Lumen gentium. Artikel 11

Das Priestertum Christi vollzieht sich in den sieben Sakramenten der Kirche.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 12. April 2014 um 11:10 Uhr
Priesterweihe in Schwyz

EinfĂŒhrung von Gero P. Weishaupt: Die Kirche als Volk Gottes ist ein priesterliches Volk, das sich – so wurde gesagt – nach Artikel 10 von Lumen gentium in den beiden Formen der Teilhabe an dem einen Priestertum Christi ausdrĂŒckt: dem Taufpriestertum, d. h. dem allen gemeinsame Priestertum, und dem hierarchisch-ministeriellen Priestertum, d.h. dem  besonderen Priestertum der geweihten AmtstrĂ€ger. Beide Formen des einen Priestertums Christi sind aufeinander zugeordnet, wenngleich beide  zwei ganz (!) unterschiedliche Formen des einen Priestertums darstellen. Sie unterscheiden sich nĂ€mlich nicht nur graduell (gradu tantum), sondern auch wesentlich (essentia) voneinander (vgl. LG, 10, zweiter Absatz), wie die KonzilsvĂ€ter in Treue zum katholischen Glauben lehren und in Erinnerung rufen.

Da dieses eine Priestertum Christi, an dem das ganze Volk Gottes teilhat, sich in den sieben Sakramenten der Kirche vollzieht, stellen die KonzilsvĂ€ter die Sakramente in Artikel 11 nĂ€her dar. Die sieben Sakramente sind AusĂŒbung des priesterlichen Dienstes Christi, wodurch der Glaube ausgedrĂŒckt, Gott verehrt und die Menschen geheiligt werden. Zugleich sind die Sakramente Selbstvollzug der Kirche, die sie aufbauen. In ihnen entfaltet sich die Kirche.

Text: Lumen gentium, Artikel 11

Das heilige und organisch verfaßte Wesen dieser priesterlichen Gemeinschaft vollzieht sich sowohl durch die Sakramente wie durch ein tugendhaftes Leben.

Durch die Taufe der Kirche eingegliedert, werden die GlÀubigen durch das PrÀgemal zur christlichen Gottesverehrung bestellt, und, wiedergeboren zu Söhnen Gottes, sind sie gehalten, den von Gott durch die Kirche empfangenen Glauben vor den Menschen zu bekennen.

Durch das Sakrament der Firmung werden sie vollkommener der Kirche verbunden und mit einer besonderen Kraft des Heiligen Geistes ausgestattet. So sind sie in strengerer Weise verpflichtet, den Glauben als wahre Zeugen Christi in Wort und Tat zugleich zu verbreiten und zu verteidigen.

In der Teilnahme am eucharistischen Opfer, der Quelle und dem Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens, bringen sie das göttliche Opferlamm Gott dar und sich selbst mit ihm; so ĂŒbernehmen alle bei der liturgischen Handlung ihren je eigenen Teil, sowohl in der Darbringung wie in der heiligen Kommunion, nicht unterschiedslos, sondern jeder auf seine Art. Durch den Leib Christi in der heiligen Eucharistiefeier gestĂ€rkt, stellen sie sodann die Einheit des Volkes Gottes, die durch dieses hocherhabene Sakrament sinnvoll bezeichnet und wunderbar bewirkt wird, auf anschauliche Weise dar.

Die aber zum Sakrament der Buße hinzutreten, erhalten fĂŒr ihre Gott zugefĂŒgten Beleidigungen von seiner Barmherzigkeit Verzeihung und werden zugleich mit der Kirche versöhnt, die sie durch die SĂŒnde verwundet haben und die zu ihrer Bekehrung durch Liebe, Beispiel und Gebet mitwirkt.

Durch die heilige Krankensalbung und das Gebet der Priester empfiehlt die ganze Kirche die Kranken dem leidenden und verherrlichten Herrn, daß er sie aufrichte und rette (vgl. Jak 5,14-16), ja sie ermahnt sie, sich bewußt dem Leiden und dem Tode Christi zu vereinigen (vgl. Röm 8,17; Kol 1,24; 2 Tim2,11-12; 1 Petr 4,13) und so zum Wohle des Gottesvolkes beizutragen.

Wer sodann unter den GlÀubigen die heilige Weihe empfÀngt, wird im Namen Christi dazu bestellt, die Kirche durch das Wort und die Gnade Gottes zu weiden.

Die christlichen Gatten endlich bezeichnen das Geheimnis der Einheit und der fruchtbaren Liebe zwischen Christus und der Kirche und bekommen daran Anteil (vgl. Eph 5,32). Sie fördern sich kraft des Sakramentes der Ehe gegenseitig zur Heiligung durch das eheliche Leben sowie in der Annahme und Erziehung der Kinder und haben so in ihrem Lebensstand und in ihrer Ordnung ihre eigene Gabe im Gottesvolk (vgl. 1 Kor 7,7)21. Aus diesem Ehebund nĂ€mlich geht die Familie hervor, in der die neuen BĂŒrger der menschlichen Gesellschaft geboren werden, die durch die Gnade des Heiligen Geistes in der Taufe zu Söhnen Gottes gemacht werden, um dem Volke Gottes im Fluß der Zeiten Dauer zu verleihen. In solch einer Art Hauskirche sollen die Eltern durch Wort und Beispiel fĂŒr ihre Kinder die ersten Glaubensboten sein und die einem jeden eigene Berufung fördern, die geistliche aber mit besonderer Sorgfalt.

Mit so reichen Mitteln zum Heile ausgerĂŒstet, sind alle ChristglĂ€ubigen in allen VerhĂ€ltnissen und in jedem Stand je auf ihrem Wege vom Herrn berufen zu der Vollkommenheit in Heiligkeit, in der der Vater selbst vollkommen ist.

Foto: Priesterweihe in Schwyz – Bildquelle: Matthias Ulrich

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