Endlich zuhause – Mein Weg zur Kirche

Eine Buchrezension von Reinhard Dörner.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 26. April 2013 um 10:17 Uhr
Endlich zuhause - Mein Weg zur Kirche

Dies ist eine ganz andere Konversionsgeschichte als etwa die von Scott Hahn, Erik M. Mørstad oder dem sel. John Henry Card. Newman. Die leicht zu lesende und deshalb einladende äußere Form des Interviews läßt den Leser die geistig-psychologische Entwicklung des Konvertierten nachempfinden – er kann sich in die Gedankenwelt von Volker Jordan hineinversetzen. Dies ist keine intellektuelle Abhandlung. Wer aber meint, daß dem Inhalt der intellektuelle Anstrich fehlt oder abhanden gekommen ist, unterliegt einem folgenschweren Fehl- oder besser Vorurteil. Die intellektuelle Bandbreite dieses Autors kommt in dem ausführlichen bibliographischen Anhang in voller Breite zur Geltung: Eigene Veröffentlichungen, hervorragende Übersetzungen korrespondieren mit vertiefenden Literaturempfehlungen. Angesichts dieser Empfehlungen ergibt sich sehr eindrucksvoll, welchen Weg des Suchens dieser begnadete Mensch hinter sich bringen mußte, ja mußte, weil er in seiner besonderen Situation ein exemplarisches Schicksal seines Lebens bewältigt hat, das seinesgleichen sucht. Das Besondere dieses Schicksals ist das nahezu Endlose des Suchens, das im endgültigen Anschluß an die Kirche doch noch seine Erfüllung fand. Und so heißt der Untertitel zu recht: “Mein Weg zur Kirche”; denn es gibt nur “eine” Kirche, die Jesus Christus gegründet hat, wie er selbst betont. Einer der wichtigen Gründe, die ihn zur Konversion veranlaßt haben, ist die Unüberschaubarkeit und Uneinheitlichkeit der christlichen Glaubensgemeinschaften, in denen sich eben nicht die Una Sancta darstellt, sondern eine eher “individualistische [...] Grundhaltung” (20)*. Daher ist für ihn klar: “Es geht nicht an, daß sich eine Gruppe nach der anderen bildet und daß jeder Gründer selbst hierfür der Maßstab ist.” (56)*

Die Interviewerin geht sehr geschickt von den vier Grundkennzeichen der Kirche aus: Einheit, Heiligkeit, Katholizität, Apostolizität. Jordan sieht darin “ein Zusammenspiel” (16)* für seine Entscheidung zur Konversion, nachdem er eine regelrechte Wanderschaft – oder war es eine Irrfahrt? – durch ca. 14 christliche Konfessionen mit teilweise Gastmitgliedschaften durchgemacht hatte. Auf Jordan kamen wie für alle Konvertiten wichtige Fragen zu, wie es denn z.B. mit dem Fegefeuer stehe oder mit der Heiligenverehrung etc. Hier zeigt sich die ungeheure Belesenheit dieses Suchers des rechten Glaubens: Von der Hl. Schrift über die Kirchenväter, die Konvertitenliteratur ist ihm alles vertraut, so daß er mit apologetischer Treffsicherheit die ‘Knackpunkte’ der Unterscheidung darzustellen vermag. Die Frage nach Maria, der Mutter Gottes stellt sich ihm wie jedem Konvertiten. Im Protestantismus “identifiziert [man] jegliche Betonung Mariens sofort mit der katholischen Kirche und schweigt daher [...] weitgehend von ihr” (102)* oder weist anhand von Schriftstellen nach, daß Maria von “der Sündhaftigkeit aller Menschen” nicht ausgenommen (ebd.) sei. Obwohl Jordan es nicht ausspricht, sieht er sich vermutlich als besonderes Werkzeug Mariens. Er wurde am 16. Juli 1972 getauft, also am Fest Mariens vom Berge Karmel. Das wußten seine Eltern nicht, und auch er selbst hat es erst womöglich im Zuge seiner Konversion erfahren. (103f.)*

Daß Volker Jordans Glaube auf seine Echtheit hin geprüft wurde, erhellt aus der Tatsache, daß der unheilbar an Krebs Erkrankte bekennt: “Wir können überzeugt sein, daß Gott uns keine größeren Leiden auferlegt, als wir zu tragen vermögen. Das ist auch bisher meine persönliche Erfahrung.” (106)* Dieses Zeugnis muß so manchen ‘gläubigen’ Katholiken beschämen, der mit Gott hadert, warum gerade ihn ein schweres Leiden treffe. Volker Jordan interessiert sich auch für den Umgang mit Andersdenkenden. So stellt er fest, daß sich z.B. der “Hexenaberglaube in reformatorisch geprägten Ländern wesentlich länger” hielt und “dort deutlich mehr ‘Hexen’ hingerichtet” wurden (173)*. Dies ist das Urteil eines Mannes, der Historie studiert hat. Bei den reichhaltigen Erfahrungen seiner ‘Pilgerschaft’ ist es bemerkenswert, daß er die in der orthodoxen Kirche gepflogene “biblisch-patristische Tradition” (185)* hervorhebt, ein Aspekt, der in der katholischen Kirche – leider – weniger bedeutet. Weiter hebt er den Wert der zölibatären Lebensweise der Priester gegen den verheirateten Status der orthodoxen Priester und “die fehlende dogmatische Übereinstimmung und kirchliche Einheit mit der römisch-katholischen Kirche unter dem Nachfolger Petri” hervor. (186 f.)* Insgesamt verfestigte sich in ihm der Eindruck, “man wolle zwar einen [...] Kulturverein pflegen und bewahren, dabei aber auf elementare Merkmale des Kircheseins [...] verzichten” (190)*. Volker Joseph Jordan, eine beeindruckende Persönlichkeit!

Als Gesamturteil ist festzuhalten: Ein wertvolles Buch, das ganz aus dem Rahmen üblicher Konvertitenliteratur herausfällt, aber wegen seiner im Interview vollzogenen Information unglaublich wertvoll ist. Selbst schwierige Passagen werden nachgefragt und erklärt, ansonsten ist die Sprache klar, verbindlich, erhellend. Zum Aufbau wäre nachzutragen: Es hätte dem Interview nicht geschadet, wenn man thematische Einheiten gebildet hätte, was zugegebenermaßen bei einem so umfangreichen Interview nicht einfach gewesen wäre. Hervorzuheben ist die großartige Leistung der diversen Anhänge, dort besonders zu erwähnen das Stichwortverzeichnis, das die fehlende inhaltliche Gliederung voll kompensiert.

*Die Zahlen in Klammern weisen auf die Seitenzahlen des Buches hin.

Volker Joseph Jordan
Endlich zuhause. Mein Weg zur Kirche.
Felizitas Küble im Gespräch mit einem Konvertiten
Dominus-Verlag, Augsburg 2013
ISBN 978-3-940879-29-5
352 S., € 14,80

Foto: Endlich zuhause – Mein Weg zur Kirche – Bildquelle: Dominus-Verlag