Bildungssystem lässt Jugendliche verblöden

Wiener Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt.
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 18. Juli 2013 um 22:41 Uhr

Hamburg (kathnews/KNA). Der Wiener Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier sieht die Zukunftsperspektiven
der jungen Generation pessimistisch. „Sie ist auf dem besten Wege, in die absolute Verblödung geführt zu werden“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“ (Donnerstag). „Wenn unser Erziehungs- und Bildungssystem nur noch nach den ökonomischen Gesichtspunkten von OECD und Pisa funktionieren muss, rechne ich den Jugendlichen keine guten Chancen aus.“ Es brauche eine neue Bewegung aus der Zivilgesellschaft heraus, wenn humanistische Werte im Bildungssystem wieder eine Rolle spielen sollten. Andernfalls sehe er für die Jugend schwarz, so der Wissenschaftler. Weiter kritisierte Heinzlmaier, Lehrinhalte würden seit Jahren nach ihrer Verwertbarkeit für den Arbeitsmarkt ausgewählt. In den Schulen finde eine Verlagerung zugunsten naturwissenschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Inhalte statt, weg von Musik, Literatur und Kunst, so der Mitbegründer des Wiener Instituts für Jugendkulturforschung. Der Verzicht auf kulturelle Bildung werde die demokratische Grundordnung über kurz oder lang gefährden, weil der Nachfolgegeneration die politische Urteilsfähigkeit fehle. Auch von alternativen Schulformen wie der Waldorf-Schule hält Heinzlmaier wenig. „Das ist schlicht eine Flucht der gut gebildeten Mittelschichten, die weiter Wert auf eine umfassende, auch kulturelle Bildung legen.“ Alternativen zum staatlichen Bildungssystem könne sich „eine vierköpfige Familie aus Berlin-Marzahn nicht leisten, also helfen sie nur den Reichen“.

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Foto: Hamburger Rathaus – Bildquelle: Andreas Gehrmann