Führender jüdischer Gelehrter nimmt Glaubenspräfekt Müller vor “böswilligen” Auslegungen in Schutz

Oberrabbiner David Rosen übt scharfe Kritik an der deutschen Bundesjustizministerin.
Erstellt von Felizitas Küble am 4. Februar 2013 um 21:54 Uhr
Rabbi David Rosen

Jerusalem (kathnews/CF). Im Zusammenhang mit der Kritik Erzbischof Müller an einer anwachsenden “Pogromstimmung” gegen Kirche und die katholische Geistlichkeit kam es vielfach in deutschen Mainstream-Medien und innerkirchlichen Kreisen zu schweren verbalen Angriffen gegen den Chef der römischen Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller. Einige Politiker griffen sogar zur Holocaust-Keule gegen den unbeugsamen Vatikanvertreter. Nun wird der Kurien-Erzbischof von einem führenden jüdischen Oberrabbiner – David Rosen aus Jerusalem – energisch verteidigt, wie Paul Badde in der Online-Ausgabe der Tageszeitung “Die Welt” heute berichtet. Der internationale Direktor des amerikanisch-jüdischen Komitees für interreligiöse Angelegenheiten nimmt Müller gegen den Vorwurf von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) in Schutz, die dem Glaubenspräfekten und vormaligen Bischof von Regensburg einen Holocaust-Vergleich unterstellt hatte. “Kein Vergleich mit den Grausamkeiten der Schoah ist je angemessen”, sagte Rosen gegenüber der Zeitung “Die Welt”: “Ebenso klar ist für jeden vernünftigen Menschen, der die Worte Erzbischof Müllers nachliest, aber auch, dass ein solcher Vergleich keineswegs in dessen Absicht war. Dies dem Interview zu entnehmen, kann nur das Ergebnis einer böswilligen Absicht sein.”

Der dreifache Familienvater David Rosen war einst Oberrabbiner von Irland und ist ehem. Vorsitzender des IJCIC (Internationales Jüdisches Komitees für Interreligiöse Konsultationen). Der Gelehrte aus Jerusalem ist zudem einer der Gründer des Interreligiösen Koordinierungsrats in Israel, der 70 Organisationen umfaßt. Auf der Nahost-Sondersynode des Vatikans war Rosen als Redner eingeladen und wurde vom Papst persönlich begrüßt. Bereits seit Jahren würdigt der Rabbiner die judenfreundlichen Worte und Gesten von Papst Benedikt XVI.: So habe der Pontifex als erster Papst Vertreter des Judentums nicht nur zur Trauerfeier für seinen Amtsvorgänger eingeladen, sondern auch zu seiner eigenen Amtseinführung. Er habe sich zudem als Kurien-Kardinal und Glaubenspräfekt maßgeblich für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl und dem Staat Israel eingesetzt – und später als Papst mehrfach jüdische Delegationen zu Gesprächen im Vatikan empfangen. Auch der Besuch Benedikts in Israel im Mai 2009 wird von Rabbi Rosen als höchst bedeutsam und von nachhaltiger Wirkung eingeschätzt.

Foto: Oberrabbiner David Rosen – Bildquelle: Steve Nimmons, London / Wikipedia