„Pfarrer-Initiativen“ treffen sich in Bregenz

Vatikan kritisiert Aufruf zum Ungehorsam als Widerspruch zum Dienst eines Priesters.
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 8. Oktober 2013 um 11:59 Uhr
Foto: Bregenz

St. Gallen/Bregenz (kathnews/KNA). Zum zweiten internationalen Vernetzungstreffen der sogenannten Pfarrer-Initiativen kommen ab Donnerstag im österreichischen Bregenz rund 30 Repräsentanten aus sechs Ländern zusammen. Neben Delegierten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz würden auch Vertreter aus den USA, Irland und Australien erwartet, sagte Georg Schmucki von der Schweizer Pfarrei-Initiative der Presseagentur kipa. Das dreitägige Treffen diene der grenzüberschreitenden Vernetzung und solle Kooperationsmöglichkeiten ausloten. Das erste Treffen fand Ende Januar in München statt. Damals stand noch Papst Benedikt XVI. der katholischen Kirche vor. Sein Nachfolger Franziskus habe in programmatischen Reden und
Interviews neue Zeichen gesetzt, so Schmucki. Diese wolle das Bregenzer Treffen aufnehmen und die Pfarrer- und Pfarrei-Initiativen neu gewichten und ausrichten.

Der neue Papst gehe auf die Menschen zu, erläuterte Schmucki. Als Beispiel nannte er die geschiedenen Wiederverheirateten oder Homosexuelle. Dabei nehme Franziskus Themen auf, die auch die Pfarrei- und Pfarrer-Initiativen in verschiedenen Ländern aufgeworfen hätten. Unter dem neuen Papst habe sich der „Blickwinkel“ der Kirche auf arme, randständige und marginalisierte Menschen geändert. In Bregenz soll den Angaben zufolge auch die Gemeindetheologie ein wichtiges Thema sein: Was bedeutet in immer größer werdenden Seelsorgeräumen „überschaubare Gemeinde“? Welche alternativen Leitungsmodelle für solche Gemeinden sind bekannt oder müssten entwickelt werden? Im August hatten sich Priester und Diakone aus acht deutschen Bistümern zur „Pfarrer-Initiative Deutschland“ zusammengeschlossen. Zum Hintergrund des neuen Zusammenschlusses zählt die österreichische „Pfarrer-Initiative“, die nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 500 Unterstützer hat.

Im Juni 2011 rief eine Gruppe von österreichischen Klerikern um den früheren Wiener Generalvikar Helmut Schüller zum „Ungehorsam“ gegen Rom auf. Sie fordern die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe und die Aufhebung des Pflichtzölibats. Weiter setzt sich die Initiative für die Kommunionspendung an wiederverheiratete Geschiedene, Mitglieder anderer Kirchen und Ausgetretene sowie für kirchliche Leitungsämter von Laien ein. Von Bischöfen und im Vatikan wird vor allem der Aufruf zum Ungehorsam als offener Widerspruch zum Dienst eines Priesters kritisiert. Beim Katholikentag 2014 in Regensburg will die deutsche Pfarrer-Initiative mit einem eigenen Stand vertreten sein.

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Foto: Bregenz – Bildquelle: Friedrich Böhringer / Wikipedia