Kompromisstexte (siehe hierzu meinen Beitrag auf meiner Homepage). Darum kann es zu Fehlinterpretationen kommen. Im Zweifelsfalle gilt es immer, die Konzilsaussagen im Licht der Tradition zu deuten (vgl. die Ansprache von Papst Benedikt XVI. an die Römische Kurie vom 22. Dezember 2005).

Authentische Interpretation des „subsisit“ in Lumen gentium Nr. 8

In dem Kommentar heißt es: „In der Nummer 8 der dogmatischen Konstitution Lumen gentium meint Subsistenz jene immerwährende historische Kontinuität und Fortdauer aller von Christus in der katholischen Kirche eingesetzten Elemente, in der die Kirche Christi konkret in dieser Welt anzutreffen ist“ (Kommentar, 2).

Kontinuität in der Lehre: Identität der Kirche Christi mit der Katholischen Kirche

Mit der Lehre von der Susistenz der wahren Kirche Christi in der Katholischen Kirche werde, so die Glaubenskongregation weiter, die Lehre der Kirche bezüglich der vollen Identität der Kirche Christi mit der katholischen Kirche nicht geändert (Kommentar, 3: Usus vocabuli retinentis plenam identitatem Ecclesiae Christi et Eccleisae Catholicae doctrinam de Eccleisa non immutat). Die Konzilsväter lehren nach dieser authentischen Interpretation in Treue zur Tradition die volle Identität der Kirche Christi mit der Katholischen Kirche. Andere Erklärungen und Deutungen sind daher falsch.

Reform in Kontinuität: Anerkennung katholischer, d.h. wahrer und heiligender Elemente, auch in nichtkatholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften

Wenngleich also die Kirche Christi und die Katholische Kirche ein und dasselbe sind, das Konzil mithin die volle Identität beider lehrt, haben die Konzilsväter sich dennoch im Hinblick auf jene Elemente der Kirche, d. h. Elemente der Heiligung und der Wahrheit, die es auch in den nichtkatholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften gibt, fĂĽr das nicht exklusive subsisit in Eccleisa Catholica (die Kirche Christi besteht in der Katholischen Kirche) entschieden. Damit erkennt die Katholische Kirche, dass Elemente, die, insofern sie Elemente der Heiligung und der Wahrheit sind, zu ihr gehören, durch die Trennungen nun auch bei den anderen nichtkatholischen Christen zu finden sind. Daraus folgt, dass auch diese Gemeinschaften, die nicht katholisch sind, dennoch kirchlichen Charakter haben. Sie sind „(d)aher …, auch wenn sie, wie wir glauben, mit … Mängeln behaftet sind, keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heils. Denn der Geist Christi weigert sich nicht, sie als Mittel des Heils zu gebrauchen, deren Kraft sich von der FĂĽlle der Gnade und Wahrheit herleitet, die der katholischen Kirche anvertraut ist“ (Kommentar, 3). Deutlich aber muss sein, dass nur in ihrem Zusammenhang mit der Katholischen Kirche, in der die Kirche Christi vollständig besteht, die nichtkatholischen Gemeinschaften bzw. deren Elemente wirklich kirchlichen Charakter haben. Die nichtkatholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften haben teil am Sein der wahren Kirche Christi, die nur in der Katholischen Kirche in ihrer Vollständigkeit subsistiert und die mit der Kirche Christi identisch ist.

Zusammenfassend heiĂźt es in dem Kommentar der Glaubenskongregation: „Nach katholischer Lehre kann man mit Recht sagen, dass in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, kraft der in ihnen vorhandenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit die Kirche Christi gegenwärtig und wirksam ist. Das Wort „subsistiert“ wird hingegen nur der katholischen Kirche allein zugeschrieben, denn es bezieht sich auf das Merkmal der Einheit, das wir in den Glaubensbekenntnissen bekennen (Ich glaube … die „eine“ Kirche); und diese „eine“ Kirche subsistiert in der katholischen Kirche.

Lesen Sie auch meine einleitenden Bemerkungen zum Lumen gentium Art. 8.

Eine Ăśbersicht der bisher von mir eingeleiteten und vorgestellten Konzilstexte finden Sie auf meiner Homepage.

Foto: Petesdom in Rom – Bildquelle: Wolfgang Stuck

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu. Datenschutzerklärung