Norwegen: Staatskirche wird abgeschafft

Parlament stimmt ĂŒber VerfassungsĂ€nderung ab.
Erstellt von Radio Vatikan am 18. Mai 2012 um 16:34 Uhr
Oslo

Oslo (kathnews/RV). In Norwegen geht die jahrhundertealte Tradition der evangelisch-lutherischen Staatskirche zu Ende. Am Montag will das Parlament ĂŒber eine VerfassungsĂ€nderung abstimmen, die Voraussetzung fĂŒr ein neues Kirchengesetz ist. Dabei wird mit einer breiten Zustimmung gerechnet. Bereits vergangenen Dienstag hatte der zustĂ€ndige parlamentarische Ausschuss fĂŒr Kirche, Ausbildung und Forschung den Gesetzentwurf einstimmig gutgeheißen. Die neuen Regelungen sehen unter anderem vor, dass anstelle des Staates kĂŒnftig die norwegische Kirche Bischöfe und Pröpste ernennen kann. Der Staat ist nicht mehr „konfessionsgebunden“; der Status des lutherischen Bekenntnisses als „öffentliche Religion“ wird abgeschafft. Auch die Kirchensteuer in ihrer heutigen Form wird abgeschafft. Minister mĂŒssen nicht mehr Kirchenmitglieder sein.

Kirchenvertreter befĂŒrworten die Entwicklung

Die norwegische Kirche befĂŒrwortet die Entwicklung. Trude Evenshaug, Sprecherin des Kirchenrats, erklĂ€rte, man habe lange auf dieses Ziel hingearbeitet. „Wir wollten diese Änderungen, denn wir leben in einer vielfĂ€ltigen Gesellschaft, und viele Einwohner dieses Landes sind keine Kirchenmitglieder. Das neue Gesetz ist ein Zeichen fĂŒr die Gleichberechtigung aller Glaubensgemeinschaften“, sagte sie im norwegischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen. FĂŒr die Menschen selbst seien dadurch keine großen VerĂ€nderungen zu erwarten, und auch an der Feiertagsregelung Ă€ndere sich nichts. Laut dem Leiter des Kirchenrats, Jens-Petter Johnsen, ermöglicht es die kĂŒnftige Rechtslage der Kirche, sich eigenstĂ€ndig zu entwickeln. „Das ist das Beste sowohl fĂŒr den Staat als auch fĂŒr die Kirche und die Bevölkerung“, sagte Johnsen.

Der Staat könne sich international mit mehr GlaubwĂŒrdigkeit fĂŒr Menschenrechte einsetzen, und die Kirche erhalte mehr Raum fĂŒr ihre eigenen ZĂŒge. In einer gemeinsamen Mitteilung des parlamentarischen Ausschusses und der Kirche hieß es, was man bislang als „Staatskirche“ gekannt habe, werde zu einer offeneren und demokratischeren Volkskirche. Svein Harberg, Vorsitzender des Ausschusses, sprach von einem „historischen“ Schritt. „Die norwegische Kirche wird damit eine Glaubensgemeinschaft wie andere auch“, sagte er. Das neue Gesetz unterstreicht, die Wertegrundlage Norwegens ruhe auf dem christlichen und humanistischen Erbe. Die religiöse TĂ€tigkeit der Kirche sei zwar nicht lĂ€nger Sache des Staates, doch habe dieser die Aufgabe, die Kirche als Glaubensgemeinschaft zu unterstĂŒtzen.

Foto: Oslo – Bildquelle: Kathnews

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