Gaudium et spes. Artikel 24

Der Gemeinschaftscharakter der menschlichen Berufung im Ratschluss Gottes.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 6. April 2013 um 14:25 Uhr
Vaticanum II, Konzilseröffnung

Einleitung von Gero P. Weishaupt:

Das zweite Kapitel von Gaudium et spes, das den Titel trägt „Die menschliche Gemeinschaft“, bringt einige Grundwahrheiten der katholischen Soziallehre über die menschliche Gesellschaft im Licht der Offenbarung in Erinnerung. Artikel 24 weist auf die konstante Lehre der Kirche hin, dass der Mensch ein soziales Wesen (ens sociale) ist, der aufgrund seiner von Gott gegebenen Natur auf den Mitmenschen gerichtet ist. Darum kann der Mensch ohne die Gemeinschaft niemals seine Erfüllung finden. Mit dem Hinweis auf das Johannesevangelium (Joh 17, 21-22) stellen die Konzilsväter fest, dass Jesus selber „eine gewisse Ähnlichkeit“ „zwischen der Einheit der göttlichen Personen und der Einheit der Kinder Gottes in der Wahrheit und der Liebe“ nahegelegt habe.

Gaudium et spes. Artikel 24

„Gott, der väterlich fĂĽr alle sorgt, wollte, dass alle Menschen eine Familie bilden und einander in brĂĽderlicher Gesinnung begegnen. Alle sind ja geschaffen nach dem Bild Gottes, der „aus einem alle Völker hervorgehen lieĂź, die das Antlitz der Erde bewohnen“ (Apg 17,26), und alle sind zu einem und demselben Ziel, d.h. zu Gott selbst, berufen. Daher ist die Liebe zu Gott und zum Nächsten das erste und größte Gebot. Von der Heiligen Schrift werden wir belehrt, dass die Liebe zu Gott nicht von der Liebe zum Nächsten getrennt werden kann: „… und wenn es ein anderes Gebot gibt, so ist es in diesem Wort einbegriffen: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst … Demnach ist die Liebe die FĂĽlle des Gesetzes“ (Röm 13,9-10; 1 Joh 4,20).

Das ist offenkundig von höchster Bedeutung fĂĽr die immer mehr voneinander abhängig werdenden Menschen und fĂĽr eine immer stärker eins werdende Welt. Ja, wenn der Herr Jesus zum Vater betet, „dass alle eins seien … wie auch wir eins sind“ (Joh 17,20-22), und damit Horizonte aufreiĂźt, die der menschlichen Vernunft unerreichbar sind, legt er eine gewisse Ă„hnlichkeit nahe zwischen der Einheit der göttlichen Personen und der Einheit der Kinder Gottes in der Wahrheit und der Liebe. Dieser Vergleich macht offenbar, dass der Mensch, der auf Erden die einzige von Gott um ihrer selbst willen gewollte Kreatur ist, sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst vollkommen finden kann.“

Foto: Konzilsväter – Bildquelle: Peter Geymayer / Wikipedia

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