Leugnet Marx die bezeugte Lehre von der Hölle?

Ein Kommentar von Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags.
Erstellt von Felizitas Küble am 19. November 2013 um 17:39 Uhr
Kardinal Reinhard Marx

Wie die amtliche Webseite des Münchner Erzbistums berichtet, hielt Kardinal Reinhard Marx am 9. November 2013 ein Glaubensgespräch mit Familien in der Grundschule von Erding. Das Foto dort zeigt ihn bei seinen Erläuterungen vor einem großen Kreis von rund 100 erwachsenen Zuhörern, Vätern und Müttern. Der Oberhirte von München und Freising sprach über die Auferstehung und das ewige Leben. Durch den Glauben an Christus sei „die Hoffnung berechtigt, dass der Tod uns ein Tor in etwas Unzerstörbares öffnet.“ Die Bistums-Homepage schreibt weiter: „Heute hätten wir ein „verkrampftes Verhältnis“ zum Tod und der Glaube an die Auferstehung sei schwach geworden, so der Kardinal, weil wir naturwissenschaftlich geprägt seien: „Wir müssen alles sehen, alles anfassen können, um es zu verstehen.“ Die Kirche müsse dem „starke Riten und Symbole“ entgegensetzen, wie etwa bei einem Requiem für einen Verstorbenen den Sarg in der Kirche aufzubahren.” Soweit wird man dem Kardinal gerne zustimmen.

Allerdings heißt es weiter über seine Ausführungen: „Er glaube daran, dass er nach dem Tod dem lebendigen Gott begegne und dieser ihm aufzeige, „was ich hätte sein können und was ich tatsächlich gewesen bin“. Dies sei sicherlich ein schmerzhaftes Erlebnis: „Diese Diskrepanz wird uns erschrecken und wir müssen die Verantwortung übernehmen für das, was wir getan haben“. Doch Gott sage uns zu, dass er uns mit seiner Hilfe verwandeln und in die Vollendung führen werde, „aber ohne erhobenen Zeigefinger und ohne eine Hölle mit Folter, Gefängnis und Siedeofen“. Damit nicht genug, fährt der Erzbischof allen Ernstes folgendermaßen fort: „Die Kirche habe mit Bildern wie dem vom Fegefeuer und der Hölle Angst vor dem Tod gemacht, „und dafür müssen wir Buße tun“. Denn Jesus ginge es nicht darum, Sünden aufzuzählen, sondern jedem Menschen Heil und Rettung zuzusagen. „Die Kirche muss im Miteinander die Angst vertreiben“, unterstrich Kardinal Marx. Um sich vorzustellen, was nach dem Tod komme, brauche der Mensch Bilder, „aber das müssen „Bilder der Zuversicht, der Hoffnung sein, Bilder, die uns helfen und voranbringen, auch wenn sie uns keine endgültige Antwort geben können“.

Hier stellt sich eine einfache Frage: Wenn der Kardinal meint, die Kirche müsse „Buße tun” dafür, daß sie gleichsam „mit erhobenem Zeigefinger” auf die Gefahr der ewigen Verdammnis hinweist und hierbei „Bilder” (!) wie jene vom „Fegefeuer und der Hölle” verkündet, warum erklärt er nicht gleich aufrichtig seinen diesbezüglichen Unglauben, indem er – statt vordergründig die kirchliche Lehre zu attackieren – die Botschaft Christi direkt kritisiert, denn was die Kirche über die sog. „Letzten Dinge” lehrt, steht alles in der Heiligen Schrift, wurde von Christus selbst eindringlich verkündet, insbesondere eine ewige Verdammnis für die Verlorenen (schuldhaft-Ungläubige und unbußfertige schwere Sünder). Muß also unser Erlöser selber, müssen die Apostel und Evangelisten jetzt etwa „Buße tun” für ihren „erhobenen Zeigefinger”, für ihre Lehre vom „Fegefeuer und der Hölle”, wobei es sich keineswegs nur um „Bilder” handelt, wie der Kardinal suggeriert, sondern um Heilswahrheiten, denn sie dienen unserem Heil, indem sie uns neben der Liebe zu Gott auch die Gottesfurcht lehren, die bekanntlich der Anfang der Weisheit ist, wie sowohl das Alte wie das Neue Testament mehrfach bekräftigen. Was an theologischem Unfug – genauer: an bibelfremden Irrlehren – herauskommen kann, wenn diese von Gottes(ehr)furcht geprägte Weisheit fehlt, belegt der Herr Kardinal auf eindringliche und zugleich erschreckende Weise.

Foto: Kardinal Reinhard Marx – Bildquelle: Wolfgang Roucka