Familiensynode: Hält Kardinal Kasper das Kirchenvolk zum Narren?

Ein Kommentar von Mathias von Gersdorff.
Erstellt von Mathias von Gersdorff am 8. Juni 2015 um 20:00 Uhr
Mathias von Gersdorff

Vor wenigen Tagen gab Kardinal Walter Kasper dem katholischen US-Fernsehsender EWTN ein peinliches Interview. Auf die Fragen des bekannten Fernsehjournalisten Raymond Arroyo war Kasper nicht gewillt, klare und verständliche Antworten zu geben. Arroyo musste laufend nachhaken, um Eindeutiges zu bekommen, doch ohne Erfolg. Als ob das nicht genug wäre, machte der deutsche Kardinal Aussagen, die man geradezu als unverfroren bewerten muss. So sagte er hinsichtlich seines Vorschlages, wiederverheiratete Geschiedene unter gewissen Voraussetzungen zur Kommunion zulassen, würde er die Entscheidung der Familiensynode im Oktober 2015 bzw. die des Papstes abwarten und diese als „Kind der Kirche“ akzeptieren.

Kardinal Kasper geht wohl davon aus, dass sich kein Mensch auf dem Planeten daran erinnert, dass er schon in einem Hirtenwort im Jahr 1993 die Zulassung von geschiedenen Wiederverheirateten zur Kommunion gefordert hat, obwohl eine ordentliche Bischofssynode im Jahr 1980 dieses Thema abschließend behandelt hatte. Die Ergebnisse dieser Synode wurden im Apostolischen Schreiben „Familiaris consortio“ des Jahres 1981 zusammengefasst. Ausdrücklich ging Papst Johannes Paul II. auf die Problematik der Wiederverheirateten ein. All dies war für Kasper kein Hindernis, sein Hirtenwort im Jahr 1993 zu verfassen. Die Irrtümer der dort enthaltenen Aussagen zur Kommunion wurden vom damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger (der spätere Papst Benedikt XVI.), ausführlich in einer Stellungnahme vom 14. September 1994 und einer weiteren vom Jahr 1998 erläutert.

Weder „Familiaris consortio“ noch Ratzingers Schreiben haben Kasper gehindert, erneut das Thema in seiner „Rede an das Konsistorium“ im Februar 2014 in die öffentliche Debatte zu bringen. In diesem Punkt zeigt sich Kardinal Kasper unverbesserlich störrisch.

Aber das ist nicht alles: Nachdem er über ein Jahr in aller Welt behauptet hat, der Papst stünde hinter ihm und seinen Forderungen hinsichtlich der Kommunion, behauptete er nun im Interview mit Arroyo das glatte Gegenteil. Arroyo war dermaßen fassungslos, dass er mehrmals nachhakte, um sich zu vergewissern, ob er richtig gehört habe.

Diese Angelegenheit ist peinlich: Kardinal Kasper hat im Februar 2014 mit seiner Rede zu Ehe und Sexualität ein wahres Chaos verursacht bezüglich der wahren Lehre der Kirche darüber. Will er sich nun einfach so aus dem Staub machen? Gerät er langsam in Panik, weil er erkennt, welchen Schaden er angerichtet hat? Eines ist jedenfalls sicher: Als guter Hirt die Herde der Gläubigen sicher zu leiten, hat bei Kardinal Kasper keine besonders hohe Priorität.

Foto: Mathias von Gersdorff – Bildquelle: privat