Beten und handeln für Kirche und Papst sowie für mehr Respekt vor der Schöpfungsordnung Gottes

Ein Kommentar von Martin Lohmann in Radio Horeb vom 23. Februar 2013.
Erstellt von Felizitas Küble am 24. Februar 2013 um 18:51 Uhr
Martin Lohmann

Liebe Hörerinnen und Hörer, was sind das für Zeiten, in denen wir leben! Verwirrung, wohin man schaut. Alles scheint durcheinandergeworfen zu werden. Irgendwie scheint nichts mehr zu gelten. Die deutschen Bischöfe sind offenbar schlecht beraten und genehmigen, so ist die eigentlich etwas andere Botschaft draußen angekommen, eine Abtreibungspille. Eine kirchliche Pressestelle bringt im Zusammenhang mit einer Vergewaltigung fahrlässig den Begriff der „verbrecherischen Befruchtung“ in die Öffentlichkeit und stößt eine immer betonte Wirklichkeit um. Denn bislang galt, dass – und so wäre es richtig formuliert – auch nach einem Verbrechen der im Augenblick der Befruchtung entstehende Mensch von Gottes Liebe und Gnade umhüllt wird, eine unsterbliche Seele bekommt und nichts Verbrecherisches an sich hat. Der angekündigte Rücktritt unseres geliebten Heiligen Vaters weckt allenthalben Begehrlichkeiten zum Selberbasteln unserer endlich ganz modernen und rein Weltlichem angepassten Kirche. Die Hatz auf treue und mutige Katholiken, die sich noch trauen, in der Öffentlichkeit dem Mainstream der Wertezerstörung zu widersprechen, ist eröffnet. Bischöfe fallen bekennenden Christen öffentlich in den Rücken und verleugnen die Wahrheit. Sie lassen lieber allein als dass sie schützen oder gar stärken.

Ein falsch beratener alter und verdienter Bischof distanziert sich vorsichtshalber lieber öffentlich von einem treuen Katholiken, der auch noch diesen Bischof und seine eigentlich klare Überzeugung verteidigt hatte, ohne dass der Hirte überhaupt wissen, sehen oder hören will, was dieser denn in einer Sendung tatsächlich gesagt hatte. Distanzierung auf Verdacht hin wird zur Unkultur des Verdachts. Der Papst bekommt für seinen mutigen Schritt viel Applaus – von jenen, die nie wissen wollten, was ein Petrusnachfolger eigentlich ist und welchen Respekt er verdient. Zur selben Zeit tanzen nackte antipäpstliche und anti-kirchliche Frauen mit bösen Parolen auf ihrem Körper in der Pariser Kathedrale Notre Dame gegen alles Heilige. In die Peterskuppel donnert ein Blitz. Das einst katholische Frankreich bekennt sich zur sog. Homo-Ehe, ein hohes Gericht in Deutschland macht den Weg frei zur Adoption von Kindern für Schwule und Lesben. Die christliche Ehe wird so gut wie weggerichtert. Die Schöpfungsordnung und ihre Konsequenzen im Blick auf die Ehe von Mann und Frau wird geleugnet. Und nun: In wenigen Tagen der tatsächliche Rücktritt des Petrus, seine letzte Audienz, sein Abschied von den Kardinälen, sein Verlassen des Vatikans. Alles getimt. Anders als Jahrhunderte früher wissen wir, wann exakt ein Pontifikat, ein „Tu es Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ konkret endet.

Am kommenden Donnerstag um 20 Uhr beginnt die papstlose Zeit. Ja, die Verwirrung insgesamt und die jeweils persönliche Irritation sind exorbitant groß. Machen wir uns da nichts vor. „Ich komme mir seit Tagen vor wie in einem grausamen Alptraum“, sagte mir jemand noch heute, „und ich wünschte, er hört bald einmal auf“. – Ein Wunsch, den wohl viele haben, nicht wahr?! Verleugnen des Lebensrechtes eines jeden Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen Tod, Zulassen einer überall erkennbaren Kathophobie und die sich abzeichnende völlig veränderte Vorstellung dessen, was ein Papst ist – all das verlangt viel von uns ab. Denn auch künftig ist der Petrusnachfolger weit mehr als ein Vorstandsvorsitzender eines globalen Konzerns sein. Darauf verweist nicht zuletzt dieser große und so glaubenstiefe Papst, der in seinem Pontifikat wie kaum ein anderer mit dem Wort der Wahrheit Orientierung geben wollte und der uns einen reichen Schatz an Sensibilität, Schönheit und Vertrauen im Umgang mit dem HERRN und auf Ihn hin hinterlässt. Ein Papst, den zu verlieren in der Seele schmerzt, auch weil er so wahnsinnig geduldig und demütig versuchte, Glaube und Vernunft zu versöhnen. Ein Papst, der uns beinahe acht Jahre ein edles Geschenk Gottes war, um das ziemlich ins Wanken geratene Schifflein Petri zu steuern.

Ein Papst, der die Größe hat, auf Macht zu verzichten, weil es ihn offenbar umtreibt, wie verworren so vieles geworden ist und der auch künftig auf das alles Entscheidende verweisen will: Gebet. Gebet. Gebet. Benedikt XVI., das wissen Sie, habe auch ich stets gut gekannt. Und seit meiner Kindheit seit beinahe einem halben Jahrhundert verehrt. Und zwar gerade wegen seines Tiefgangs, seines Gottvertrauens, seiner Schönheit der Sprache und seiner Weisheit des Geistes und der Weitsicht des Herzens. Deshalb suche auch ich nach der sich wohl erst später ganz erhellenden Botschaft, die er uns nun hinterlässt. Am gestrigen Fest der Cathedra Petri haben wir im Evangelium von jener Berufung des Petrus gehört, die wir alle kennen. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass unser Noch-Petrus leichtfertig die Schlüssel des Himmelreiches zurückgibt. Nein, nein, das würde ganz und gar nicht zu Joseph Ratzinger und Benedikt passen. Leichtfertig hat dieser Mensch mit so viel Vorbildcharakter nie gehandelt. Wohl aber sehr überlegt und nach einer intensiven Zwiesprache mit Gott, um den es ihm immer und überall ging und geht. Der Schrifttext von gestern machte deutlich, was ein Papst ist und worauf es vor allem ankommt: auf einen starken und unerschütterlichen Glauben. „Du bist der Messias“, sagt Simon, der daraufhin zum Felsen wird.

Und da unser deutscher Petrus, unser deutscher Felsen uns niemals einen starken und schönen und unerschütterlichen und tiefen Glauben schuldig geblieben ist, scheint er zu ahnen und zu wissen, dass es heute – in diesen Zeiten der Totalverwirrung bis hinein in unsere katholische Kirche – wohl wesentlich mehr braucht als „nur“ einen unendlich starken Glauben. Warum sonst sollte er, der so Glaubensklare und Glaubensstarke, die Schlüssel des Himmelreiches in anderen Händen sehen wollen?! Es gibt so viele Gründe, diesem Benedictus, diesem Gesegneten, der auf so vielfache Weise selbst zum Segen für andere wurde, zu danken. Es gibt unendlich viele Gründe, weiter für ihn zu beten. Aber es gibt vor allem unglaublich viele Gründe und geradezu eine bedrängende Notwendigkeit, für einen vom Geiste Gottes ausgesuchten und treuen neuen Petrus zu beten  –  geschweige denn die ungezählten Gründe, für eine in Jesus Christus und an seinem Herzen erneuerte und glaubensstarke, furchtlose und barmherzige Kirche zu beten. Ja, wir sollten den Himmel bestürmen in diesen Tagen, in denen so viele auch emotional so berührt sind. Und wir sollten die Heiligen dort oben regelrecht aktivieren, nicht einfach zuzusehen, sondern mitzuwirken, dass nach all diesem Nebel und all dieser Unsicherheit und all den eingeschlagenen Irrwegen wieder viel Licht da ist, um – gelegen oder nicht – die Wahrheit zu verkünden, Zeugnis abzulegen für Jesus Christus und die Liebe des gerechten Gottes zu jedem und jeder.

Ich denke da meinen Namenspatron, den so überzeugenden heiligen Bischof Martin, die mutige und unerschrockene Caterina von Siena, den heiligen Johannes den Täufer, unseren unvergessenen Johannes Paul den Großen, an den wortgewaltigen Apostel Paulus und nicht zuletzt an den, auf den Christus seine Kirche gebaut hat: den bisweilen wankelmütigen und doch so letztlich starken Petrus. Und ich glaube fest, dass die Mächte der Unterwelt die Kirche nicht überwältigen werden. Ich glaube an die Zusagen des HERRN. So wie Benedikt XVI., der uns viel mehr hinterlässt als nur ein Pontifikat. Es kommt irgendwie auch auf jeden von uns an, die richtige Botschaft zu erkennen und zu bezeugen. Danke für diesen Papst! Gebet für unseren neuen Petrus! Für einen in jeder Weise würdigen Nachfolger Benedikts!Gott sei Dank, dass wir gerade jetzt Ja sagen können und dürfen! Gott sei Dank für Benedikt, Gott sei Dank für seinen Nachfolger, Gott sei Dank für Zeiten der Klärung und der Entscheidung.

Deus Caritas Est.
Gott ist die Liebe.
Und die Wahrheit.
Und die Freiheit.
Es ist und bleibt Christus selbst, der die Kirche führt.

Es gibt viel zu tun – nicht nur bei Radio Horeb und unserem kath. Fernsehsender K-TV!
Deo Gratias. Deo Gratias. Deo Gratias.
Gerade jetzt: Uns allen eine gesegnete Zeit.

Foto: Martin Lohmann – Bildquelle: HL – LohmannMedia