Lumen gentium. Artikel 2

Die Kirche verdankt sich einzig dem freien Gnadenakt Gottes.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 31. Januar 2014 um 22:10 Uhr
Vaticanum II, Konzilseröffnung

Einführung von Gero P. Weishaupt: Gestützt auf die typologische Exegese des Alten Testamentes seitens der Kirchenväter zeigen die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils im 2. Artikel von Lumen gentium auf, dass die Kirche ihren Ursprung in Gott hat, in der Geschichte Adams („Ecclesia ab Adam“) und Israels „vorausbedeutet“ (praefigurata; die Konzilsväter zitieren Cyprian von Karthago, Hilarius von Poitiers, Augustinus) wird und durch Christus erst zur vollen Verwirklichung gelangte dank seines Paschamysteriums von Kreuz und Auferstehung. In der Sendung des Heiligen Geistes am Pfingstfest wurde die Kirche vollkommen offenbar. Doch gilt: „Ihre raum-zeitliche Entschränkung und volle Offenbarung erfolgt … erst am Ende der Zeiten“ (A. Grillmeier). Die Kirche ist nicht eine Stiftung von Menschen, sondern verdankt sich einzig dem Gnadenakt Gottes, der wollte, dass die Menschen nicht ohne die Kirche zur „Teilhabe am göttlichen Leben“ erhoben würden (homines ad participandam vitam divinam elevare decrevit).

Lumen gentium. Artikel 2

Der ewige Vater hat die ganze Welt nach dem völlig freien, verborgenen Ratschluß seiner Weisheit und Güte erschaffen. Er hat auch beschlossen, die Menschen zur Teilhabe an dem göttlichen Leben zu erheben. Und als sie in Adam gefallen waren, verließ er sie nicht, sondern gewährte ihnen jederzeit Hilfen zum Heil um Christi, des Erlösers, willen, „der das Bild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Schöpfung“ (Kol 1,15). Alle Erwählten aber hat der Vater vor aller Zeit „vorhergekannt und vorherbestimmt, gleichförmig zu werden dem Bild seines Sohnes, auf daß dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“ (Röm 8,29). Die aber an Christus glauben, beschloß er in der heiligen Kirche zusammenzurufen. Sie war schon seit dem Anfang der Welt vorausbedeutet; in der Geschichte des Volkes Israel und im Alten Bund wurde sie auf wunderbare Weise vorbereitet, in den letzten Zeiten gestiftet, durch die Ausgießung des Heiligen Geistes offenbart, und am Ende der Weltzeiten wird sie in Herrlichkeit vollendet werden. Dann werden, wie bei den heiligen Vätern zu lesen ist, alle Gerechten von Adam an, „von dem gerechten Abel bis zum letzten Erwählten“, in der allumfassenden Kirche beim Vater versammelt werden.

Foto: Konzilsväter – Bildquelle: Peter Geymayer / Wikipedia