Gaudium et spes. Artikel 29

Die wesentliche Gleichheit aller Menschen und die soziale Gerechtigkeit.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 10. Juni 2013 um 11:30 Uhr
Vaticanum II, Konzilsväter

Einleitung von Gero P. Weishaupt:

Im Rahmen der Thematik √ľber die menschliche Gemeinschaft, die im zweiten Kapitel der Pastoralkonstitution Gaudium et spes behandelt wird, widmen sich die Konzilsv√§ter der fundamentalen Gleichheit (fundamentalis aequalitas)¬†des Menschen, die allerdings Verschiedenheit nicht ausschlie√üt. Sie begr√ľnden die fundamentale Gleichheit in der Sch√∂pfungs- und Heilsordnung Gottes: Alle Menschen sind grunds√§tzlich gleich, weil alle eine geistige Seele haben und Bild Gottes sind. Sie haben daher dieselbe Natur und denselben Ursprung. Dar√ľber hinaus sind sie durch Christus erl√∂st und zur Gemeinschaft mit Gott berufen. In Bezug aber auf die ‚Äěverschiedenen physischen F√§higkeiten und die unterschiedlichen geistigen und sittlichen Kr√§fte stehen nicht alle Menschen auf gleicher Stufe (capacitate physica viriumque intellectualium et moralium diversitate non omnes homines aequiparantur)‚Äú, erinnern die Konzilsv√§ter. Sie lehnen jedoch jede Form von Diskriminierung ‚Äěin den gesellschaftlichen und kulturellen Grundrechten der Person, sei es wegen des Geschlechts oder der Rasse, der Farbe, der gesellschaftlichen Stellung, der Sprache oder der Religion‚Äú entschieden ab. Aufgrund des Gesagten appellieren die Konzilsv√§ter schlie√ülich an die privaten und √∂ffentlichen Institutionen, sich um die Anerkennung der gleichen Personw√ľrde aller Menschen zu bem√ľhen.¬†

Gaudium et spes. Artikel 29

‚ÄěDa alle Menschen eine geistige Seele haben und nach Gottes Bild geschaffen sind, da sie dieselbe Natur und denselben Ursprung haben, da sie, als von Christus Erl√∂ste, sich derselben g√∂ttlichen Berufung und Bestimmung erfreuen, darum mu√ü die grundlegende Gleichheit aller Menschen immer mehr zur Anerkennung gebracht werden. Gewi√ü, was die verschiedenen physischen F√§higkeiten und die unterschiedlichen geistigen und sittlichen Kr√§fte angeht, stehen nicht alle Menschen auf gleicher Stufe. Doch jede Form einer Diskriminierung in den gesellschaftlichen und kulturellen Grundrechten der Person, sei es wegen des Geschlechts oder der Rasse, der Farbe, der gesellschaftlichen Stellung, der Sprache oder der Religion, mu√ü √ľberwunden und beseitigt werden, da sie dem Plan Gottes widerspricht. Es ist eine beklagenswerte Tatsache, da√ü jene Grundrechte der Person noch immer nicht √ľberall unverletzlich gelten; wenn man etwa der Frau das Recht der freien Wahl des Gatten und des Lebensstandes oder die gleiche Stufe der Bildungsm√∂glichkeit und Kultur, wie sie dem Mann zuerkannt wird, verweigert.

Obschon zwischen den Menschen berechtigte Unterschiede bestehen, fordert ferner die Gleichheit der Personw√ľrde doch, da√ü wir zu humaneren und der Billigkeit entsprechenden Lebensbedingungen kommen. Allzu gro√üe wirtschaftliche und gesellschaftliche Ungleichheiten zwischen den Gliedern oder V√∂lkern in der einen Menschheitsfamilie erregen √Ąrgernis; sie widersprechen der sozialen Gerechtigkeit, der Billigkeit, der menschlichen Personw√ľrde und dem gesellschaftlichen und internationalen Frieden. Die privaten und √∂ffentlichen menschlichen Institutionen sollen sich darum bem√ľhen, der W√ľrde und dem Ziel des Menschen zu dienen, indem sie gegen jedwede gesellschaftliche oder politische Verknechtung entschieden ank√§mpfen und die Wahrung der Grundrechte des Menschen unter jedem politischen Regime sichern. Ja die Institutionen dieser Art m√ľssen allm√§hlich ein entsprechendes Verh√§ltnis finden auch zu den eigentlich geistigen Werten, die an Rang am h√∂chsten stehen, auch wenn manchmal zur Erreichung des erstrebten Zieles eine ziemlich lange Zeit n√∂tig sein wird.‚Äú

Foto: Konzilsväter

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