Gaudium et spes. Artikel 17

Die Bedeutung der menschlichen Freiheit.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 9. März 2013 um 15:20 Uhr
Vaticanum II, Konzilsväter

Einleitung von Gero P. Weishaupt:

In Artikel 17 von Gaudium et spes behandeln die Konzilsväter ein Grundthema des modernen Denkens: die menschliche Freiheit. Freiheit ist Ausdruck der Gottebenbildlichkeit des Menschen, dem es eigen ist, freie und gewissenhafte Entscheidungen zu nehmen. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) benennt drei Ziele des vorliegenden Konzilstextes: „Es geht ihm zunächst darum, ausdrücklich vom Glauben her ein Ja zum Wert der Freiheit zu sagen, den der moderne Mensch trotz der fortschreitenden Problematisierung der Freiheitsidee immer ausdrücklicher erfährt.“ Vom Freiheitsbegriff wird der Mensch „als das freie Wesen“ bejaht, „das sich zu sich selbst entscheiden muß und weder äußerem Zwang noch Nötigung des Triebes … unterworfen werden darf. Auf der anderen Seite ging es dem Konzil darum, die Verwechselung von Freiheit und Bindungslosigkeit abzuwehren, die weithin das Leitbild der öffentlichen Meinung von heute darzustellen beginnt und damit gerade als Mittel zur Manipulation des Menschen verwendet wird, der mit Hilfe des Trugbilds dieser Freiheit in Wahrheit seiner Freiheit beraubt und in die Verfügung der anonym den geistigen und wirtschaftlichen ‚Markt‘ beherrschenden Mächte genommen wird. Endlich geht es dem Text darum, jedem Determinismus gegenüber die sittliche Verantwortunglichkeit des Menschen herauszustellen. … Der Text bekennt sich … zur sittlichen Freiheit des Menschen und hält sie, biblisch mit vollem Recht, auch jedem theologischen Determinismus entgegen“ (Joseph Ratzinger, in: LThK, 3. Ergänzungsband, Freiburg 1968, 333). Die menschliche Freiheit ist allerdings durch die Sünde (als Folge der Erbsünde) verwundet. Darum kann der Mensch nicht aus sich selber das Gute tun. Dazu bedarf es der Gnade. Eine pelegianische Denkweise kann dem Konzilstext nicht entnommen werden.

Gaudium et spes. Artikel 17

„Aber nur frei kann der Mensch sich zum Guten hinwenden. Und diese Freiheit schätzen unsere Zeitgenossen hoch und erstreben sie leidenschaftlich. Mit Recht. Oft jedoch vertreten sie sie in verkehrter Weise, als Berechtigung, alles zu tun, wenn es nur gefällt, auch das Böse. Die wahre Freiheit aber ist ein erhabenes Kennzeichen des Bildes Gottes im Menschen: Gott wollte nämlich den Menschen ‚in der Hand seines Entschlusses lassen‘, so daß er seinen Schöpfer aus eigenem Entscheid suche und frei zur vollen und seligen Vollendung in Einheit mit Gott gelange. Die Würde des Menschen verlangt daher, daß er in bewußter und freier Wahl handle, das heißt personal, von innen her bewegt und geführt und nicht unter blindem innerem Drang oder unter bloßem äußerem Zwang. Eine solche Würde erwirbt der Mensch, wenn er sich aus aller Knechtschaft der Leidenschaften befreit und sein Ziel in freier Wahl des Guten verfolgt sowie sich die geeigneten Hilfsmittel wirksam und in angestrengtem Bemühen verschafft. Die Freiheit des Menschen, die durch die Sünde verwundet ist, kann nur mit Hilfe der Gnade Gottes die Hinordnung auf Gott zur vollen Wirksamkeit bringen. Jeder aber muß vor dem Richterstuhl Gottes Rechenschaft geben von seinem eigenen Leben, so wie er selber Gutes oder Böses getan hat. “

Foto: Konzilsväter – Bildquelle: Lothar Wolleh / Wikipedia