Heilige Schrift und Glaube der Kirche

Der Glaube der Kirche geht im Kontext der Liturgie von selbst aus der Heiligen Schrift hervor. „Der Katechismus der Katholischen Kirche ist ein Beispiel für die Einheit der ganzen Schrift, für die lebendige Überlieferung der Gesamtkirche und die Analogie des Glaubens (Homiletisches Direktorium, Nr. 23). Er hilft Priestern und Gläubigen, „das Wort Gottes, den Glauben der Kirche, die moralischen Forderungen des Evangeliums und (die) persönliche und die liturgische Spiritualität im Zusammenhang zu sehen“ (Homiletisches Direktorium, Anhang).
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 28. Mai 2016 um 12:00 Uhr
Bildquelle: Sarto-Verlag

Es folgen die Texte des Katechismus der Katholischen Kirche zu den Lesungen vom 9. Sonntag im Jahreskreis in der sog. ordentlichen Form des Römischen Ritus (Zusammenstellung: Gero P. Weishaupt. Quelle: Homiletisches Direktorium der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung).

 Aus der heiligen Schrift

1 Kön 8, 41-43

Herr, höre an den Fremden, der zu dir betet.

Gal 1, 1-2. 6-10

Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi.

Lk 7, 1-10

Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden.

Aus dem Katechismus der Katholischen Kirche

Alle sind zum Reich Gottes berufen

543 Alle Menschen sind berufen, in das Reich einzutreten. Dieses messianische Reich wird zunächst den Kindern Israels verkündet [Vgl. Mt 10,5-7.], ist aber für die Menschen aller Völker bestimmt [Vgl. Mt 8,11; 28,19.]. Wer in das Reich eintreten will, muß das Wort Jesu annehmen.

,,Denn das Wort des Herrn wird mit einem Samen verglichen, der auf dem Acker gesät wird: die es im Glauben hören und der kleinen Herde Christi zugezählt werden, haben das Reich selbst angenommen; aus eigener Kraft keimt dann der Same und wächst bis zur Zeit der Ernte“ (LG 5).

544 Das Reich gehört den Armen und Kleinen, das heißt denen, die es demütigen Herzens angenommen haben. Jesus ist gesandt, damit er ,,den Armen Frohbotschaft bringe“ (Lk 4,18) [Vgl. Lk 7,22.]. Er preist sie selig, denn ,,ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,3). Den ,,Kleinen“ wollte der Vater offenbaren, was den Weisen und Klugen verborgen bleibt [Vgl. Mt 11,25.]. Von der Krippe bis zum Kreuz teilt Jesus das Leben der Armen; er kennt Hunger [Vgl. Mk 2,23-26; Mt 2l,18.], Durst [Vgl. Joh 4,6-7; 19,28.]und Entbehrung [Vgl. Lk 9,58.].Mehr noch: Er identifiziert sich mit den Armen aller Art und macht die tätige Liebe zu ihnen zur Voraussetzung für die Aufnahme in sein Reich [Vgl. Mt 25,31-46.].

Die Kirche als universales Heilssakrament

774 Das griechische Wort „mysterion“ [Geheimnis] wurde auf lateinisch durch zwei Ausdrücke wiedergegeben durch „mysterium“ und „sacramentum“. In der späteren Deutung drückt der Begriff „sacramentum“ mehr das sichtbare Zeichen der verborgenen Heilswirklichkeit aus, die mit dem Begriff „mysterium“ bezeichnet wird. In diesem Sinn ist Christus selbst das Heilsmysterium: „Das Mysterium Gottes ist nichts anderes als Christus“ (Augustinus, ep. 187,11,34). Das Heilswerk seiner heiligen und heiligenden Menschennatur ist das Heilssakrament, das sich in den Sakramenten der Kirche (die von den Ostkirchen auch als „die heiligen Mysterien“ bezeichnet werden) bekundet und in ihnen wirkt. Die sieben Sakramente sind die Zeichen und Werkzeuge, durch die der Heilige Geist die Gnade Christi, der das Haupt ist, in der Kirche, die sein Leib ist, verbreitet. Die Kirche enthält und vermittelt also die unsichtbare Gnade, die sie bezeichnet. In diesem analogen Sinn wird sie „Sakrament“ genannt.

775 „Die Kirche ist in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott und für die Einheit des ganzen Menschengeschlechts“ (LG 1). Das erste Ziel der Kirche ist, das Sakrament der tiefen Vereinigung der Menschen mit Gott zu sein. Weil die Gemeinschaft unter den Menschen in der Vereinigung mit Gott wurzelt, ist die Kirche auch das Sakrament der Einheit des Menschengeschlechtes. In ihr hat diese Einheit schon begonnen, denn sie sammelt Menschen „aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen“ (Offb 7,9). Gleichzeitig ist die Kirche „Zeichen und Werkzeug“ des vollen Zustandekommens dieser noch ausstehenden Einheit.

776 Als Sakrament ist die Kirche Werkzeug Christi. Die Kirche ist in den Händen Christi „Werkzeug der Erlösung aller“ (LG 9), „allumfassendes Sakrament des Heiles“ (LG 48), durch das Christus die „Liebe Gottes zum Menschen zugleich offenbart und verwirklicht“ (GS 45,1). Sie ist „das sichtbare Projekt der Liebe Gottes zur Menschheit“ (Paul VI., Ansprache vom 22. Juni 1973). Diese Liebe will, „daß das ganze Menschengeschlecht ein einziges Volk Gottes bilde, in den einen Leib Christi zusammenwachse und zu dem einen Tempel des Heiligen Geistes aufgebaut werde“ (AG 7) [Vgl. LG 17].

Salomos Gebet bei der Tempelweihe

2580 Der Tempel von Jerusalem, das Haus des Gebetes, das David errichten wollte, wird von seinem Sohn Salomo gebaut. Das Gebet bei der Tempelweihe [Vgl. 1 Kön 8,10-61] stützt sich auf die Verheißung Gottes und auf den Bund mit ihm, auf die handelnde Gegenwart seines Namens in seinem Volk und auf die Erinnerung an die großen Taten beim Auszug aus Ägypten. Der König erhebt die Hände zum Himmel und fleht zum Herrn für sich selbst, für das ganze Volk und für die künftigen Geschlechter um die Vergebung der Sünden und um das, was man jeden Tag braucht. Denn alle Nationen sollen wissen, daß der Herr der einzige Gott ist und daß das Herz seines Volkes ihm ganz gehört.

Jesus und der Tempel

583 Wie schon die Propheten vor ihm, erwies Jesus dem Tempel von Jerusalem tiefste Ehrfurcht. Vierzig Tage nach seiner Geburt wurde er darin von Josef und Maria Gott dargestellt [Vgl. Lk 2,22-39.]. Im Alter von zwölf Jahren entschloß er sich, im Tempel zu bleiben, um seine Eltern daran zu erinnern, daß er für die Sache seines Vaters da sei [Vgl. Lk 2,46-49..]. Während seines verborgenen Lebens begab er sich Jahr für Jahr wenigstens am Paschafest zum Tempel hinauf [Vgl. Lk 2,41.]. Sein öffentliches Wirken vollzog sich im Rhythmus seiner Pilgerfahrten nach Jerusalem zu den großen jüdischen Festen [Vgl. Job 2,13-14; 5,1.14; 7,1.10.14; 8,2; 10,22-23.].

584 Jesus steigt zum Tempel hinauf als dem vorzüglichen Ort der Begegnung mit Gott. Der Tempel ist für ihn die Wohnung seines Vaters, ein Haus des Gebetes, und er empört sich darüber, daß dessen Vorhof zu einem Marktplatz gemacht wird [Vgl. Mt 21,13..]. Aus eifernder Liebe zu seinem Vater vertreibt er die Händler aus dem Tempel: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: ‚Der Eifer für dein Haus verzehrt mich‘ (Ps 69,10)“ (Joh 2,16-17). Nach seiner Auferstehung behielten die Apostel eine ehrerbietige Haltung zum Tempel bei [Vgl. z.B. Apg 2,46; 3,1; 5,20.21.].

585 Vor seiner Passion kündigte Jesus jedoch die Zerstörung dieses herrlichen Gebäudes an, von dem kein Stein mehr auf dem anderen bleiben werde [Vgl. Mt 24,1-2.]. Darin liegt ein Zeichen der Endzeit, die mit seinem Pascha beginnt [Vgl. Mt 24,3;Lk 13,35.].

Diese Weissagung aber wurde bei seinem Verhör vor dem Hohenpriester von falschen Zeugen entstellt wiedergegeben [Vgl. Mk 14,57-58.] und dann dem ans Kreuz Genagelten spöttisch entgegengehalten [Vgl. Mt 27,39-40.].

586 Jesus legte seine Lehre zum großen Teil im Tempel dar [Vgl. Joh 18,20.]und war diesem keineswegs feind [Vgl. Mt 8,4; 23,21; Lk 17,14; Joh 4,22..]. Er war gewillt, die Tempelsteuer zu zahlen, und entrichtete sie auch für Petrus [Vgl. Mt 17,24-27.], den er eben zum Grundstein seiner künftigen Kirche gemacht hatte [Vgl. Mt 16,18.]. Er identifizierte sich sogar mit dem Tempel, indem er sich selbst als die endgültige Wohnung Gottes unter den Menschen bezeichnete [Vgl. Joh 2,21; Mt 12,6.]. Darum kündigt die Hinrichtung seines Leibes [Vgl. Joh 2,18-22.] die Zerstörung des Tempels an, mit der eine neue Epoche der Heilsgeschichte anbricht: „Die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet“ (Joh 4, 21) [Vgl. Job 4, 23-24; Mt 27,51; Hebr 9,11; Offb 21,22.] .

Foto: Jesus der König – Bildquelle: Sarto-Verlag