Isa Vermehren – Tagebücher 1950-2009

Eine Buchbesprechung von Hans Jakob Bürger.
Erstellt von Hans Jakob Bürger am 19. Januar 2017 um 19:55 Uhr

Schwester Isa Vermehren war eine der bekanntesten Ordensschwestern in Deutschland, was sich besonders auf ihre Tätigkeit als Sprecherin beim „Wort zum Sonntag“ sowie ihre umfangreiche Vortragstätigkeit in ganz Deutschland zurückführen lässt. 1918 in Lübeck geboren, wirkte Vermehren in jungen Jahren als Kabarettistin und Schauspielerin. 1938, also während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland, konvertierte sie zum Katholizismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte sie zunächst Theologie, um dann 1951 bei der Kongregation der Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu einzutreten. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2009 blieb sie eine treue Dienerin ihres Herrn.

2016 hat Helga Böse die „Geistlichen Tagebücher“ von Schwester Isa Vermehren in Auszügen veröffentlich. Der im Patrimonium-Verlag erschienene Band umfasst rund 600 Seiten. Dabei sind die Tagebucheinträge zunächst ungefähr nach Jahrzehnten unterteilt, denen jeweils eine kurze Einführung von Helga Böse vorausgeht, um die Zeugnisse der Ordensschwester richtig einzuordnen. Sodann sind innerhalb der Dekaden verschiedene Themenkomplexe aufgeführt, nach denen die Tagebucheinträge geordnet sind, etwa „Geistliche Berufung“, „Die Liebe als Herz christlicher Existenz“ und „Die Kirche“.

Von besonderem zeitgeschichtlichen Interesse sind die Tagebücher, weil sich aus ihnen der Kampf ermessen lässt, den Schwester Isa Vermehren in den Wirren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu kämpfen hatte. Es ist sicherlich nicht falsch zu behaupten, dass es zahlreichen Ordensmitgliedern ähnlich ergangen ist. Auf der einen Seite ist es der Kampf um die Treue zur Berufung angesichts der offensichtlichen Verfallserscheinungen, um die Treue zur Ordensgemeinschaft. Auf der anderen Seite sieht Vermehren die Früchte, den Ernst und die Glaubenstreue der im Entstehen begriffenen traditionsverbundenen Gemeinschaften.

Vor diesem Hintergrund sieht man beispielsweise auch die Hochschätzung, die Schwester Isa Vermehren für Erzbischof Lefebvre hatte: „Msgr. Lefebvre ist z. Zt. der Einzige, der diesen Weg offen hält – in meinen Augen z. Zt. der Einzige, der sichtbar dokumentiert und bezeugt, dass Kirche einen überzeitlichen ‚Zweck‘ hat, dass Gebet einen Sinn in sich hat, dass das Lob Gottes objektive Pflicht ist, deren Wert nicht erst nachgewiesen werden muss an der Anziehungskraft, den er für Jugendliche oder Touristen hat.“ (12.08.1977)

Hans Jakob Bürger

Isa Vermehren
Tagebücher 1950-2009
Patrimonium-Verlag
604 Seiten; 29,80 €
ISBN: 978-3-86417-072-0

Foto: Tagebücher 1950-2009 (Buchcover) – Bildquelle: Patrimonium-Verlag