Warum Priester Latein lernen müssen

Kongress in Rom über "Veterum Sapientia".
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 25. Februar 2012 um 20:07 Uhr
Priesterkragen

Vatikan (kathnews). Am vergangenen Donnerstag, dem 23. Februar, veranstaltete das Päpstliche Institut für lateinische Klassik (Pontificium Institutum altioris Latinitatis) an der Päpstlichen Universität der Salesianer in Rom einen Kongress anlässlich des 50. Jahrestages der Apostolischen Konsitution „Veterum Sapientia“ Papst Johannes´ XXIII. vom 22. Februar 1962. (Kathnews hat darüber am Jahrestag berichtet).

Gegründet von Papst Paul VI.

Das Pontificium Institutum altioris Latinitatis wurde von Papst Paul VI. mit dem Motu Proprio Studia Latinitatis vom 22. Februar 1964, also gegen Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, ins Leben gerufen. Darin betonte der Papst wie schon sein Vorgänger zwei Jahre vorher sowohl die enge Verbindung zwischen dem Studium der lateinischen Sprache und der Ausbildung zum Priestertum als auch die Notwendigkeit der Kenntnis der lateinischen Sprache.

Sekretär der Kleruskongregation war einer der Redner

Wohl mit Rücksicht auf den Aschermittwoch, auf den der 50. Jahrestag fiel, begann der Kongress einen Tag später. Neben dem Präfekten der Bildungskongregation, dem aus Polen stammenden Kurienkardinal Zenon Grocholewski, einem ansehenen Förderer der lateinischen Sprache, der den Vorsitz bei diesem Kongress innehatte, und anderen Sprechern hielt auch der Sekretär der Kleruskongregation, Erbischof Celso Morga Iruzubieta, einen inhaltsreichen Vortrag. Er widmete sich dem Thema „Warum die Priester Latein studieren müssen“ (Perche i preti debono studiare latino).

Rückgang des Lateins

Auf den Rückgang des Lateins hatte schon Papst Johannes XXIII. 1959 auf einem Kongress für Latinisten hingewiesen. In seinem Vortrag am vergangenen Donnerstag erinnerte der Sekretär der Kleruskongregation: »Wenn man rückblickend die heutigen Zustände betrachtet, deutet alles darauf hin, daß die Worte des seligen Johannes XXIII., die er am 7. September 1959 an einen Kongreß von Lateinexperten richtete, nicht nur ungehört verhallt sind, sondern daß der Gebrauch und sogar der Unterricht der lateinischen Sprache auch im kirchlichen Kontext bereits sehr stark im Rückgang begriffen war.

Ermutigende Entwicklung in unseren Tagen

Dennoch sei trotz der Schwierigkeiten heute unter den Priestern die Überzeugung anzutreffen, „daß die Hinführung zum Latein den Zweck hat, sich einer Zivilisation anzunähern und ihre Werte, Interessen und ihre Bedeutung einzuschätzen sowie deren Lehren und theoretischen Fundamente zu prüfen im Hinblick auf ein kritisches Verstehen der Gegenwart“, führte der Kurienbischof weiter aus. Das sei sicherlich, „ein ermutigendes Zeichen in der zeitgenössischen Kirche, die bereit ist, die Lehre und das Studium der Vergangenheit nicht als einen überflüssigen und rückwärtsgewandeten Blick zu verstehen, der unnötigerweise etwas längst Vergangenes zurückgewinnen will, sondern als direkte und unmittelbare Wiederaneignung der Botschaft eines außerordentlich reichen lehrmäßigen, kulturellen und pädagogischen Erbes, eines zu weitreichenden, fruchtbaren und tief verwurzelten intellektuellen Erbes, als daß man eine Zäsur von diesen Wurzeln zulassen könnte.

Latein – Mittel zur Wiedergewinnung einer eigenen kulturellen Identität

Sodann unterstrich der zweite Mann der Kleruskongregation: „Unter den gegenwärtigen Umständen scheint es unwahrscheinlich, daß man den Priester – am wenigsten in der Anfangsphase seiner Ausbildung – dazu bringt, den Wert des Lateins zu schätzen als den einer Sprache, die mit einer Vornehmheit der Struktur und des Wortschatzes ausgestattet sowie in der Lage ist, einen präzisen, reichen, harmonischen Stil voller Erhabenheit und Würde zu fördern, der dem Ernst und der Klarheit dient, und die darüber hinaus geeignet ist, jede Form der Kultur, den »humanitatis cultus«, unter den Völkern zu fördern. Und in dieser Wiedergewinnung einer eigenen kulturellen Identität liegt die Bedeutsamkeit des Vorhandenseins der lateinischen Sprache im schulischen Curriculum der Priesteramtskandidaten. So wird die lateinische Sprache befreit von der ungebührlich vereinfachenden sowie unrichtigen und verkürzenden Frage nach ihrer praktischen Nützlichkeit, und sie wird wieder in ihre Rolle eines umfassend bildenden Lehrfachs eingesetzt.“

Foto: Priesterkragen – Bildquelle: B. Greschner, kathnews