Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche

Ein Gastbeitrag von Sebastian Priebe.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 15. April 2014 um 20:09 Uhr
Statue des hl. Petrus

Kürzlich hörte ich in der Messe hinter mir eine Frau beim Glaubensbekenntnis beten „die heilige, christliche Kirche“. Ich weiß, dass dies die Lautung bei den Lutheranern ist. Allerdings bedauere ich das tiefe Missverständnis des Wortes „katholisch“, das hier zum Ausdruck kommt, sehr. Denn im Credo ist damit keine Konfession gemeint, sondern eines der wichtigsten Wesensmerkmale der Kirche, nämlich ihre Universalität (kat’holos = allumfassend). Sie ist kein geschlossener Verein, keine Eliteeinheit. Sie ist sicherlich auch christlich, ja viel mehr als das, denn sie ist der mystische Leib Christi und jeder Getaufte, hat er sich auch von der Kirche abgewandt, ist dennoch ein bleibendes Glied dieses mystischen Körpers. Die Kirche beschränkt sich jedoch nicht auf die Getauften. Ihre Mission geht viel weiter: Sie ist für alle da (= katholisch). Wie Christus sich am Kreuz hingegeben hat für alle Menschen, so ist auch die Kirche als mystischer Leib Christi für alle da.

Betrachten wir in diesem Zusammenhang die Worte des Credo und ihre tiefere Aussage einmal näher. In der reformierten Liturgie wird in Deutschland für gewöhnlich, sofern kein Credolied gesungen wird, das apostolische Glaubensbekenntnis gebetet. An besagter Stelle heißt es „[Ich glaube an] die heilige katholische Kirche“. Das nicäno-konstantinopilitanische Glaubensbekenntnis, das auf die beiden ersten ökumenischen Konzile in Nicäa (325) und Konstantinopel (381) zurückgeht, formuliert etwas anders und ausführlicher: „[Ich glaube an] die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“. Hier werden neben der Katholizität noch weitere, entscheidende Wesensmerkmale der Kirche genannt:

1. una

Die eine Kirche. Damit wird ausgedrückt, dass es nur eine Kirche gibt, nämlich die Kirche, die Christus begründet hat. Es gibt eine legitime Vielfalt, die sich in den Teilkirchen manifestiert, die aber geeint sind im Bekenntnis des von den Aposteln überlieferten Glaubens, der gemeinsamen Feier der Sakramente sowie dem in apostolischer Sukzession – worauf noch einzugehen sein wird – stehenden Weihesakrament. (vgl. KKK 814f.). Das Zweite Vatikanum sagt zu der Kirche Christi: „Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, ist verwirklicht in [subsistit in] der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.“ (LG 8). Es ist indes im Laufe der Zeiten zu Spaltungen gekommen, die die Einheit des mystischen Leibes Christi schwer verwunden und die Wahrhaftigkeit des christlichen Glaubens verdunkeln. Allerdings muss hier differenziert werden, da die Ostkirche über alle entscheidenden Merkmale von Kirchlichkeit verfügt: die volle Lehre Christi, die sieben Sakramente und die apostolische Sukzession.

Anders verhält es sich jedoch mit den aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften. Allerdings finden sich auch dort „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit“ (LG 8): „das geschriebene Wort Gottes, das Leben der Gnade, Glaube, Hoffnung und Liebe und andere innere Gaben des Heiligen Geistes und sichtbare Elemente“ (UR 3). Diese Elemente sind auch Mittel des Heiles. „Ihre Kraft kommt aus der Gnaden- und Wahrheitsfülle, die Christus der katholischen Kirche anvertraut hat. Alle diese Güter stammen von Christus, führen zu ihm und drängen von selbst ‚auf die katholische Einheit hin‘ (LG 8)“ (KKK 819).

2. sancta

Die Kirche ist heilig, nicht in dem Sinne, dass sie oder ihre Mitglieder fehlerfrei wären, sondern im Sinne einer Heilsgemeinschaft. Die Kirche ist Mittel zur Heiligung – Papst Franziskus hat dies sehr anschaulich ausgedrückt, indem er sie als Lazarett bezeichnet hat. Die Sakramente sind in diesem Bild die Medikamente, die unsere Wunden, die wir im täglichen Leben immer wieder erleiden, heilen. In den Sakramenten begegnen wir Christus. Die Kirche ist also eine heilig machende Gemeinschaft, die nicht nur die Lebenden umfasst, sondern auch die Toten. Deutlich wird dies in der überlieferten Dreiteilung der Kirche in die streitende (die Lebenden, die sich im Kampf gegen die Sünde und die Verlockungen des Satans befinden), die leidende (die armen Seelen im Fegefeuer) und die triumphierende Kirche (die Heiligen und die Seelen, die bereits Anteil am ewigen Heil haben). Alle Teile dieser Gemeinschaft können durch Gebet bzw. Fürsprache füreinander eintreten.

3. catholica

Die katholische Kirche. Der Katechismus der katholischen Kirche spricht von der Katholizität der Kirche in einem doppelten Sinne. Beides klang schon an: Die Kirche ist katholisch (allumfassend), weil sie „die Fülle der Mittel zum Heil“ (AG 6) hat: „das richtige und ganze Glaubensbekenntnis, das vollständige sakramentale Leben und das geweihte Dienstamt in der apostolischen Sukzession.“ (KKK 830). Zum anderen ist sie katholisch, weil sie für alle Menschen zum Heile gedacht ist.

4. apostolica

Die apostolische Kirche. Die Kirche beruht bis heute auf dem Fundament der Apostel. Denn Christus hat die zwölf Apostel berufen, seine Lehre zu verkünden und ihnen die Vollmacht des priesterlichen Dienstes gegeben. Diese Vollmacht haben die Apostel weitergegeben an die Bischöfe in einer bis heute ununterbrochenen Weihekette – dies nennt man die apostolische Sukzession. Die Bischöfe sind die Nachfolger der Apostel und haben – anders als Priester – die Fülle der priesterlichen Vollmacht, das heißt, sie können alle Sakramente spenden. Schon in der Antike gab es viele Irrlehrer und so war die Frage, ob die Lehre apostolisch, das heißt, ob sie der Überlieferung der Apostel entspricht, die ja die Augen- und Ohrenzeugen Jesu waren, von erheblicher Bedeutung. Daher bilden die Bischöfe, die in Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater stehen, das kirchliche Lehramt, das in Glaubensfragen unfehlbar ist. Dabei beruft sich die Kirche auf den Beistand des Heiligen Geistes, den Christus selbst verheißen hat. Wesentlich ist für das Lehramt zudem die Rückbindung an die Tradition, was auch in der Apostolizität der Kirche zum Ausdruck kommt. Die Kirche bzw. das Lehramt ist somit selbstverständlich stets an die von Christus und die an den Aposteln offenbarte Lehre gebunden, die sie sich im Laufe der Jahrhunderte immer tiefer aneignet. Es zeigt sich also, wie wichtig und richtig es ist, dass die Kirche im Credo als katholisch bezeichnet wird.

Falsch verstandene Ökumene bzw. Rücksicht verkürzen diesen wesentlichen Aspekt der Katholizität, wenn man meint, das Credo, das ja ebenfalls Teil der apostolischen Überlieferung ist, korrigieren zu müssen. Es wäre im Sinne der Ökumene sicherlich hilfreicher, das richtige Verständnis des Begriffs des Katholischen wiederzugewinnen, drückt sich doch gerade darin die Universalität der Kirche und ihre Offenheit für alle Menschen aus.

Foto: Statue des hl. Petrus – Bildquelle: Kathnews