Kardinal Burke äußert sich zur Familiensynode und zur katholischen Ehelehre

Ein (un)heimlicher „Krieg” im Vatikan?
Erstellt von Felizitas Küble am 29. Dezember 2014 um 22:38 Uhr

Vatikan (kathnews/CF). Die französische Zeitung „Le Figaro” interviewte den US-amerikanischen Kurien-Kardinal Raymond Burke. Genauer gesagt: der Vaticanist des „Figaro”, Jean Marie Guénois. Der Titel dieser Figaro-Ausgabe lautet übersetzt: „Der heimliche Krieg im Vatican – Wie Papst Franziskus die Kirche erschüttert”. Hier folgen Auszüge aus dem Interview mit dem theologisch konservativen Kardinal Burke:

Kann ein Kardinal uneins mit dem Papst sein?

Kardinal Burke: Es ist sicher möglich, daß ein Kardinal mit dem Papst hinsichtlich des Procedere oder einer bestimmten pastoralen Ausrichtung nicht übereinstimmt. Andererseits ist es unmöglich, daß es eine Divergenz in Dingen der Doktrin und Disziplin der Kirche gibt. Das bedeutet, daß ein Kardinal – in bestimmten Situationen – die Pflicht hat, dem Papst zu sagen, was er wirklich denkt. Natürlich muß er sich immer respektvoll ausdrücken, weil der Papst das Petrinische Amt repräsentiert. Aber wenn der Papst Kardinäle um sich hat, ist es völlig in Ordnung, ihm Ratschläge zu erteilen.

Ist den Differenzen bei der Synode zu viel Aufmerksamkeit gewidmet worden?

Kardinal Burke: Was dabei seltsam ist: Daß jene, die das unterstützen, was die römisch-katholische Kirche schon immer gelehrt hat, beschuldigt wurden, gegen den Hl. Vater und nicht im Einklang mit der Kirche zu sein. Die Kirche hat immer theologische Dispute und starke Konfrontationen gekannt, in denen Theologen und Kardinäle ihre Meinungen vertraten….

Waren Sie über das, was bei der Synode passierte, geschockt?

Kardinal Burke: Die Synode war eine schwierige Erfahrung. Da gab es die Linie von Kardinal Kasper, hinter die sich jene gleichsam stellten, die die Synode leiteten. Tatsache ist, dass die „Relatio post disceptationem” bereits vor den Wortmeldungen der Synodenväter geschrieben worden ist – und daß sie einer bestimmten einzelnen Meinung folgte, die die Kasper-These favorisierte. Die Frage der Homosexualität wurde auch eingeführt, die in keinerlei Verbindung zur Ehefrage steht, um nach möglichen positiven Elementen zu suchen.

Ein anderer sehr verstörender Punkt ist, dass die „Relatio post disceptationem” keinerlei Bezug zur Heiligen Schrift, zur Tradition der Kirche und nicht zur Lehre Johannes Pauls II über die ehelichen Liebe aufweist. Sie war daher sehr demotivierend. Genauso wie die Tatsache, daß in der „Relatio Synodi” Paragraphen zur Homosexualität und den wiederverheirateten Geschiedenen verblieben sind, die keineswegs die erforderliche Stimmenmehrheit der Bischöfe erreicht hatten.

Was steht auf dem Spiel in dieser Kontroverse?

Kardinal Burke: In einer Zeit voller Verwirrungen, wie wir sie z.B. in der Gender-Theorie sehen, brauchen wir die Lehre der Kirche zur Ehe. Dennoch werden wir im Gegenteil in Richtung einer Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion gedrängt. (…) Aber die Kirche muß die Ehe verteidigen und sie nicht schwächen. Die Unauflöslicheit der Ehe ist keine Strafe, kein Leid. Sie ist etwas sehr Schönes für jene, die sie leben und eine Quelle der Freude….

Textquelle: Christliches Forum und beiboot-petri.blogspot.de

Foto: Kardinalsbirett – Bildquelle: Dieter Philippi