„Das Farnese-Komplott“ – ein katholischer Vatikan-Krimi

Ein Interview mit Barbara Wenz zu ihrem neuen Buch. Das Gespräch führte Ulrich Nersinger.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 2. September 2014 um 08:59 Uhr
Das Farnese-Komplott

Kriminalromane, die im und rund um den Vatikan spielen, haben in der Regel keine guten Ruf. Sie folgen oft den üblichen Klischees, zeichnen sich durch mangelnde Sachkenntniss aus und lassen die Kirche in einem schlechten Licht erscheinen. Dass dies nicht sein muss, beweist ein Thriller aus der Feder von Barbara Wenz. Barbara Wenz, geboren 1967 in der Südpfalz, lebt und arbeitet als Autorin und freie Journalistin seit über zehn Jahren in Italien; sie schreibt u. a. für „Die Tagespost“ (Würzburg) und das „Vatican-Magazin“ (Rom) und hat bereits einen literarischen Reiseführer über bekannte und unbekannte Pilgerorte in Mittelitalien veröffentlicht.

Mit ihrem soeben erschienenen Vatikan-Krimi „Das Farnese-Komplott“ verwebt die Autorin Geschichte und Gegenwart geschickt miteinander. Gut recherchiert, gleichermaßen humorvoll wie poetisch hat Barbara Wenz einen sehr spannenden Plot rund um den „Schleier der Veronika“ entwickelt, einen Roman geschrieben, der durch seine Atmosphäre besticht. Das Italien-Flair und die Aura des Vatikans sind stimmungsvoll ausgearbeitet. Kurz bevor die deutsche Journalistin Krista Winther die Nachfolge von Manfred Moorstein, dem Rom-Korrespondenten des „Frankfurter Allgemeinen Anzeigers“, antreten kann, verschwindet dieser spurlos: Die verwüstete Wohnung Moorsteins weist auf ein Verbrechen hin. Gemeinsam mit Monsignore Lorenzo Farnese und Inspektor Gabriele Cairo von der vatikanichen Gendarmerie macht sich Krista auf die Suche nach den Hintergründen und erfährt, dass ein mysteriöser Schleier mit dem Antlitz Christi eine besondere Rolle spielt. Was hat die wertvolle Reliquie mit dem Fall zu tun?

Warum schreibt man einen Vatikankrimi?

Ich lese selbst sehr gerne Vatikankrimis, bin jedoch bisher so gut wie immer enttäuscht worden. Billigste Klischees, Stereotypen, hirnrissige Geheimprophezeiungen, wonach die Gottesmutter Abtreibung und gleichgeschlechtliche Liebe gut findet – was von der bösen Kirche und vor allem von den bösen Kirchenmännern vor der Welt verheimlicht wird. Es gibt schon jede Menge krudes Zeug, weil die meisten Schreiber, und sie schreiben Bestseller, keine Ahnung vom Vatikan haben, von der katholischen Kirche, wie sie in Wirklichkeit ist. Und ohne Sex, Macht und Gewalt kann und darf es nicht gehen. Innerhalb der Kirche, wohlgemerkt. Ich wollte es ein bisschen besser machen, und hoffe, das mir das gelungen ist. Soviel zur „negativen“ Motivation. Ich habe einen Krimi geschrieben, der hauptsächlich im Vatikan spielt, weil mich der Vatikan und die Kurie – ihre Vergangenheit und Gegenwart – inspirieren. Weil ich es faszinierend finde, dass die katholische Kirche nun fast auf eine zweitausendjährige Geschichte zurückblicken kann, die natürlich nicht nur Sonnenseiten hat. Dennoch, die Kirche bleibt für mich ein Faszinosum, all diese verschiedenen Persönlichkeiten: Heilige und Hurenböcke, Gelehrte und Gemeine, Liebende und Laue, Märtyrer und Mystiker, die Menschen, die sich bis zur Selbstaufgabe für andere einsetzten und einsetzen. Und eben Architektur, Bildende Kunst, Musik, Literatur.

Was macht einen Vatikankrimi aus?

Nun, es gibt eine oder mehrere Leichen, idealerweise Kleriker, eine wüste Verschwörung, deren Ziel natürlich die Zerschlagung der römisch-katholischen Kirche und des Vatikans, vielleicht noch Freimaurer, am Besten noch ein Konklave und in den allermeisten Vatikankrimis, die ich gelesen habe, wird noch das Zölibat gebrochen. Nein, Scherz beiseite, ich weiß nicht, worin die besten Zutaten bestehen oder wie man das Genre am Besten definiert – ich schreibe über das, was mich interessiert und begeistert, meine Fantasie anregt. Das waren zum einen die Menschen, die mit dem mittlerweile besonders durch die Arbeiten von Paul Badde in Deutschland bekannten Schleiertuch von Manoppello in Berührung gekommen sind – oder besser in Berührung gekommen sein könnten, ich imaginiere das alles nur, es ist pure Fiktion. Zum anderen war das die Kurie, das Leben im „Staat Vatikanstadt“, in Rom generell.

Haben Vatikankrimis eine Zukunft?

Ja. Absolut. Ich würde diese Rahmensetzung auch gerne erweitern auf einen Begriff aus dem englischsprachigen Raum: „religious thriller“. Ich könnte das jetzt lange und breit erläutern, aber ich nehme einfach ein gutes Beispiel, warum ich davon überzeugt bin, dass es immer wieder erfolgreiche Krimis oder Thriller zum Thema geben wird. Denken Sie nur an den ersten Teil der „Indiana Jones“-Verfilmungen. Was war ausschlaggebend? Indiana war auf der Suche nach der alttestamentarischen Bundeslade! Und nicht nach dem mumifizierten Ohr Gautama Buddhas. Die Menschen sind nicht mehr christlich im Sinne, dass sie sich einer Kirche zugehörig fühlen, regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Das ist beklagenswert, aber gleichzeitig ist es interessant zu sehen, wie sich Agnostiker und Atheisten im kulturellen Bereich zum Beispiel für gregorianische Musik – die ja nichts anderes ist als ein gesungenes christliches Gebet bzw. gesungene Bestandteile der Alten Messe – begeistern können. Daneben fände ich es natürlich schön, wenn sich einfach wieder ganz selbstverständlich eine christliche moderne Literatur etablieren würde, so wie das damals bei der „renouveau catholique“ versucht worden ist.

Welche Reaktion gab es auf „Das Farnese Komplott“?

Größtenteils positive. Die Mischung aus Recherche, verschiedenen Erzählebenen, italienischer Zeitgeschichte wie die Terroranschläge von Bologna, das große Mysterium um das Schleiertuch von Manoppello haben bei vielen Leserinnen und Lesern Neugierde und Interesse geweckt. Natürlich handelt es sich dabei um reine Fiktion und Fabuliererei, aber wer eine spannende Lektüre mag, bei der die Kardinäle nicht diejenigen sind, die Piranhas züchten und Dominas frequentieren (wie in so manch anderem Vatikankrimi schon gelesen), wer Dialoge in „Screwball“-Manier mag und ein bisschen eintauchen will in das zeitlose Flair, das den Vatikan auch heute noch umgibt, der wird vielleicht nicht enttäuscht werden.

Wird es eine Fortsetzung geben?

Das Buch ist darauf angelegt und ich würde sehr gerne weiterschreiben. Das ist aber von verschiedenen Faktoren abhängig. Im Moment pflege ich meine ALS-kranke greise Mutter, was mich sehr in Anspruch nimmt und auch Vorrang hat – und der Verlag hat natürlich auch noch ein Wörtchen mitzureden. Vedremo!

Barbara Wenz,
Das Farnese-Komplott,
Emons Verlag, Köln 2014,
ISBN 978-3-95451-313-0,
224 Seiten,
€ [D] 9,90 € [A] 10,20

Foto: Das Farnese-Komplott – Bildquelle: Emons Verlag