Causa „Conchita Wurst“ – Schönborn fordert Toleranz

Wiener Erzbischof freut sich über Sieg des Travestiekünstlers.
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 16. Mai 2014 um 20:40 Uhr
Kardinal Christoph von Schönborn

Wien (kathnews/KNA). Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat Freude über den Sieg des Travestiekünstlers „Conchita Wurst“ beim Eurovision Song Contest bekundet. Es gebe „im bunten Garten Gottes“ auch Menschen, die sich als das jeweils andere Geschlecht fühlen, „und die verdienen natürlich
unseren vollen Respekt, unsere Hochachtung als Menschen“, sagte Schönborn der österreichischen Presseagentur Kathpress in Wien. „Ich kann ihm nur wünschen, mit diesem Erfolg gut umzugehen, denn das ist nicht leicht“, fügte der Kardinal hinzu. „Ich bete für ihn um den Segen für sein Leben.“ Conchita Wurst alias Tom Neuwirth (25) war am vergangenen Wochenende von den TV-Zuschauern in Europa zum Sieger des Wettbewerbs gekürt worden und löste einen internationalen Medien-Hype aus. Das Thema Toleranz, unter das Conchita Wurst ihre Performance gestellt habe, ist nach den Worten des Kardinals „ein reales, ein großes Thema“. Menschen wie er müssten viel Spott, Gemeinheit und Intoleranz erfahren.

Toleranz heiße jedoch letztlich, „jemand anderen zu respektieren, auch wenn man seine Überzeugungen nicht teilt – und in diesem Sinn brauchen wir alle Toleranz“. Das Thema habe aber noch eine größere, weltweite Dimension, so Schönborn. Wenn wie zuletzt in Nigeria durch die islamistische Terrorgruppe Boko Haram 270 Mädchen entführt und zum Übertritt zum Islam gezwungen werden, sei das „erschreckendste Intoleranz“. Ebenso könne man „nur Nein sagen“, wenn in manchen Ländern Homosexualität mit der Todesstrafe geahndet wird, sagte der Kardinal. Schönborns Fazit: „Das Thema ist da, und es ist wichtig, aber wir sind sicher nicht am Ende damit.“ Zur Geschlechteridentität erklärte der Wiener Erzbischof, er empfinde es als eine „wunderbare Idee“ des Schöpfers, dass er den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Aus dieser Polarität und wechselseitigen Ergänzung ergebe sich Anziehung, „Sich-nach-einander-Sehnen, aber auch das „Miteinander-Ringen“. Im Kontext der Schöpfung sei das „Gottes faszinierendste Idee“.

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Foto: Kardinal Christoph von Schönborn – Bildquelle: Th1979, CC