Papa resignatus

Gedanken zu Kontinuit├Ąt und Diskontinuit├Ąt mit Benedikt XVI. von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 15. Februar 2013 um 14:55 Uhr
Petersdom

Benedikts Amtsverzicht schreibt Geschichte. Er ist kein Pr├Ązedenzfall, und doch wird er in der ÔÇô medialen ÔÇô Resonanz zu einem Wendepunkt in der Papstgeschichte stilisiert. Man erwartet oder w├╝nscht sogar, in Zukunft werde oder solle das Pontifikat des Nachfolgers Petri im Normalfall nicht durch Tod, sondern durch freiwilligen Amtsverzicht aus Alters- und Gesundheitsgr├╝nden beendet werden. Die Relativierung, die der Petrusdienst auf diese Weise erfahren w├╝rde, ist offenkundig. Und auch, wenn in der Geschichte des Papsttums verschiedene M├Âglichkeiten und Anlagen vorhanden gewesen sein m├Âgen, das Amt des Bischofs von Rom und seine Aus├╝bung auszugestalten, so markieren die Dogmen des Ersten Vaticanums dennoch irreversible Richtungsvorgaben f├╝r die weitere Entwicklung dieses Amtes. Die Ank├╝ndigung des 11. Februar 2013 ist folglich weder grundst├╝rzend, noch ein Impuls von solcher Offenheit, dass er jetzt legitim zu einer tiefgreifenden Neugestaltung des Papstamtes und seiner Aus├╝bung f├╝hren k├Ânnte: Die gegenw├Ąrtige Rechtsgestalt des Petrusamtes ist in ihrer Substanz dogmatisch gebunden. Dies grunds├Ątzlich vorausgeschickt, k├Ânnen unsere ├ťberlegungen zum konkreten Fall, zum Pontifikat Benedikts XVI., ├╝bergehen.

Schl├╝sselwort: Kontinuit├Ąt

Wenn wir ein Wort suchen, das geeignet ist, Benedikts Pontifikat programmatisch zu ├╝berschreiben, ist es sicherlich das Anliegen der Kontinuit├Ąt, vor allem in der Deutung des Zweiten Vatikanischen Konzils, dessen Er├Âffnung vor f├╝nfzig Jahren die Kirche gerade begeht. Gerade, weil der Amtsverzicht mitten in dieses Jubil├Ąum hereinbricht, entsteht indes der unleugbare, massive Eindruck eines Pontifikates, das nicht beendet, sondern abgebrochen wird. Mitten im Jahr des Glaubens, als welches das Konzilsjubil├Ąum nach dem Willen Benedikts XVI. gestaltet werden sollte, hat man irgendwie auch den Eindruck eines abgebrochenen Jubil├Ąums, j├Ąh abgebrochener Feierstimmung. Die Enzyklika zum Glauben wird nicht mehr erscheinen, die Trias Deus Caritas est, Spe salvi bleibt wegen der fehlenden Enzyklika zur theologischen Tugend des Glaubens St├╝ckwerk. Ist der tiefste Grund f├╝r den Amtsverzicht eine Resignation im doppelten Wortsinne, eine Resignation dar├╝ber, dass die Hermeneutik der Kontinuit├Ąt nur unverbindlich und selektiv Auf- und Annahme in der Kirche gefunden hat?

Das Pontifikat der Medien

In einer letzten, gro├čen, ├Âffentlichen Begegnung mit dem Klerus von Rom hat Benedikt XVI. das Konzilsjubil├Ąum thematisiert und ├Ąhnlich wie zuvor die Hermeneutik der Diskontinuit├Ąt einer Hermeneutik der Reform, das Konzil der Medien einem Konzil der V├Ąter, dem echten, wahren Konzil, gegen├╝bergestellt. Es dr├Ąngt sich mir auf, diese Analogie fortzusetzen und mit Blick auf Benedikt XVI. von einem Pontifikat der Medien und von einem Pontifikat des Theologen zu sprechen. Die Wucht der ├Âffentlichen Wirksamkeit liegt beim Pontifikat der Medien, und wenn die Papstw├Ąhler unter diesem Eindruck stehen, ist es fraglich, ob sie ein Folgepontifikat w├╝nschen k├Ânnen, das mit Benedikt XVI. in Kontinuit├Ąt steht. Denn dieses Pontifikat der Medien ist oftmals doch ein Pontifikat der diplomatischen Missgeschicke gewesen, der Fettn├Ąpfchen und Skandale, nicht nur des Missbrauchsskandals und, wenn eine Einigung mit der Piusbruderschaft nicht doch noch erreicht werden kann, auch ein Pontifikat des Misserfolgs in einer Frage, die f├╝r Benedikt eine hohe Priorit├Ąt besessen hat und damit ein Pontifikat des Scheiterns, um nicht zu sagen: ein gescheitertes Pontifikat.

Eine Fortsetzung solcher Ersch├╝tterungen und ├ťberschattungen kann sich niemand w├╝nschen, denn der Felsen Petri soll festes Fundament sein und nicht zum explosiven Vulkan mutieren. So ist nun zu hoffen, dass die Kardin├Ąle tiefer blicken und das Pontifikat des Theologen erkennen, der am Konzil teilgenommen hat und Zeuge f├╝r das authentische Konzil ist, wie es kein anderer, k├╝nftiger Papst in gleicher Weise mehr sein kann. Dieses Pontifikat des Theologen war subtil und leise, und bald wird es ÔÇô wie Benedikt XVI. selbst ÔÇô verborgen sein. Diejenigen, die demn├Ąchst den neuen Papst w├Ąhlen, lassen sich hoffentlich nicht vom Pontifikat der Medien blenden, sondern w├Ąhlen einen Mann, der dem Zeugen Benedikt traut, einen neuen Papst, der den Wert der Kontinuit├Ąt und der Hermeneutik der Kontinuit├Ąt theologisch und historisch einsch├Ątzen kann und der in der Lage ist, diesem subtilen, aber echten Ansatz in einer kraftvollen Aus├╝bung des Petrusdienstes Verbindlichkeit und Leuchtkraft zu verschaffen. Denn nur so w├╝rde das wahre Konzil endlich und langfristig umgesetzt, w├Ąhrend das Konzil der Medien besser gestern als heute im Vergessen der Geschichte versinkt gleich einem gekenterten Schiff, das nicht das Schifflein Petri ist.

Foto: Petersdom – Bildquelle: M. B├╝rger, kathnews

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