Papst besucht Strafgefangene

Schlechter Zustand der Gefängnisse erschwert Haft zusätzlich.
Erstellt von Radio Vatikan am 18. Dezember 2011 um 13:37 Uhr
Papst Benedikt XVI.

Rom (kathnews/RV). Benedikt XVI. hat am Sonntagmorgen Strafgefangene im römischen Gefängnis Rebibbia besucht. Bei der Begegnung forderte der Papst verstärkte Anstrengungen für ein gerechtes Justizwesen und erinnerte an den Zusammenhang von göttlicher und menschlicher Gerechtigkeit. Anschließend konnten einige Gefangene Fragen an den Papst stellen. In seinen frei formulierten Antworten ermutigte Benedikt XVI. immer wieder zu neuer Hoffnung. An dem von großer Herzlichkeit geprägten Treffen nahmen auch die italienische Justizministerin teil sowie Vertreter der Gefängnisseelsorge.

Wörtlich zitierte Benedikt XVI. in seiner Rede einen Passus des Nachapostolischen Schreibens Africae Munus: „Es ist dringlich, unabhängige Justiz- und Gefängnissysteme einzurichten, um das Recht wiederherzustellen und die Schuldigen neu zu erziehen. Auch müssen die Fälle von Justizirrtümern und die Misshandlungen von Gefangenen, die zahlreichen Vorfälle von Nichtbeachtung des Gesetzes, die einer Menschenrechtsverletzung entsprechen und die Einkerkerungen, die erst spät oder nie in einen Prozess münden, ausgeschlossen werden. Die Kirche … erkennt ihre prophetische Mission gegenüber all denen, die von der Kriminalität betroffen sind, und ihr Bedürfnis nach Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden. Die Gefangenen sind menschliche Personen, die trotz ihres Vergehens verdienen, respektvoll und würdig behandelt zu werden. Sie bedürfen unserer Fürsorge.“ (Africae Munus 83)

Der Papst wisse, dass die Überbelegung und der schlechte Zustand der Gefängnisse die Haft oft noch bitterer machten: „Ich habe einige Briefe von Häftlingen erhalten, die das unterstreichen. Es ist wichtig, dass die Institutionen aufmerksam die Situation des Justizvollzugs untersuchen, ihre Strukturen, Mittel und das Personal überprüfen, damit die Gefangenen niemals genötigt sind, eine „doppelte Strafe“ abzuleisten. Es ist notwendig, den Strafvollzug weiterzuentwickeln, wenn auch unter Beachtung der Gerechtigkeit, damit er immer besser den Bedürfnissen der menschlichen Person entspricht, indem man auch auf den Offenen Vollzug setzt oder andere Strafformen.“

Derzeit wird in Italien wegen der Überfüllung der Gefängnisse und der Finanzkrise über eine Ausweitung des Offenen Strafvollzugs diskutiert. In seiner vor allem geistlich geprägten Ansprache, unterstrich Benedikt den Zusammenhang von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, die von den Menschen zumeist als etwas Unterschiedliches betrachtet würden.

„Gerechtigkeit ist für uns das, was dem anderen geschuldet ist, während barmherzig das ist, was aus Güte gegeben wird. Scheinbar schließt das eine das andere aus. Aber für Gott ist es nicht so: In Ihm fallen Gerechtigkeit und Liebe zusammen, es gibt keine gerechte Handlung, die nicht auch ein Akt der Barmherzigkeit und der Vergebung wäre, und zugleich gibt es keine Handlung aus Barmherzigkeit, die nicht vollkommen gerecht wäre. Wie weit entfernt ist die Logik Gottes von der unseren! Und wie anders ist seine Weise zu handeln! … Unsere Gerechtigkeit wird umso vollkommener sein, je mehr sie beseelt ist von der Liebe zu Gott und zu den Menschen.“