Der Glaube muss im Mittelpunkt stehen

Erfahrungsbericht eines Studenten der katholischen Theologie.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 17. August 2016 um 10:04 Uhr

Von Markus Lederer:

Ich studiere bereits im 9. Fachsemester Katholische Theologie und Germanistik an der Universität zu Würzburg. Voraussichtlich so Gott dies will, werde ich mein Studium im Frühjahr nächsten Jahres abschließen. Nun am Ende des Studiums angelangt, ist es Zeit für eine kurze Zusammenfassung meiner Eindrücke, meiner Erlebnisse.

Im Wintersemester 2012/13 begann das Studium und ich freute mich innerlich darauf, dass man in Kontakt mit jungen Katholiken treten kann, um gemeinsam sich des Studiums und der Freude über den gemeinsamen Glaubens widmen zu können. Bereits im Vorfeld meines Studiums las ich insbesondere die Schriften Papst Benedikts XVI., der immer wieder betonte, dass die Jugend „Salz der Erde“ sein sollte. Ich erwartete Kommilitonen, die auch aus der Freude des Glaubens heraus versuchen ihr Leben zu gestalten. Doch bereits am Anfang des Studiums musste ich feststellen, dass vielmehr die Kritik an der Kirche, dem ja so konservativen Papst, im Zentrum zu stehen scheint. In den Vorlesungen wurde oftmals sogar gespottet, wenn man versuchte auf Grundlagen der Theologie von Papst Benedikt XVI. zu argumentieren. Wenn man explizit den Katechismus als Maßstab der Theologie heranzog, enthob man sich selbst in Sphären der Theologie, die als vorkonziliar und unmodern gelten. Manche Dozenten waren zumeist sogar schockiert, wenn man sich meldete und die Lehre der Kirche verteidigte. Selbst unter Kommilitonen erntete man zum Teil unverständliche Blicke, wenn man äußerte, dass man die katholische Kirche und ihre Lehre lieben sollte.

Problematisch wird dies dann, wenn man die Bestimmungen zur Erlangung der Missio Canonica sich vor Augen hält, in diesen es heißt:
Kriterien für eine Verleihung der Missio canonica: Die Religionslehrerin/der Religionslehrer ist bereit, den Religionsunterricht in Übereinstimmung mit der Lehre und den Grundsätzen der Katholischen Kirche zu erteilen. Die Religionslehrerin/der Religionslehrer beachtet in der persönlichen Lebensführung die Grundsätze der Katholischen Kirche.

Infolgedessen ist der sonntägliche Messbesuch für einen Studenten der Katholischen Theologie nicht optional, sondern gehört felsenfest dazu. Ferner muss ebenso gelten, was sowieso für jeden Katholiken das Ziel sein sollte: ein Streben nach Heiligkeit. Ein Heiliger, beziehungsweise einjeder, der nach diesem hohen Maße strebt, ist letzendlich der beste Religionslehrer. Eine Theologie, ein angehender Religionslehrer ohne tiefen katholischen Glauben atmet bildlich gesprochen mit nur einem Lungenflügel. Natürlich muss man selbst immer kritisch bleiben, aber wie weit sind wir davon entfernt einen unreflektierten, unkritischen Glauben blind zu übernehmen? Vielmehr steht nur noch Kritik im Vordergrund, die einer Theologie, die die Lehre der Kirche als Maßstab nimmt, die Luft raubt.

Auf der anderen Seite durfte ich mit vielen Jugendlichen in Kontakt treten – auch wenn es zumeist keine Kommilitonen waren – die felsenfest im Glauben stehen. Insbesondere in der Pfarreiengemeinde St. Peter und Paul zu Würzburg findet sich eine Schar von Jugendlichen, die gemeinsam im Sinne der Kirche versuchen ihr katholisches Leben zu gestalten. Gemeinsam unternahmen wir bereits drei Ausfahrten mit dem Fatima-Weltapostolat. Es ging nach Paris, Polen und im April diesen Jahres stand eine Fahrt nach Italien auf dem Programm.
Was bleibt nun als Fazit? Keineswegs nur blinde Kritik, sondern vielmehr der Wunsch, dass sowohl an der Universität als auch unter den Kommilitonen wieder verstärkt ein Bewusstsein dafür erstehe, dass der Glauben der Kirche im Mittelpunkt stehen muss. Eine römisch-katholische Theologie, die nicht auf dem Fundament des Lehramtes steht, ist letzendlich Theologie im luftleeren Raum.

Papst Benedikt XVI. verwies letzendlich in einer Rede an die Dozenten und Studenten der Katholischen Universität vom Heiligen Herzen an das Zusammenspiel zwischen gelebter Spiritualität und empirischer Theologie, indem er herausstellte, dass letzendlich die Universitätskapelle gleichsam das Herz des intellektuellen Forschens der Studenten und Dozenten darstelle. Dieses Bild kann natürlich auf jede Universität in der Katholische Theologie gelehrt wird, sowie auf jeden Studenten, Dozenten übertragen werden.
In dieser Perspektive ist die Kapelle das pulsierende Herz und die stete Speise des Universitätslebens, zusammen mit dem Pastoralzentrum, wo die Seelsorger der verschiedenen Stellen gerufen sind, ihre wertvolle priesterliche Sendung zu erfüllen, die von der Identität der Katholischen Universität nicht zu trennen ist. Wie uns der sel. Johannes Paul II. lehrt, ist die Universitätskapelle »ein Ort des Geistes, wo die Christgläubigen, die auf unterschiedliche Weise in das akademische Leben einbezogen sind, im Gebet innehalten und geistige Nahrung und Leitung finden können.“ (Benedikt XVI. – Audienz an Studenten und Dozenten der Universität vom Heiligen Herzen)

Foto: Papst Benedikt XVI. – Bildquelle: Kathnews