„Gott hat ein schlechtes Gedächtnis – er vergisst Sünden“

Papst Franziskus zum Thema Beichte.
Erstellt von Radio Vatikan am 4. März 2016 um 14:11 Uhr
Beichtstuhl

Vatikan (kathnews/RV). Gott hat ein schlechtes Gedächtnis, denn wenn er eine Sünde vergibt, dann vergisst er sie ein für alle Mal. Das sagte Papst Franziskus bei einer Begegnung mit Teilnehmern einer Vatikan-Konferenz zum Thema Beichte im Vatikan, die an diesem Freitag mit einem Bußgottesdienst im Petersdom endet. Franziskus betonte die zentrale Bedeutung des Sakraments – nicht nur für das außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Die Vergebung, so Franziskus, sei nämlich vielleicht die größte der heiligen Pforten.

Die Barmherzigkeit Gottes erreiche die Menschen auf verschiedene Weise, so der Papst zu den rund 500 Geistlichen: Durch das Erwachen eines ehrlichen Gewissens, beim Lesen der Bibel, wodurch das Herz verwandelt werden könne, bei der Begegnung mit barmherzigen Brüdern und Schwestern, und auch durch Lebenserfahrungen, die von Wunden, Sünde, Vergebung und Barmherzigkeit erzählen. Der sicherste Weg zur Barmherzigkeit aber sei die Vergebung der Sünden, die Jesus Christus vorgelebt und der Kirche als Sakrament der Versöhnung hinterlassen habe.

„Jeder Gläubige kann nach der Absolution des Priesters sicher sein im Glauben, dass seine Sünden weggewischt worden sind von der göttlichen Barmherzigkeit. Sie existieren nicht mehr! Gott ist allmächtig. Mit gefällt der Gedanke, dass er eine bestimmte Schwäche hat: ein schlechtes Gedächtnis. Hat er dir einmal vergeben, vergisst er deine Sünden. Das ist großartig! Die Sünden gibt es dann nicht mehr. Jede Absolution ist gewissermaßen ein Jubeljahr des Herzens, sie erfreut nicht nur den Gläubigen und die Kirche, sondern Gott selbst.“

Franziskus erinnerte an die Worte Jesu: „Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben, umzukehren.“ Der Beichtvater müsse zum Vermittler der Freude werden, damit der Gläubige nach der Vergebung nicht mehr von der Last seiner Schuld erdrückt werden müsse und die befreiende Kraft Gottes spüren könne, bereit, seine Fehler wieder gut zu machen und den anderen mit einem guten, zugänglichen Herz zu begegnen.

„Liebe Brüder, in dieser Zeit, in der der Individualismus herrscht, in der es viele Wunden gibt und die Versuchung, sich zu verschließen, ist es ein wirkliches Geschenk, Menschen zu sehen, die mit der Barmherzigkeit in Berührung kommen.“

Franziskus mahnte aber die Verantwortung der Beichtväter an. Sie müssten sich am Evangelium orientieren und mit väterlichem Wohlwollen handeln. „Wir sind Wärter und nie Herren über die Schafe und die Gnade“, so Franziskus.

„Was tue ich, wenn ich die Menschen von ihren Sünden nicht lossprechen kann? Zunächst suche ich nach einem Weg, den man in den meisten Fällen auch findet. Zweitens, hängen wir uns nicht zu sehr an das Gesagte, sondern auch an die nonverbale Kommunikation. Es gibt Leute, die sich nicht ausdrücken können, deren Reue und Leid an den Gesten deutlich werden. Und drittens: Wenn wir keine Absolution erteilen können, müssen wir sprechen wie ein Vater: ‚Hör zu, aus diesem oder jenem Grund kann ich dich nicht lossprechen, aber ich kann dir versichern, dass Gott dich liebt und auf dich wartet.“

Zu oft höre er von Menschen, die nicht mehr beichten gingen, weil die Beichtväter zu streng gewesen seien. Auch in Grenzsituationen, wenn sie die Menschen nicht von ihren Sünden lossprechen könnten, müssten die Beichtväter die väterliche Wärme für sie spürbar machen. „Betet einfach ein wenig mit ihm oder ihr. Das ist auch ein Fest, denn Gott weiß nun einmal besser, wie er vergeben kann als wir. Zumindest können wir versuchen, darin ein Abbild Gottes zu werden.“

Franziskus erinnerte an die großen Beichtväter, die Heiligen Padre Pio und Leopoldo Mandic, deren sterbliche Überreste vor wenigen Wochen noch im Petersdom ausgestellt waren. Zu Lebzeiten zogen sie hunderte, gar tausende Menschen an, um ihnen die Beichte abzunehmen.

Mandic habe immer wieder gepredigt, dass die Barmherzigkeit über all unsere Erwartungen hinausgehe. Auch habe er die Gottesmutter Maria als Trösterin immer wieder angebracht, die das Leid der Menschen verstehe. „Möge Maria immer Zuflucht für die Sünder sein“, so Franziskus. „Stellen wir das Sakrament der Versöhnung wieder ins Zentrum – nicht nur im Heiligen Jahr! – denn es ist der wahre Ort, an dem Beichtväter wie Büßer die Liebe Gottes erfahren können, eine Liebe, die uns nie enttäuscht.“

Foto: Beichtstuhl – Bildquelle: Bene16