Gaudium et spes. Artikel 67

Arbeit, Arbeitsbedingungen, Freizeit.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 14. Dezember 2013 um 14:06 Uhr
Vaticanum II, Konzilsväter

Einleitung von Gero P. Weishaupt: Im Zusammenhang des Kapitels √ľber das sozial-√∂konomische Leben behandelt Artikel 67 (und 68) von Gaudium et spes die menschliche Arbeit aus christlicher Sicht und formuliert dabei einige Grunds√§tze, die der kirchlichen Soziallehre entnommen sind. Der Text verweist in seinen Fu√ünoten auf die einschl√§gigen bis zur Konzilszeit verfa√üten Sozialenzykliken: Rerum novarum von Leo XIII., Quadragesimo anno von Pius XI. und Mater et Magistra von Johannes XXIII. Zun√§chst wird die menschliche Arbeit in ihrer anthropologischen, gesellschaftlichen und theologischen Dimension gew√ľrdigt. Sie wird als Beitrag zum Sch√∂pfungs- und Erl√∂sungswerk gesehen. ‚ÄěDurch seine Arbeit erh√§lt der Mensch sein und der Seinigen Leben, tritt in t√§tigen Verbund mit seinen Br√ľdern und dient ihnen; so kann er praktische N√§chstenliebe √ľben und seinen Beitrag zur Vollendung des Sch√∂pfungswerkes Gottes erbringen. ‚Ķ Durch seine Gott dargebrachte Arbeit verbindet der Mensch sich mit dem Erl√∂sungswerk Jesu Christi selbst ‚Ķ .‚Äú Diese sch√∂pfungstheologische und soteriologische Dimension der Arbeit verpflichtet die Menschen zu gewissenhafter Arbeit. Zugleich haben sie ein Recht auf eine angemessene Entlohnung und sollen ‚Äě√ľber ausreichende Ruhezeiten und Mu√üe verf√ľgen f√ľr das Leben mit ihren Familien, f√ľr ihr kulturelles, gesellschaftliches und religi√∂ses Leben.“

Gaudium et spes. Artikel 67

Die in der G√ľtererzeugung, der G√ľterverteilung und in den Dienstleistungsgewerben geleistete menschliche Arbeit hat den Vorrang vor allen anderen Faktoren des wirtschaftlichen Lebens, denn diese sind nur werkzeuglicher Art. Die Arbeit n√§mlich, gleichviel, ob selbst√§ndig ausge√ľbt oder im Lohnarbeitsverh√§ltnis stehend, ist unmittelbarer Ausflu√ü der Person, die den stofflichen Dingen ihren Stempel aufpr√§gt und sie ihrem Willen dienstbar macht. Durch seine Arbeit erh√§lt der Mensch sein und der Seinigen Leben, tritt in t√§tigen Verbund mit seinen Br√ľdern und dient ihnen; so kann er praktische N√§chstenliebe √ľben und seinen Beitrag zur Vollendung des Sch√∂pfungswerkes Gottes erbringen. Ja wir halten fest: Durch seine Gott dargebrachte Arbeit verbindet der Mensch sich mit dem Erl√∂sungswerk Jesu Christi selbst, der, indem er in Nazareth mit eigenen H√§nden arbeitete, der Arbeit eine einzigartige W√ľrde verliehen hat. Daraus ergibt sich f√ľr jeden Einzelnen sowohl die Verpflichtung zu gewissenhafter Arbeit wie auch das Recht auf Arbeit; Sache der Gesellschaft aber ist es, nach jeweiliger Lage der Dinge f√ľr ihren Teil behilflich zu sein, da√ü ihre B√ľrger Gelegenheit zu ausreichender Arbeit finden k√∂nnen. Schlie√ülich ist die Arbeit so zu entlohnen, da√ü dem Arbeiter die Mittel zu Gebote stehen, um sein und der Seinigen materielles, soziales, kulturelles und spirituelles Dasein angemessen zu gestalten – gem√§√ü der Funktion und Leistungsf√§higkeit des Einzelnen, der Lage des Unternehmens und unter R√ľcksicht auf das Gemeinwohl.

Da der Wirtschaftsproze√ü im allgemeinen auf Arbeitsvereinigung beruht, ist es unbillig und menschenunw√ľrdig, ihn so zu gestalten und zu lenken, da√ü irgendwelche Arbeitenden zu Schaden kommen. Nicht selten aber geschieht es auch heute noch, da√ü die Werkt√§tigen geradezu zu Sklaven ihres eigenen Werkes werden. Das aber l√§√üt sich auf keinen Fall durch sogenannte Gesetzm√§√üigkeiten des wirtschaftlichen Lebens rechtfertigen. Der ganze Vollzug werteschaffender Arbeit ist daher auf die Bed√ľrfnisse der menschlichen Person und ihrer Lebensverh√§ltnisse auszurichten, insbesondere auf die Bed√ľrfnisse des h√§uslichen Lebens, dies namentlich bei den Familienm√ľttern, unter st√§ndiger R√ľcksichtnahme auf Geschlecht und Alter. √úberdies sollte der arbeitende Mensch in seiner Arbeit selbst Gelegenheit haben zur Entwicklung seiner Anlagen und Entfaltung seiner Personwerte. Alle aber, die ihre Zeit und Kraft mit geb√ľhrendem Verantwortungsbewu√ütsein der Arbeit widmen, sollten auch √ľber ausreichende Ruhezeiten und Mu√üe verf√ľgen f√ľr das Leben mit ihren Familien, f√ľr ihr kulturelles, gesellschaftliches und religi√∂ses Leben. Ja sie sollten auch die M√∂glichkeit haben, gerade diejenigen Anlagen und F√§higkeiten frei zu entwickeln, zu deren Entfaltung ihre berufliche T√§tigkeit vielleicht nur wenig Gelegenheit bietet.

Foto: Vaticanum II, Konzilsväter РBildquelle: Lothar Wolleh / Wikipedia

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