Marias gänzliche Verfügbarkeit für Gott

Mystagogische Einführung und Homilie zum 4. Adventssonntag (ordentliche  Form des Römischen Ritus).
Erstellt von kathnews-Redaktion am 23. Dezember 2017 um 10:46 Uhr
Hl. Gottesmutter Maria

Aufgabe einer mystagogischen Einführung ist es, die Gläubigen in wenigen Worten in das Geheimnis der liturgischen Feier einzuführen. Ausgangspunkt sind die Gebete des Sonn- und Festtages.

In der Homilie „sind das Kirchenjahr hindurch aus dem heiligen Text die Glaubensgeheimnisse und die Normen für das christliche Leben darzulegen“ (can. 767 § 1 CIC/1983). Zum heiligen Text innerhalb der Liturgie gehören vor allem die Schriften der Heiligen Schrift. Darüber hinaus auch die Gebete der Liturgie.

Mystagogische Einführung (Gero P. Weishaupt)

An diesem letzten Adventssonntag vor Weihnachten betet die Kirche mit dem Mund des Propheten Jesaja noch einmal um die Ankunft des Messias: „Tauet, ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten“ (Eröffnungsvers). Der Glaube Marias hat es möglich gemacht, dass Gottes ewiges Wort durch die Kraft des Heiligen Geistes Mensch wurde. In Maria tut sich die Erde auf und „spross(t) den Heiland hervor“ (Eröffnungsvers).

Maria hörte demütig Gottes Wort, war im Glauben gehorsam und öffnete sich dem Willen Gottes. Öffnen auch wir unser Herz für den Erlöser, damit wir ihn in unser Leben hineintragen. Möge uns in dieser Feier „die Freude“ geschenkt werden, „uns für das Fest seiner Geburt zu bereiten, damit wir ihn wachend und betend erwarten“ (2. Adventspräfation)

Homilie (Josef Spindelböck)         

L1: 2 Sam 7,1-5.8b-12.14a.16; L2: Röm 16,25-27; Ev: Lk 1,26-38

Ganz nahe ist nun schon der Herr! Wir feiern in diesem Jahr 2017 am „Heiligen Abend“ zugleich den 4. Adventsonntag. Im Evangelium wird der Glaube Marias hervorgehoben; ihr gläubiges Ja-Wort hat der Fleischwerdung des ewigen Wortes Gottes den Weg bereitet.

Die Darstellung des heiligen Evangelisten Lukas von der Verkündigung des Herrn an die Jungfrau Maria führt uns im Geiste neun Monate zurück von der Geburt Jesu in Bethlehem. Denn genau so lange dauert es für gewöhnlich, dass sich das Kind nach seiner Empfängnis im Mutterleib entwickelt und es heranwächst, bis es dann in der Geburt das Licht der Welt erblickt.

Maria war zuerst voller Furcht, als sie der Engel Gabriel begrüßte und als „Gnadenvolle“ anredete. In ihrer Demut und Bescheidenheit war sie auf das Geheimnis Gottes menschlich gesehen nicht vorbereitet. Und doch hatte Gott selbst sie darauf vorbereitet durch das verborgene Wirken seiner Gnade in ihr! Nachdem Maria die Worte des Engels sorgsam bedacht und auf ihre Frage, wie denn das geschehen solle, da sie keinen Mann erkenne, eine Antwort erhalten hatte, konnte sie mit innerer Bereitschaft sagen: „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ (Lk 1,38)

Auf dieses Wort der Hingabe und Bereitschaft hin ereignete sich das Wunder der Menschwerdung Gottes. Das ewige Wort Gottes – also der Sohn Gottes – nahm im Schoß der Jungfrau Fleisch an; er wurde einer von uns und hat auf diese Weise seine Gottheit mit unserer Menschheit vermählt. Gott selbst hat Ja gesagt zu uns Menschen in einem ewigen und unwiderruflichen Bund der Liebe!

Die Verheißung, welche Gott dem König David gemacht hat (1. Lesung), erfüllt sich in Jesus, dem Sohn der Jungfrau Maria: Denn Jesus ist der vorhergesagte Nachkomme Davids, der ewig herrschen wird als König der Gerechtigkeit und des Friedens. Sein Reich hat kein Ende. Es gründet sich nicht auf Macht und Gewalt, sondern auf Liebe.

Wie groß und stark ist der Glaube Marias! Sie konnte nicht im Voraus wissen, wie sich alles erfüllen würde. Doch sie hat auf Gott gebaut und ihm vollkommen vertraut. Obwohl sie mit Josef von Nazareth verlobt war, konnte sie sich nicht vorstellen, wie sich die Empfängnis und Geburt eines Kindes aus ihr verwirklichen würde. Die Kirchenväter sagen, Maria hat auf Anregung des Heiligen Geistes zumindest einen ernsten Vorsatz, vielleicht sogar ein Gelübde abgelegt, in ihrer Ehe mit Josef jungfräulich zu bleiben. Josef war in diesen Entschluss mit einbezogen und hat ihn respektiert. Menschlich gesehen war einem solchen Ehepaar die Nachkommenschaft versagt. Und doch war es gemäß dem Plan Gottes vorgesehen, dass der Erlöser der Welt, Jesus Christus, der leibliche Sohn Marias und der rechtliche, aber nicht leibliche Sohn Josefs sein sollte. Gott hat Maria und Josef aufs innigste in das Geheimnis der Menschwerdung mit einbezogen. Auf diese Weise hat sich der von Ewigkeit her in Gott verborgene Heilsplan in der Fülle der Zeit verwirklich (2. Lesung).

Auch wir sind durch all das, was uns die Heilige Schrift mitteilt, zu Zeugen der Liebe Gottes geworden. Was vor 2000 Jahren geschehen ist, betrifft auch uns ganz persönlich: Gott ist Mensch geworden im Schoß der Jungfrau; er wurde im Stall von Bethlehem geboren als kleines Kind. Und all dies ist geschehen um unseres Heiles willen!

Bitten wir die heilige Jungfrau Maria und den heiligen Josef um ihre Fürbitte bei Gott, damit auch wir das Wort Gottes gläubigen Herzens aufnehmen. Dieses Wort soll in unserem Leben gleichsam Fleisch werden und Frucht bringen in einem lebendigen Glauben und in Werken der Liebe.

So möge uns die Hoffnung auf Vollendung hinführen zuerst zur Krippe von Bethlehem und am Ende unseres irdischen Lebens hinübergeleiten ins himmlische Jerusalem! Amen. (Quelle: www.stjosef.at)

Foto: Hl. Gottesmutter Maria – Bildquelle: Kathnews