Der Priester als „Alter Christus“ (ein anderer Christus)

Liturgische Tagung über die Stellung des Priesters in der Liturgie.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 30. März 2014 um 14:15 Uhr

Herzogenrath (kathnews). Das Priesterbild steckt in einer Krise. Das wird auch in der Liturgie deutlich, ist doch Liturgie „gefeiertes Dogma“. Die Identität des Priesters, das Verhältnis von gemeinsamem (allgemeinem) und besonderem (amtlich-hierarchischem) Priestertum (vgl. Vat. II, vor allem Lumen gentium Nr. 10), der Stellenwert priesterloser Wortgottesdienste, die liturgische Gebetsrichtung und der Opfercharakter der Eucharistie: diesen und anderen Themen, die mit dem Priestertum in der Liturgie und seiner Identität zu tun haben, stellt sich die 16. Kölner Liturgische Tagung, die vom kommenden Mittwoch, dem 2. April, bis zum Samstag, dem 5. April 2014, in Herzogenrath unweit der Stadt Aachen gehalten wird.

Kompetente Wissenschaftler

Namhafte und kompetente Referenten verschiedener theologischer Disziplinen werden über die angesprochenen Themen Referate halten: S.E. Dr. Athanasius Schneider (Weihbischof in Astana in Kasachstan), Prof. Dr. Peter Bruns (Universtät Bamberg), Prof. Dr. Helmut Hoping (Universität Freiburg), Pfr. Dr. Peter Stephan (Universität Freiburg/Fachhochschule Potsdam), Prof. Dr. Andreas Wollbold (Universität München), Pater Bernward Deneke FSSP (Wigratzbad), Dr. Peter Düren (Augsburg), Pater Dr. Uwe Michael Lang CD (London) und Dr. Heinz-Lothar Barth (Universtität Bonn).

Kommentiertes Konzert: Karlsliturgie anlässlich des Karlsjahres 2014

Darüber hinaus legen die Veranstalter großen Wert auf einen geistlichen Austausch und ein kulturelles Rahmenprogramm. Herzogenrath ist ein Vorort nördlich von Aachen, also unweit jener historischen Stelle, wo die Pfalz Karls des Großen gestanden hat. Karl der Große hat in Aachen (wohl vom keltischen Aha = Wasser – wegen der heißen Quellen – abgeleitet, Lateinisch: Aquisgranum, Aquis Palatium, Aquis Villa oder einfach Aquis) die letzten 20 Jahre seines Lebens gewirkt und von dort sein Riesenreich regiert. Aachen war die Hauptresidenz und „Hauptstadt“ des Reiches Karls des Großen, das „Zweite Rom“. In der Aachener Pfalz starb er am 28. Januar 814, dort im Aachener Dom liegen seine Gebeine im berühmten Karlsschrein. Darum ragt im Karlsjahr 2014 unter den kulturellen Veranstaltungen während der Liturgischen Tagung vor allem ein kommentiertes Konzert in der Herzogenrather Pfarrkirche St. Gertrud hervor. Die Aachener Schola „Carolina“ singt am Mittwoch, dem 2. April 2014 um 20.00 Uhr unter Leitung ihres Dirigenten, dem Musikwissenschaftler Dr. Michael Tunger die Karlsmesse und das Karlsoffizium „Regali natus“. Die Orgelimprovisationen dazu spielt Prof. Dr. Albert Richenhagen von der Universität der Künste in Berlin.

Pontifikalamt in der klassischen Form des Römischen Ritus

Zum Abschluss der Tagung zelebriert der Bischof von Lüttich (Belgien) S.E. Dr. Jean-Pierre Delville, um 10.00 Uhr ein Pontifikalamt in der klassischen („außerordentlichen“) Form des Römischen Ritus in der genannten Pfarrkirche. Zum Proprium (eigene Gesänge) der Messe werden Klänge der klassischen Polyphonie des 16. Jahrhunderts zu hören sein, die gemäß den Vätern des Zweiten Vatikanischen Konzils nach dem Gregorianischen Gesang der vornehmliche liturgische Gesang der Katholischen Kirche ist. Der Projektchor St. Gertrud und die Mitglieder des Aeolus Ensembles singen unter Leitung von Kantor Herbert Nell (Herzogenrath) die „Missa secunda“ von Hans Leo Hassler (1564-1612).

Vatikanum II: Liturgie ist Vollzug des Priesteramtes Jesu Christi

Vor 50 Jahren tagte das Zweite Vatikanische Konzil. In seiner Konstitution über die heilige Liturgie machen die Konzilsväter großartige Aussagen über das Wesen der Liturgie:

„Mit Recht gilt also die Liturgie als Vollzug des Priesteramtes Jesu Christi; durch sinnenfällige Zeichen wird in ihr die Heiligung des Menschen bezeichnet und in je eigener Weise bewirkt und vom mystischen Leib Jesu Christi, d.h. dem Haupt und den Gliedern, der gesamte öffentliche Kult vollzogen. Infolgedessen ist jede liturgische Feier als Werk Christi, des Priesters, und seines Leibes, der die Kirche ist, in vorzüglichem Sinn heilige Handlung, deren Wirksamkeit kein anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht. In der irdischen Liturgie nehmen wir vorauskostend an jener himmlischen Liturgie teil, die in der heiligen Stadt Jerusalem gefeiert wird, zu der wir pilgernd unterwegs sind, wo Christus sitzt zur Rechten Gottes, der Diener des Heiligtums und des wahren Zeltes. In der irdischen Liturgie singen wir dem Herrn mit der ganzen Schar des himmlischen Heeres den Lobgesang der Herrlichkeit. In ihr verehren wir das Gedächtnis der Heiligen und erhoffen Anteil und Gemeinschaft mit ihnen. In ihr erwarten wir den Erlöser, unseren Herrn Jesus Christus, bis er erscheint als unser Leben und wir mit ihm erscheinen in Herrlichkeit.“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium, Nrn. 7 und 8).

Grußwort an den Papst

Die Veranstalter, die Referenten und die Teilnehmer an der Liturgischen Tagung wissen sich dem Lehramt der Kirche verpflichtet. Treu stehen sie zum Zweiten Vatikanischen Konzil, das eine Reform der Kirche in Kontinuität wünschte (vgl. Ansprache von Papst Benedikt XVI. an die Römische Kurie vom 22. Dezember 2005), und dem darauf fußenden Lehramt der Päpste nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Am Ende einer jeden Tagung verfassen die Veranstalter ein Grußwort an den Papst. Es ist das erste Mal, dass die Tagung im Pontifikat von Papst Franziskus gehalten wird. Die letzte Tagung  fand  vom 28. November bis 1. Dezember 2012 statt. Sie stand unter dem Thema: „50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil und die Liturgiereform“.

Foto: 16. Kölner Liturgische Tagung – Bildquelle: Liturgische Tagung