Oberbürgermeister von Aachen mit „Kulturpreis Karl IV.“ ausgezeichnet

Bemühungen um Beziehungen zwischen Prag und Aachen gewürdigt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 29. September 2014 um 13:06 Uhr
Kaiserthron im Aachener Dom

Prag (kathnews). Der Oberbürgermeister der Kaiserstadt Aachen, Marcel Philipp (CDU) wurde am Sonntag in Prag mit dem „Kulturpreis Karl IV.“ ausgezeichnet. Philipp war mit einer Delegation von Rat und Stadt Aachen sowie vielen Freunden in die tschechische Hauptstadt gereist. Der Oberbürgermeister der Stadt Karls des Großen habe bisher alle Preisträger des Kulturpreises Karl IV. als oberster Repräsentant der Stadt Aachen empfangen, erklärte Prof. Harald Müller, der Sprecher der Jury für die Preisverleihung. Es sei zu spüren, dass es ihm dabei ein besonderes Anliegen gewesen sei, die historisch bedeutenden Beziehungen zwischen den beiden Krönungsstädten Aachen und Prag in Erinnerung zu rufen, zu beleben und gleichzeitig nachhaltig für einen Austausch zwischen beiden Städten zu werben.

Kulturpreis Karl IV.

Der 1998 gegründete Kulturverein Aachen-Prag bemüht sich um die Vertiefung der Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien. Dies geschieht vor der gemeinsamen Geschichte der Städte Aachen und Prag, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Aachen und Prag sind herausragende Krönungsstätten Europas. Seit 2010 verleiht der Verein den nach Karl IV. benannten Kulturpreis. Er ist ein Ehrenpreis und wird für außergewöhnliche Leistungen vergeben. Insbesondere in den Bereichen Intensivierung der Kontakte zwischen den Städten Aachen und Prag und ihren Bürgern, Verständigung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik sowie Förderung von Kultur, Kunst und Wissenschaft beider Länder.

Aachens Oberbügermeister empfing die Auszeichung in der Prager Kirche St. Maria Himmelfahrt und Kaiser Karl der Große. Die Kirche wurde nach dem Vorbild der Residenz- und Grabeskapelle Karls des Großen in Aachen in Form eines Oktogons gebaut.

Otto III. und der heilige Adalbert

Die Beziehung der Stadt Karls des Großen mit Prag reichen ins Mittelalter. Otto III. brachte im 10. Jahrhundert die beiden bedeutenden Städte einander näher, als er kostbare Reliquien des aus Prag stammenden heiligen Märtyrers Adalbert nach Aachen überführen ließ. Aus diesem Grunde stifte der am ersten Weihnachtstag des Jahres 983 in Aachen Gekrönte die Aachener Kirche St. Adalbert, eine der ältesten Kirchen der Kaiserstadt. Gleichzeitig gründete er aufgrund weiterer Reliquien des Märtyrers auch auf der Tiberinsel in Rom eine Adalbertskirche. Die Kirche St. Adalbert in Aachen ist als Parallele zu der römischen Gründung anzusehen. Die Überführung bedeutender Reliquien nach Aachen gehörte in das Konzept Kaiser Ottos III., Aachen zum zweite Rom zu machen.

Karl IV. und die „Goldene Bulle“

Wie Otto III. war auch Karl IV. ein großer Verehrer Karls des Großen, den er sich zum Vorbild nahm. Karl IV. wurde 1347 in Prag zum König von Böhmen gekrönt. Nach seiner erneuten Königswahl in Frankfurt am Main wurde er zwei Jahre später in der ehemaligen Pfalzkapelle Karls des Große, dem Aachener Dom, zum römisch-deutschen König gekrönt. In der “Goldenen Bulle”, die als eine Art „Grundgesetz” u.a. das Verfahren der Königswahl festlegte, bestimmte er Aachen auch gesetzlich – vorher war es nur gewohnheitsrechtlich geregelt – als Krönungsort der Könige des Heiligen Römischen Reiches. In Aachen erinnert vor allem die Krone auf der berühmten Karlsbüste (Karlsreliquiar mit dem Schädel Karls des Großen) in der Aachener Domschatzkammer, an Karl IV, die er der Krönungskirche geschenkt hat. Unter Karl IV. erhielt die Aachener Heiligtumsfahrt ihre für Jahrhunderte im Wesentlichen gleichbleibende Gestalt. Karl IV. hat auch zur Idee und Ausführung der gotischen Chorhalle des Aachener Domes, die dieses Jahr ihr 600jähriges Bestehen feiert, erheblich beigetragen.

Foto: Thron im Aachener Dom – Bildquelle: German Wikipedia user Holger Weinandt